NSDAP-Gebäude in München und ihre Reste

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Als NSDAP-Gebäude im Stadtgebiet von München sollen hier vor allem die Gebäude genannt werden, die von der Nazi-Partei gekauft und umgebaut oder errichtet wurden und deren Verbleib beschrieben werden. Zum ersten handelt es sich um den neu errichteten Führerbau und den dazugehörigen Verwaltungsbau als Nachfolgegebäude für das Braune Haus. Dessen Vorgänger als Sitz der Geschäftsstellen der NSDAP waren angemietete Räume, die äußerlich keine Merkmale der so genannten Nazi-Architektur trugen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine ganze Reihe der typischen "Nazi-Bauwerke" nicht durch die Partei, sondern durch den Staat oder andere Organisationen errichtet wurden, die formal und finanziell von der NSDAP unabhängig waren, auch wenn sie in ihren Leitungsgremien zu dieser Zeit eindeutig von der NSDAP beherrscht waren.

All dies darf nicht vergessen machen, dass die neuen Machthaber in den wenigen Monaten ihrer neuen Machtfülle bereits riesige Ausbaupläne für ihre Hauptstadt der Bewegung schmiedeten. Sie ergänzten einerseits die Pläne für Berlin, sollten aber den Preußen andererseits immer vorführen, dass das Heil der NS-Bewegung aus dem Süden des Reichs gekommen war und dort seine feste Stütze hatte.

vorher, Ca. 1939 Blickrichtung nach Nordost. Vor der Zerstörung links die Frauenkirche und darüber Hofgarten u. Umfeld, von der Bildmitte nach rechts der Marienplatz mit Rathaus und St. Peter

Frühere Geschäftsstellen

Ulrike Grammbitter nennt als Sitz der Geschäftsstellen der NSDAP in München bis zum Erwerb des "Braunen Hauses" 1930:

1. 1920 war das ein Nebenzimmer des Münchner Sterneckerbräus am Isartor.
2. 1921: Umzug in die Räume eines ehemaligen Wirtshauses in der Corneliusstraße 12.

1923 - Verbot der NSDAP im November 1923 nach dem Ludendorff-Hitler-Putsch

3. Ab Februar 1925 überließ Max Amann (1891–1957), Leiter des Parteiverlages, der neu wieder gegründeten NSDAP ein Zimmer in der Thierschstraße 15.

Der Franz-Eher-Verlag hatte seine Verlags- und Druckräume in den Schellinghöfen (Ecke Schelling-/Barer Straße) in der Maxvorstadt. Die erste NSDAP-Parteizentrale in der Schellingstraße 50 lag auf der anderen Seite der Straße; siehe 4.

4. 1925: Umzug in das Rückgebäude Schellingstraße 50 (Räume von Heinrich Hoffmann (1885–1957). Bis 1930 wurden dort immer mehr Räume, schließlich das ganze Gebäude genutzt. (Abbildung)

Das freigeräumte Grundstück (im Hintergrund Haus Nr. 45)

Braunes Haus 1930 – 1937

Das ehemalige Palais Barlow (früher Lotzbeck-Palais) wurde 1828 von dem königlichen Hofbaurat Jean Baptiste Métivier (1781–1853) als Spekulationsobjekt erbaut und wurde hundert Jahre lang als repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Das Palais wurde 1876 von dem englischen Großkaufmann Richard Barlow (1826-1882) erworben. Sein Sohn Willy Barlow (1869–1928) vererbte es seiner Witwe Elisabeth Barlow. Diese veräußerte es am 26. Mai 1930 an den Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterverein (NSDAV), der für die damals nicht rechtsfähige, weil verbotene, NSDAP handelte. Nicht nur das Gebäude kann als repräsentativ gelten, sondern auch seine Lage an der vornehmen Brienner Straße, die die Hauptachse des Stadtteils Maxvorstadt bildete.

Auf dem Grundstück steht seit 2015 das NS-Dokumentationszentrum (s.u.).

Bunker, Hochbunker

Führerbau

Der Führerbau, in der Arcisstraße 12, Nähe Königsplatz - heute: Hochschule für Musik und Theater

  • wurde seit 1930 geplant und 1937 nach Plänen von Paul Ludwig TroostW fertiggestellt und erlitt keine Kriegsschäden.
  • Nach Kriegsende wurde er von der amerikanischen Militärregierung genutzt, später vorübergehend als Amerikahaus (vor dessen Neubau) und ist mittlerweile renovierungsbedürftig.

Die beiden Ehrentempel

Zwei Ehrentempel für die erschossenen Rechtsputschisten: Am 9. November 1935 wurden die Ehrentempel beidseits der Achse der Brienner Straße und gegenüber des für die Marschtritte frisch gepflasterten Königsplatzes durch die Überführung der von der NS-Anhängerschaft so genannten 16 Gefallenen/Blutzeugen des Putschversuchs von 1923 eingeweiht und 1947 gesprengt.

