Wallfahrtskirche St. Anna

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Wallfahrtskirche St. Anna
Der Blick vom Weg auf die Kirche.

Die Wallfahrtskirche St. Anna ist in ihrer ursprünglichen Bausubstanz die wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene (damals natürlich katholische) Kirche des Dorfes und heutigen Münchner Stadtteils Harlaching.

Das Äußere des Kirchenbaus wurde seit der Entstehung nicht wesentlich verändert und erinnert bis heute an eine spätromanische Dorfkirche. Im Inneren erwartet den Besucher jedoch ein prachtvoll ausgestatteter Raum im Stil des Rokokos.

Neben vielen anderen Kunstschätzen, die der Bau beherbergt, ist besonders ein um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert entstandenes Gnadenbild an dem von Ignaz Günther gestalteten Hochaltar zu erwähnen, das die heilige Anna selbdrittW zeigt. Heute ist St. Anna eine beliebte Hochzeits- und Taufkirche.

Geschichte

Gründungssage

Nach einer alten, allerdings nicht verbürgten Überlieferung unklarer Herkunft wurde das Kirchlein von einem reichen Adeligen als Zeichen der Reue gestiftet. Die Sage berichtet, der Mann habe sich in ein schönes Mädchen aus dem Münchner Judenviertel verliebt und dieses überredet, auf seinen Landsitz nach Thalkirchen zu ziehen. Nach einigen glücklichen Monaten habe der Patrizier die junge Frau jedoch wegen einer anderen verlassen, woraufhin diese sich aus Verzweiflung in der nahe gelegenen Isar ertränkt habe. Um seine Schuld zu sühnen, habe der Adlige daraufhin das Kirchlein bauen lassen. Die Seele der Selbstmörderin soll noch bis heute nachts als zartes blaues Licht die Kirche umgeistern und späte Spaziergänger erschrecken.

Bau- und Kirchengeschichte

Erstmals schriftlich verbürgt ist der Bau 1186 als eine dem Kloster Tegernsee zugehörige Kirche. In einer Beschreibung des Bistums Freising von 1315 wird die Kirche dann als Filialkirche der Pfarrei Unterbiberg erwähnt.

Auf den Beginn des 16. Jahrhunderts ist die Entstehung des Gnadenbildes der Anna selbdritt zu datieren. In einer weiteren Freisinger Matrikel aus dem Jahr 1524 wird dann erstmals die Heilige Anna als Kirchenpatronin schriftlich genannt. 1527 wurde die Kirche durch die Wittelsbacher angekauft und gelangte dadurch in herzoglichen, später kurfürstlichen Besitz.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche 1632 durch schwedische Truppen geplündert. 1678 erhielt der Bau zwei neue Glocken aus der Werkstatt von Johann Kippo.

Im Jahre 1707 wird erstmals der „St. Anna Dreißiger“ erwähnt, eine alljährlich im September stattfindende Wallfahrt zu Ehren der Kirchenpatronin.

Nach der Säkularisation wurde St. Anna zunächst der Pfarrei Maria-Hilf in der Au unterstellt, ab 1830 war sie Filialkirche von Heilig Kreuz in Giesing. Mit Gründung der Harlachinger Pfarrei Heilige Familie, 1931, wurde St. Anna dann dieser zugeordnet.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Dach des Kirchleins bei einem Luftangriff 1943 von Brandbomben getroffen, der Schaden hielt sich jedoch in Grenzen.

In den Nachkriegsjahren wurde die Kirche mehrmals renoviert, saniert und verschönert.

Baukörper und Ausstattung

Das einschiffige Langhaus auf einem Grundriss von etwa 11 mal 8 Metern wird von einer 8,5 Meter hohen Stichkappentonne überwölbt und mündet mit einer flachen Rundung in den stark eingezogenen quadratischen Chor. Vier Eckpfeiler tragen die Flachkuppel.

Fresken

Die Stuck- und Deckenfresken sind Arbeiten aus der Werkstatt Johann Baptist Zimmermanns. Das Deckenfresko des Langhauses zeigt in einem theatrum sacrum die Geburt der „Gottesmutter“ Maria. Im Kuppelfresko des Chors thronen die Eltern Mariens auf den Wolken, ihre Mutter Anna ist mit Buch und Opfertauben, ihr Vater Joachim mit Hirtenschippe dargestellt. Flankiert werden sie von Cherubenpaaren.

Weitere Kunstwerke

Neben dem eingangs erwähnten Hochaltar mit dem Gnadenbild beherbergt St. Anna eine Vielzahl weiterer beachtenswerter Kunstwerke, von denen hier nur eine Auswahl knapp beschrieben wird:

Auf den Bögen der Durchgänge links und rechts stehen Statuen des Hl. Joachim als Hirte und des Hl. Joseph mit blühendem Stab, außerdem kniende Engel auf Rocaillesockeln. Im Auszug des Hochaltars thront Gott Vater umgeben von neun Engels-Chören.

Ein weiteres Glanzlicht der Ausstattung ist die Kanzel mit vergoldeten Engeln am Kanzelkorb.

Die Kirchenbänke, der Beichtstuhl, der „Geißelheiland“, die Figur „Christus in der Rast“ sowie das Vorhallengitter stammen aus der Umgestaltungsphase am Ende des 18. Jahrhunderts, das versilberte ewige Licht dagegen ist schon in die Ära des Klassizismus zu datieren.

Die neue Orgel aus dem Jahr 1979 stammt von Hubert Sandtner.

Lage

Das Kirchlein liegt auf dem östlichen Isarhochufer oberhalb des Tierparks Hellabrunn am Harlachinger Berg 30.

Literatur

  • Lothar Altmann: Wallfahrtskirche St. Anna Harlaching, Reihe „Kleine Kunstführer“. Schnell & Steiner, Regensburg 2004 (6. Auflage), ISBN 978-3-7954-4108-1.

Weblinks

  • Henriette Stübinger (bei erzbistum-muenchen.de): Das St.-Anna-Kircherl - ausführliche Seite


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