Untergiesing-Harlaching

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18 Untergiesing Harlaching.jpg

Untergiesing und Harlaching sind Stadtteile von München, zusammen bilden sie den Stadtbezirk 18 Untergiesing-Harlaching.

Der Bezirk ist in fünf Bezirksteile aufgeteilt: Untergiesing (18.11 – 18.12), Siebenbrunn (18.21 – 18.23), Giesing (18.31 – 18.33), Neuharlaching (18.41 – 18.42) und Harlaching (18.51 – 18.55). Anfang des 20. Jahrhunderts war südlich des mittelalterlichen Zentrums von Harlaching, von dem noch die Wallfahrtskirche St. Anna am Harlachinger Berg steht, die Gartenstadt (Alt-)Harlaching entstanden.
(in Klammern jeweils die Nummerierung der Stadtbezirksviertel)

Das 1914 eröffnete das „Krüppelheim“, die heutige Orthopädische Klinik "Orthozentrum", und der südlich davon gelegene, seit 1927 vom TSV 1860 genutzte Platz an der Grünwalder Straße 114 waren noch unbebaut. Seit den 1930er Jahren wuchs das nordöstlich angrenzende Neuharlaching mit vielen Wohnblöcken zu einem dichten Wohngebiet.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Giesing und Harlaching zusammen.

Die einst klar gezogenen sozialen Grenzen zwischen Alt-Harlaching mit großbürgerlichen Schichten, Neuharlaching mit unteren und mittleren Sozialschichten sowie Untergiesing als klassischem Arbeiterviertel verlieren zusehends an Kontur. Insgesamt hat der Bezirk eine hohe Zahl qualifizierter Erwerbstätiger aufzuweisen. Die Altersverteilung deutet eher auf eine Überalterung als auf Jugendlichkeit hin.

Lage in der Stadt, Nachbarbezirke

Harlaching liegt im Südosten von München auf der Hochterrasse des rechten Isarufers, von dem es im Westen begrenzt wird. Im Süden endet es an der Stadtgrenze zu Grünwald, im Südosten verläuft die Stadtgrenze entlang des Waldrandes des zwischen München, Grünwald, Unterhaching und Deisenhofen liegenden, gemeindefreien Perlacher Forstes. Nach Nordosten grenzt Harlaching an den Stadtbezirk 17 Obergiesing-Fasangarten, nach Nordwesten an das unterhalb der Hangkante in der früheren Flussaue gelegene Untergiesing, mit dem zusammen es den Stadtbezirk 18 Untergiesing-Harlaching bildet. Der Bezirk 18 umfasst auch die östlichen Isar- und Flaucheranlagen unterhalb der Hangkante an der Grenze zu Thalkirchen, die besonders seit der Renaturierung der Isar in diesem Abschnitt gemeinsam mit dem Tierpark Hellabrunn eine wichtige Freizeit- und Erholungsfunktion für die Stadt erfüllen.

Geschichte

Untergiesing

Untergiesing entstand im Gegensatz zu (Ober-)Giesing erst im 19. Jahrhundert. Vorher war seit dem 15. Jahrhundert nur der Auwald, die sog. Lohe, besiedelt. Giesing selbst wurde als Kyesinga am 14. Juli 790 erstmals urkundlich erwähnt, der Name geht wohl zurück auf den (abgeleiteten) Personennamen Kyeso für den germanischen Sippenchef als vermuteten Gründer der Siedlung.

Die für Untergiesing früher charakteristischen kleinen Herbergen (Arbeiterwohnungen) finden sich vereinzelt noch in der Pilgersheimer Straße, benannt nach dem 1784 vom Hofbankier Franz Anton Pilgram erbauten Schlösschen Pilgramsheim. Hier befand sich auch die Mayersche Lederfabrik. 1808 gegründet und 1930 abgebrochen, war sie der erste industrielle Großbetrieb Giesings. Heute liegt dort die 1930/31 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaute Wohnsiedlung der Münchner Siedlungsbau. Am Südende der Lohe stand die 957 erstmals erwähnte Giesinger Mühle, an deren Stelle sich nun ein Bürohochhaus erhebt, nachdem der Nachfolgebau der Mühle 1974 abgerissen worden war.