Parteistellen

  • Verwaltungsbau, seit 1947 Zentralinstitut für Kunstgeschichte, äußerlich baugleich zum Führerbau (s.o.)
  • Reichsjugendführung der NSDAP
  • Reichskassenverwaltung der NS-Frauenschaft
  • Reichsführung des NS-Deutschen Studentenbundes
  • Reichsführung SS
  • Oberste SA-Führung
  • Reichspropagandaleitung
  • Reichspressestelle

Die Machtzentrale um die Brienner Straße und den Königsplatz

Die Machtzentrale um die Brienner Straße bildet um den Königsplatz auch in Nord-Südrichtung mit der Arcis- und Barer Straße eine Achse der Parteibauten aus Parteikanzlei (von der Arcisstraße nach Osten weglaufend), dem Führerbau an der Arcisstraße, den beiden Ehrentempeln um die Brienner Straße, dem neu errichteten Verwaltungsbau (jetzt Institut für Ägyptologie, Institut für Klassische Archäologie und Zentralinstitut für Kunstgeschichte) und der Zentrale, gefolgt von einem Bürogebäude der heutigen Oberfinanzdirektion mit einem Sitzungssaal - dem Sophiensaal. Für das andere Ende der Arcisstraße gab es Pläne zur Erweiterung der Alten Pinakothek. Friedrich Gablonsky sah an ihren beiden Enden Flügelbauten entlang der Arcis- und Barer Straße vor. Dieser letzte Bauteil sollte einst einer Parteihalle mit dem Grabmal Hitlers gegenüberstehen (etwa am heuigen Platz der Pinakothek der Moderne). Der weitere Ausbau der parallelen Barer Straße auf diesen Schlusspunkt hin wäre nach dem Endsieg unvermeidlich gewesen.

In der Nähe befinden sich die bereits genannten Parteistellen, die später an eine noch zu bauende Prachtstraße umziehen sollten.

Haus der deutschen Kunst

Vom Nachfolgebau des Glaspalasts zur Weihestätte so genannter "deutscher Kunst": Das Haus der Kunst in der Prinzregentenstraße fügte sich in die Vorstellungen Hitlers ein und wurde entsprechend der NS-Auffassung von Kunst genutzt.

Ab 1937 bis 1944 wurden jährlich Austellungen unter dem Motto "große deutsche Kunstaustellung" gezeigt.

SS-Kaserne

Haus des Deutschen Rechts

Haus des Deutschen Rechts (erbaut 1936 bis 1939), Ludwigstraße 28, später in Akademie für Deutsches Recht umbenannt. Es wurde 1936 bis 1939 nach Plänen von Oswald E. Bieber am nördlichen Ende der Ludwigstraße vor dem Siegestor errichtet. Nur der erste von vier Bauabschnitten wurde fertiggestellt. Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude von Bomben getroffen und nach Kriegsende nach den Originalplänen restauriert. Das Gebäude wird heute von der Ludwig-Maximilians-Universität als Bibliothek sowie von der volkswirtschaftlichen Fakultät genutzt.

Planung der künftigen Repräsentationsbauten

Ab 1934 planten Troost und andere bis in die frühen 1940er Jahre hinein eine große Zahl riesig dimensionierter Prachtbauten, die an einer West-Ost-Achse errichtet die Bedeutung der NS-Partei auf Jahrhunderte zementieren sollten.

Die breite Prachtstraße

Die etwa 6.000 m lange Straße von West nach Ost bis zum Stachus sollte 120 Meter breit werden. Im Norden und Süden sollte je eine doppelte Reihe Bäume den 20 m breiten Fußgängerweg von der Straße abgrenzen. Diese neue Ost-West-Achse sollte kreuzungsfrei bleiben und die Berliner Straße Unter den Linden oder die Champs-Élysées in Paris übertreffen.

An der Straße sollten u.a. Bauten der Deutsche Arbeitsfront, der SS, der NS-Frauenschaft, das Forum der SA, je ein 93 m hohes Hochhaus für den Eher-Verlag und ein KdF-Hotel, ein Armeemuseum, ein Varietétheatergebäude, zwei Großkinos, ein Kaufhaus, eine Therme und ein Bierpalast errichtet werden. Das bedeutendste Bauwerk dieser Straße sollte die Neue Oper bilden, die 1938 von Waldemar Brinkmann entworfen worden war. Von dem auf der Nordseite der Achse errichteten Opernhaus sollte eine Achse in Nord-Süd-Richtung zur Theresienwiese führen.

Ein Stockwerk unter der Prachtstraße war eine U-Bahnlinie vom dann neu platzierten Hauptbahnhof her vorgesehen.

Das Denkmal der Bewegung

Im Denkmal der Bewegung, einem 175 m hohen Turm, sollte die so genannte Blutfahne von 1923 ausgestellt werden. Obenauf käme nicht ein Reichs-, sondern ein Weltadler mit dem Globus in den Klauen.

