Siegestor

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Das Siegstor in den 1960er Jahren
Das Siegestor
Um 1900
2010

Das Siegestor in München, ein Triumphbogen vom Typus des Konstantinsbogens in Rom, des Marble Arch in London, des l'Arc de Triomphe in Paris und des Brandenburger Tors in Berlin, steht zwischen Universität und Ohmstraße. Es ist Ausgangs- bzw. Endpunkt der Leopoldstraße und der Ludwigstraße. Damit trennt das Siegestor die beiden Stadtteile Maxvorstadt und Schwabing.

Geschichte

Der 1852 fertiggestellte, noch von Ludwig I. in Auftrag gegebene Bau (Entwurf: Friedrich von Gärtner) war ursprünglich dem bayerischen Heere zum Ruhme gewidmet. Heute ist das Siegestor ein Mahnmal für den Frieden. Nach der starken Beschädigung im 2. Weltkrieg wurde das Tor - ähnlich wie die Kaiser-Wilhelm-GedächtniskircheW in Berlin - absichtlich nur teilweise wieder aufgebaut und mahnt den Betrachter mit der Inschrift „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“. In den vergangenen Jahren wurden vor allem die erhaltenen Skulpturen perfekt restauriert.

Aussehen und Gestalt

Das Bauwerk aus gelblich weißem Kalkstein - der Grundstock und Unterbau ist aus Ziegeln gefertigt - erhebt sich zwischen der Pappelallee, ähnlich dem Triumpfbogen des Constantinus in Rom und schließt hier die Perspektive der prächtigen Ludwigstraße und bildet den Übergang hinein nach Schwabing.

Der Bau wurde nach den Plänen Friedrich von Gärtner 1844 begonnen, nach dessen Tode von Eduard Metzger fortgeführt und 1850 vollendet. König Ludwig I. widmete es seinen Kriegern als ein Denkmal ihrer siegreichen Tapferkeit. Ludwig I. hatte bei seinen Reisen durch Italien im Jahre 1836 auch in Mailand halt gemacht und dabei das damals neu aufgestellte Tor bei Sempione bewundern können. Wenn man "unsere" Fotoansicht mit dem Münchner Durchgang vergleicht, wird man eine erstaunliche Übereinstimmung feststellen können.

Im Jahre 1852 wurde die Plattform mit einer in Erz gegossenen, sehr wehrhaften Bavaria verziert, die auf einem von vier Löwen gezogenen Siegeswagen, einer Quadriga, steht. Diese Skulptur wiegt ca. 20 Tonnen.

Die Breite des Baues beträgt 24 Meter, die Höhe bis zur Plattform 20,70 Meter. Drei Portale führen hindurch; auf jeder der breiten Seiten stehen auf Säulen, die auf Pilastern ruhen, vier Victorien aus weißem Marmor; an den Zwickeln des großen Portalbogens sind fliegende Victorien als Relief ausgeführt.

Die Wandflächen sind mit Reliefs geschmückt, die das Tor umgeben; sie stellen in den unteren Kriegsszenen dar, die Kämpfer in antiker Waffentracht und Kampfweise, und zwar von der Außenseite des Hauptportals beginnend und nach der Schmalseite zu folgend:

- Berennung einer Festung mit Hilfe des in einem Widderkopf endenden Mauerbrechers
- Kämpfe zwischen Reiterei und Fußvolk, Fußvolk und Fußvolk, Reiterei und Reiterei
- eine Schanze von Reiterei erstürmt und erzwungener Übergang über eine Brücke.

Die oberen sechs Rundbilder, von denen 2 nicht mehr rekonstruiert wurden, zeigen Sinnbilder des Friedens und der Betriebsamkeit in den Provinzen Bayerns:

- Schwaben mit dem Attributen der Weberei und Spinnerei
- Oberpfalz mit Bergwerksbau und Hammerwerk
- Ober- und Mittelfranken mit Viehzucht, Hammerwerken und Fabriken
- Ober- und Niederbayern mit Viehzucht und Ackerbau
- Unterfranken mit dem Wein- und Getreidebau und der Schifffahrt
- Rheinpfalz mit Weinbau und Fischerei.

Die Inschrift der Außenseite über dem Hauptportal lautete: - Dem bayerischen Heere - und die der Seite nach der Stadt zu: - Erbaut von Ludwig I., König von Bayern, MDCCCL - (=1850).

Die Quadriga
Das Siegestor (Aufn. 2010)
Das Siegestor (Aufn. vor 1877)
Die Vorlage in Mailand aus dem Jahre 1825 (Aufn. 1883)

Die Bavaria auf der Plattform wurde nach Martin Wagners in Rom angefertigten kleineren Modellen frei in großem Maßstab von Friedrich Brugger modelliert, die Löwen von Johann von Halbig. Der Erzguss erfolgte bei Ferdinand von Miller.

Die Kosten für das ganze Bauwerk mit Erzgruppe betrugen 411.000 Gulden. Seine eigentliche Einweihung erhielt der prächtige Triumphbogen erst am 16. Juli 1871 durch die aus Frankreich zurückkehrenden Truppen, die an diesem Tage ihren Einzug durch das Siegestor hielten. Ab dem Jahre 1889 verkehrten auch erstmals Straßenbahnen, direkt unter dem großen Portal hindurchgeführt, die Ludwig- und Leopoldstraße entlang. Diese Linie wurde bis 1972 betrieben. Seither fahren keine Fahrzeuge mehr direkt durch das Tor.

2015 wurde eine Diskussion begonnen, wie der Platz um das Siegestor herum neu gestaltet werden kann.

Ruinenteile

Eine kleine Bemerkung am Rande: Wer nach Bruchstücken des Siegestors suchen will, der wird in der Altstadt, gleich hinterm Rindermarkt, in der Nieserstraße (eher eine kleine Gasse) fündig. Dort hat man aus Gründen, die wohl nur von den Planern zu beantworten sind, einige durch Kriegseinwirkung abgesprengte Quader aufgestellt.

Lage

Lage in vielen Karten

Literatur und Quellen

  • Josef Pangkofer; Das Siegestor in München. Georg Franz, München, 1851.
  • Oswald Hederer: Die Ludwigsstrasse in München. Mandruck, München, 1942.
  • Morin: München im Jahre 1862. Gummi, München, 1862. (S128-130)
  • Morin,Emil Auer: München im Jahre 1873. Gustav Beck, München, 1874. (S148-149)
  • Theodor Dombart: Schwabing - Briefliche Plaudereien. Bayerland Verlag, München, 1913.
  • Bildindex der Uni Marburg. (Fotoansichten ab 1860 bis 1946)
  • Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv. Ansichten. Infos, Daten, Fakten.
  • Habel, Hallinger, Weski: Denkmäler in Bayern - Landeshauptstadt München. Lipp, München.
  • Grosser Plan der Königlichen Haupt-und Residenz-Stadt München im Jahre 1852. Mey und Widemayer, München.
  • Miller; Ferdinand von Miller sen. der Erzgießer. (1904/1979) Die Reise eines Löwen. S.98/99.

Weblinks

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Das Thema "Siegestor" ist aufgrund der überregionalen Bedeutung auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten.
Erreichbar über diesen Link: Siegestor.