Harlaching

Auf dem Gebiet von Harlaching zeugen archäologische Funde von ersten menschlichen Siedlungen bereits in der Eisenzeit. Mehrere Grabfunde aus verschiedenen Epochen weisen auf eine dünne, aber anhaltende keltische Besiedlung hin. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich um 1150 als Hadaleichingen. Der Name deutet auf den Personennamen Hadaleih. Es wird vermutet, dass um 600 ein germanischer Sippenchef die Ansiedlung gegründet oder übernommen hat, die seither seinen Namen trägt. Ein neuerer Ableitungsversuch bezieht sich auf die Bezeichnung Harlachen für Waldlichtung und geht von der Annahme eines unechten -ing Ortsnamens aus. Gegen diese These spricht allerdings die Tatsache, dass die früheste überlieferte Namensform nicht Harlach- sondern Hadaleih- lautet, mit den Varianten Hadeleich-en, Hadelah-ingen und Hadelich-ingen.

Der alte Ortskern lag um das Wallfahrtsziel St.-Anna-Kircherl am Harlachinger Berg, das 1315 erstmalig als zum Kloster Tegernsee gehörig erwähnt wurde. Die wenigen Häuser waren von Wäldern und Wiesen umgeben. Zur ersten Gemeindebildung mit Festlegung eines Patrimonialgerichtes kam es 1818 zusammen mit Geiselgasteig, Harthausen, Hellbrunn, Laufzorn, Siebenbrunn und Wörnbrunn. Später wurde Harlaching für kurze Zeit Teil der Gemeinde Giesing. Am 01. Oktober 1854 wurde das Gebiet mit etwa 50 Einwohnern und seinen schon damals beliebten Ausflugszielen wie der Menterschwaige als Stadtteil zu München eingemeindet.

Ab etwa 1900 begann eine zunehmend rasante Bautätigkeit auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen. Am Anfang stand die nach Plänen der Architekten Gabriel von Seidl und Max Littmann Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Areal des früheren Harlachinger Schlosses errichtete Gartenstadt Harlaching, die bis heute ihren grünen Charakter bewahren konnte. 1910 wurde nach langen Verhandlungen mit der Gemeinde Grünwald und vielen Grundbesitzern die Tramlinie zwischen dem Stadtzentrum Münchens und dem Marktplatz von Grünwald als Isartal-Außenlinie (heute Linien 15/25) eröffnet. Damit nahm die Beliebtheit von Wochenendausflügen ins Isartal zwischen Flaucher und Grünwald sprunghaft zu, und auch der Siedlungsdruck wuchs. 1911 wurde zudem in den Isarauen der Tierpark Hellabrunn eröffnet, der weitere Besucher anzog. Alt-Harlaching mit der Menterschwaige ist heute ein aus der Gartenstadtidee entstandenes, weiträumiges und repräsentatives Villenviertel mit den höchsten Mietpreisen in München.

In Neuharlaching nordwestlich von Alt-Harlaching begann die Erschließung um 1920 mit einfachen Eigenheimen und lockerer Bebauung mit oft gemeinnützigen Geschosswohnungen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Neuharlaching die so genannte Alte-Kämpfer-Siedlung für Teilnehmer des Hitlerputsches von 1923 angelegt. Auch wurden Wohnungen für Mitarbeiter der nahe gelegenen Reichszeugmeisterei der NSDAP errichtet. Nach 1945 wurde diese als Bestandteil der McGraw-Kaserne von den Amerikanern übernommen. Teile Neuharlachings wurden von der amerikanischen Armee beschlagnahmt, um dort Angehörige der Streitkräfte einzuquartieren, das Gebiet wurde eingezäunt und konnte nur noch an bewachten Übergängen betreten und verlassen werden. Erst 1954 erfolgte der Bau der Ami-Siedlung im Perlacher Forst und Harlaching wurde vom Stacheldraht befreit.

In den Jahren 1959-65 wurde das städtische Krankenhaus Harlaching auf einem mit alten Bäumen bestandenen Parkgelände des ehemaligen städtischen Sanatoriums erbaut. Dieses Krankenhaus ist mit allen notwendigen Abteilungen ausgestattet, um die ärztliche und medizinische Grundversorgung zu sichern. Es hat seit den 1970er Jahren den Status eines akademisches Lehrkrankenhauses und ist der größte Arbeitgeber im Stadtteil, der sonst vor allem Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor bietet. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Abzug der US-Armee aus München erfolgte 1992 der Einzug verschiedener Dienststellen der Münchner Polizei in die ehemalige Kaserne. Die Wohnungen der Armeeangehörigen wurde teilweise in Sozialwohnungen umgewandelt und zum anderen Teil in den freien Wohnungsmarkt entlassen. Die Bebauung des Stadtteils wird zunehmend dichter, besonders da seit den 1970er Jahren viele Ein- und Zweifamilienhäuser abgerissen und durch Eigentumswohnanlagen ersetzt werden. Das städtebauliche Bild Neuharlachings ändert sich heute durch zahlreiche Neubauten, die Grenze zum ebenfalls zunehmend dichter bebauten Alt-Harlaching verwischt.