Etwa auf Höhe des Alten Botanischen Gartens sollten die Neubauten vor diesem Denkmal mit der Nord-Südachse der Parteibauten aus der Vorkriegszeit zusammen treffen.

Der neue Hauptbahnhof

Der neue Hauptbahnhof sollte um etwa 2.500 m nach Westen versetzt und zu einer Kuppel von 265 Metern Durchmesser und 136 Metern Höhe aufgeblasen werden. Die eigentlich funktionslose Kuppel sollte am westlichen Abschluss der Prachtstraße die Lage der Bahnsteige signalisieren, die einige Stockwerke unter der Erde verschwinden sollten. Am östlichen Ende sollte das "Denkmal der Bewegung“ stehen. Auf einem quadratischem Sockel (100 x 100 m) sollte sich ein mit Metall verkleideter Pfeiler bis zur Höhe von 175 m stehen und auf diesem sollte ein Reichs-/Parteiadler mit der Weltkugel in den Klauen thronen. Dieselbe Skulptur sollte auch die Spitze der "Großen Halle" in Berlin schmücken. Im Inneren des Sockels sollte die so genannte „Blutfahne“ von 1923 hängen, die damals als NS-Reliquie im Braunen Haus ausgestellt war.

Das unter den Erdboden verlegte Gleisfeld würde nach Westen der neuen Prachtstraße hin zur Autobahn Platz machen (vgl. Simulationen bei Patrick Brose) für die neue

Ost-West-Achse

als Aufmarschstraße der NS- und Militärverbände. Diese geplante Straße sollte etwa 6 km lang sein und insgesamt vom Karlsplatz (Stachus) bis zum Autobahnanschluss im Westen laufen.

Die Planung für diese Bauvorhaben nach der Vorgabe Hitlers stand seit 1938 unter Leitung Hermann Gieslers, des NS-„Generalbaurats“ für München.

Von dem auf der Nordseite der Achse errichteten Opernhaus sollte eine weitere Achse in Nord-Süd-Richtung zur Theresienwiese in die Bierzelte führen.

Nachkriegszeit

Central Collecting Point

Der Central Collecting Point in München, auch Central Art Collecting Point genannt, war die in der Nachkriegszeit von der amerikanischer Besatzungsmacht eingerichtete zentrale Sammelstelle für im gesamten Reichsgebiet aufgefundene Kunstwerke, die früher den Opfern der Naziverbrechen gehörten. Von hier aus wurde versucht die Kunstwerke ihren Eigentümern zurückzugeben (Restitution). Heute ist hier das Zentralinstitut für Kunstgeschichte.

Vgl. bei Artikel bei Wikipedia und beim zikg.

Reichszeugmeisterei

Die unzerstört gebliebene Reichszeugmeisterei wurde nach 1945 zur McGraw-Kaserne. Die Reichszeugmeisterei war eine Geldgewinnungsmaschine der Nazis durch die Produktion und den Verkauf von Uniformen an die Parteimitglieder.

Als Gegenpol: das neue Dokumentationszentrum

Für das schließlich 2015 eröffnete NS-Dokumentationszentrum wurde 2012 der Grundstein auf dem Grundstück der NSDAP-Parteizentrale, dem früheren Braunen Haus, gelegt.

Das Zentrum erlaubt Schulklassen und Einzelpersonen nicht nur einen Ausstellungsbesuch sondern auch die (Online-)Suche in Dokumenten.

Literatur

  • Andrea Bärnreuther: Revision der Moderne unterm Hakenkreuz. Planungen für ein "neues München". Klinkhardt & Biermann, 1993 und 2000. ISBN 3-7814-0332-7
  • Matthias Donath: Architektur in München 1933-1945: ein Stadtführer. Lukas Verlag, 2007. 87 Seiten. ISBN 978-3867320115 (dreißig für die damalige Architektur repräsentative Beispiele. Historische Fotos des ursprünglichen Zustand. Stadtplan dazu)
  • Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933-1945. München, Architekturmuseum der TU, Klinkhardt und Biermann, 1993. ISBN 3-7814-0360-2 (recht umfassend)
  • Andreas Heusler: Das Braune Haus. Wie München zur "Hauptstadt der Bewegung" wurde. München, 2008.
  • Iris Lauterbach (Hrsg.): Bürokratie und Kult. Das Parteizentrum der NSDAP am Königsplatz in München. Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, München 1995.
  • Münchner Stadtmuseum, Kulturreferat, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit: Nationalsozialismus in München. Stadtplan zur NS-Topografie in München 1918-1945. München, 2003 (siehe unten den Link zum Stadtplan zur NS-Topografie)
  • Jakob Wetzel: Parteizentrale "Braunes Haus". Postkartenmotiv der Nazis. online SZ vom 29. April 2015

Weblinks

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erreichbar über diesen Link: Braunes Haus.