NS-Dokumentationszentrum

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Front zur Briennner Straße, Aufn. von 2015

Das NS-Dokumentationszentrum befindet sich in München am Max-Mannheimer-Platz an der Brienner Straße (nahe Königsplatz). Es zeigt und erklärt das Auftreten der Nationalsozialisten in der Stadt und ihre Terrorherrschaft.

Es ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt in Verbindung mit dem Freistaat Bayern und der Bundesrepublik Deutschland. Hier wird die Rolle Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“ beim Aufstieg der NSDAP und der Durchsetzung des NS-Regimes gezeigt. Baubeginn für das Gebäude des NS-Dokumentationszentrums auf dem ehemaligen Gelände des "Braunen Hauses" war 2011. Es wurde am 30. April 2015, dem 70. Jahrestag des Einmarsches der US-Armee in München, eröffnet. Für viele Menschen war der 30. April 1945 der Tag der Befreiung Münchens.

Die Architekten aus Berlin planten das würfelartige Gebäude, das in "starkem Kontrast zur Umgebung" steht.

Die Gründungsdirektorin war zunächst Irmtrud Wojak, Jahrgang 1963. Sie forscht über Verfolgung, Emigration und Exil in der Zeit des Nationalsozialismus und über die juristische Aufarbeitung in den ersten Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie leitete den Bereich Historische Forschung beim Internationalen Suchdienst in Arolsen. Sie wurde im November 2011 abgelöst.

Nun ist Winfried Nerdinger (* 1944) Gründungsdirektor. Als Leiter geht Nerdinger 2018 in Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird wahrscheinlich die Historikerin Mirjam Zadoff.

Ausstellungskonzept, Rundgang

  • Warum München?
  • Wie konnte es dazu kommen?
  • Was geht mich das an?

Diese drei Leitfragen sollen beim Rundgang von oben nach unten mit seinen 33 Themenschwerpunkten beantwortet werden. Dazu werden mehr als 800 Dokumente aus etwa 150 deutschen und ausländischen Archiven gezeigt.

4. Obergeschoss

  • Anfänge und der Aufstieg der Nationalsozialisten in München

3. Obergeschoss

  • Alltag unter dem NS-Regime
  • Ausgrenzung von Minderheiten

2. Obergeschoss

  • Verbrechen von Münchnern im Zweiten Weltkrieg
  • Folgen des Vernichtungskriegs
  • Rüstungsindustrie

1. Obergeschoss

  • Zusammenbruch des Regimes
  • Nachwirkungen bis heute

Die Moabiter Sonette

Die 80 Moabiter Sonette, die der 1945 ermordete Münchner Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer während seiner Haft in Berlin geschrieben hatte, sind das einzige Zeit-Original, das im Haus ausgestellt wird.

Lernforum, Bibliothek

In den Untergeschossen gibt es ein mit der Technischen Universität München entwickeltes "Lernforum", einen Bereich mit Medientischen, Rechercheplätzen und einer Bibliothek.

Besucherinformationen

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NS-Dokumentationszentrum
Brienner Straße 34
D-80333 München
☎ : 089 / 23 36 70 00
@ : nsdoku@muenchen.de

Öffnungszeiten
Di – So 10 – 19 Uhr
Schulklassen und Seminarteilnehmer können nach Vereinbarung auch früher oder später kommen.
Eintritt
Erwachsene 5 €, ermäßigt 2,50 €, Jugendliche unter 18 Jahren kostenlos
  • Die Ausstellung ist sowohl in Deutsch als auch in Englisch gestaltet.
  • Begleithefte gibt es zusätzlich in Französisch, Hebräisch, Italienisch, Polnisch, Russisch und Spanisch.

Gebäude

Das Berliner Architekturbüro von Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wetzel hat den Wettbewerb für das Dokumentationszentrum gewonnen. Sechs Stockwerke mit wechselnder Fassadenoptik, die Ausblicke auf die noch vorhandene Architektur ermöglicht. Darunter befinden sich zwei Tiefgeschosse mit Pädagogik- und Bibliothekseinrichtungen.

Außenstelle Zwangsarbeitslager Neuaubing

Das NS-Dokumentationszentrum bekommt in Neuaubing mit der letzten davon erhalten gebliebenen Baracke des Zwangsarbeitslagers an der Ehrenbürgstraße eine zusätzliche Außenstelle. Sie soll als Unterrichtsort genutzt werden.