Das christlich-kirchliche Leben Harlachings spielt sich ab in drei katholischen Pfarreien und einer evangelischen Gemeinde. Das St.-Anna-Kircherl wurde als Filialkirche der katholischen Gemeinde Heilige Familie zugeschlagen, deren Kirche 1931 als erste moderne Pfarrkirche Münchens eingeweiht wurde, 1945 folgte Maria Immaculata, in deren Pfarrgebiet die unten am Isarhang gelegene Marienklause liegt, und 1964 kam die Pfarrei St. Helena an der Grenze zu Obergiesing hinzu. Die evangelische Emmausgemeinde wurde 1940 gegründet.

Stadion an der Grünwalder Straße

Auf „Giesings Höhen“ an der Ecke Candidstraße (Mittlerer Ring) und Grünwalder Straße steht seit 1911 das seit 1925 als Fußballstadion genutzte Stadion an der Grünwalder Straße. Es ist eng verbunden mit der Geschichte des TSV 1860 München. Von 1963 bis 1972 fanden hier die Bundesliga- und Europapokalspiele des TSV, aber auch des FC Bayern München statt. Der im Volksmund Sechzger-Stadion genannte Bau wurde während der Bayernligazeit des TSV zum Sinnbild für die Treue der Fans zu ihrem Verein. Der Umzug der Löwen ins Olympiastadion führte zu vereinsinternen Krisen. Für die Saison 2004/2005 kehrte der TSV letztmals in das „Grünwalder“ zurück.

Harlaching ist eine Münchner Fußballhochburg, da beide großen Vereine ihre Trainingsplätze und Geschäftsstellen im Viertel haben.

Statistik

(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz)

Jahr Einw. Fläche ha EW/ha Quelle mit weiteren Daten
2000 46.153 805,96 57 Statistisches Taschenbuch München 2001. pdf-Download
2001 46.580 805,96 58 Statistisches Taschenbuch München 2002. pdf-Download
2002 46.495 805,96 58 Statistisches Taschenbuch München 2003. pdf-Download
2003 46.706 806,02 58 Statistisches Taschenbuch München 2004. pdf-Download
... ... ... ... Statistisches Taschenbuch München Archiv
2012 51.180 805,66 64 Statistisches Taschenbuch München 2012. pdf-Download
2013 51.937 805,67 64 Statistisches Taschenbuch München 2013. pdf-Download
PLZ
81543, 81545, 81547

Bezirksausschuss

Zuständig ist der Bezirksausschuss 18 Untergiesing-Harlaching.

Sozialbürgerhaus

Literatur

  • Thomas Guttmann (Hrsg.): Giesing: Vom Dorf zum Stadtteil. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart Giesings und Harlachings, MünchenVerlag (vormals Buchendorfer Verlag), München 2004, 4.Auflage, ISBN 978-3-927984-04-2 Verlagsinfo.
  • Andreas Grad: Harlaching, vom Miocän bis heute, München 1974. 4° Mon. 5 917
  • Dorle Gribl: Harlaching und die Menterschwaige - Vom Edelsitz zur Gartenstadt. Buchendorfer/MünchenVerlag GmbH: München 2004. ISBN 3-937090-05-3 Verlagsinfo.

Siehe auch

Lage

  • Google maps - Satellitenbild von Untergiesing-Harlaching

Weblinks

  • BA Bezirksausschuss 18 Untergiesing-Harlaching
  • Hl. Familie Homepage der kath. Pfarrei Heilige Familie, München-Harlaching
  • SPD Ortsverein Harlaching
  • SWM Hallenbad Giesing-Harlaching
  • harlaching.de Webportal
Wikipedia.png
Das Thema "Untergiesing-Harlaching" ist auf Grund der überregionalen Bedeutung des Themas auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten — dort:
erreichbar über diesen Link: Untergiesing-Harlaching.


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Stadtbezirke Lage in München.png
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Münchner Stadtbezirke

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