Dies war eines von 400 Zwangsarbeiterlagern in der Stadt, wo ausländische Menschen vom NS-Staat und den örtlichen Unternehmen ausgebeutet wurden.

Sonderausstellungen

Geschichte

1989 gab der Münchner Stadtrat erstmals die Anregung, ein „Haus der Zeitgeschichte“ zu errichten. Als Ort hatte man auch da das Grundstück des „Braunen Hauses“ im Blick, wo während des 3. Reichs die Reichsleitung der NSDAP ihren Sitz hatte. Die Planungen hierfür verliefen im Sand.

Die Landeshauptstadt entschied sich 2001 in einem Grundsatzbeschluss, ein NS-Dokumentationszentrum aufzubauen. Sechs Monate später schloss sich der Freistaat Bayern dieser Idee an und in der Folgezeit wurden vier Symposien mit Bürgerbeteiligung über die zu zeigenden Inhalte etc. durchgeführt.

2005 begannen Mitarbeiter des Kulturreferats der Stadt mit drei Fachgremien (politischer und wissenschaftlicher Beirat, Kuratorium) den Aufbau und die Einrichtung des Zentrums intensiv vorzubereiten und 2008 wurde ein Architekturwettbewerb dazu ausgelobt.

2012 wurde die dafür ernannte Gründungsdirektorin des Zentrums, die Historikerin Irmtrud Wojak, von ihrer Aufgabe entbunden – nach Streitigkeiten über die Gestaltung der Ausstellung. Seit Kurzem gibt es ein neues Konzept für die künftige Dauerausstellung. Entwickelt hat es eine Gruppe um den Architekten Wilfried Nerdinger und den Historiker Peter Longerich. Die ständige Ausstellung soll vor allem mit Texttafeln, Fotos und Filmen arbeiten, um eine Ausstellung von Reliquien zu vermeiden.

30. April 2015: Zur Eröffnung gab es einen Festakt im benachbarten Amerikahaus. Zur Eröffnungsfeier kamen auch Holocaust-Überlebende sowie Gesandte aus Ländern, die im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland Krieg geführt haben.

5. Februar 2018: Die Stadt München hat mit einem Festakt den bislang namenlosen Platz vor dem NS-Dokuzentrum nach dem Shoah-Überlebenden Max Mannheimer benannt.

Rezensionen, Aufnahme, Bedeutung des Hauses …

Siehe auch

Literatur

  • Winfried Nerdinger (auch als Hrsg.) mit Hans Günter Hockerts, Marita Krauss, Peter Longerich, Mirjana Grdanjski, Markus Eisen: München und der Nationalsozialismus — Katalog des NS-Dokumentationszentrums München. 2. Auflage 2015. 624 Seiten mit 850 teils farbigen Abbildungen. ISBN 978-3-406-66701-5 (Deutsch- und englischsprachige Ausgaben. Inhaltsregister)
  • Alexander Krause: Arcisstraße 12. Palais Pringsheim - Führerbau - Amerika-Haus - Hochschule für Musik und Theater, München 2005
  • Kulturreferat der Landeshauptstadt München/Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Hrsg.): Ein NS-Dokumentationszentrum für München. Ein Symposion in zwei Teilen. Tagungsband, München, 2003.
  • Kulturreferat der Landeshauptstadt München (Hrsg.): Der Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus - Perspektiven des Erinnerns. Dokumentation der Gesprächsreihe im Rahmen der Projektvorbereitung für ein NS-Dokumentationszentrum München, München, 2007.
  • Iris Lauterbach, Julian Rosefeldt, Piero Steinle (Hrsg.): Bürokratie und Kult. Das Parteizentrum am Königsplatz in München. Geschichte und Rezeption, München/Berlin, 1995.
  • Winfried Nerdinger (Hrsg.): Ort und Erinnerung. Nationalsozialismus in München. Salzburg, 2006
  • Irmtrud Wojak: Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/ 63 Frankfurt am Main, 2009 (Rezension bei perlentaucher.de)

Weblinks

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Das Thema "NS-Dokumentationszentrum" ist aufgrund der überregionalen Bedeutung auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten.
Erreichbar über diesen Link: NS-Dokumentationszentrum_(München).