Luitpoldbrücke

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Ansicht von der Stadtseite her auf das Mittelfeld der Brücke bei leichtem Hochwasser. Im Hintergrund der Friedensengel (Aufn. von Juni 2010)

Die Luitpoldbrücke in München, erbaut 1901 und benannt nach dem bayerischen Prinzregenten Luitpold (1821—1912, Regent seit 1886), ist eine Bogenbrücke über die Isar. Sie steht etwa mittig im Verlauf der Prinzregentenstraße aus der Altstadt heraus vom Hofgarten hin zur Anhöhe, auf der der Friedensengel steht und weiter zum Prinzregentenplatz mit dem gleichzeitig fertiggestellten Prinzregententheater. Die Gestaltung der neuen Brücke übernahm Theodor Fischer, den Bau und die Konstruktion die Firma Sager & Woerner. Die Brücke gehört von ihrer Gestaltung her zur Gesamtanlage um dieses Monument der militärischen Machtentfaltung (so genannte Friedenssicherung durch Siege).

Ansicht der "Schwaben" (2010)
Detail: Wasserablauf an der östlichen Seitenwand aus einem Löwenmaul heraus

Skulpturen und Inschriften

Als Brückenschmuck fallen die vier großen, kompakten Figuren aus Stein auf, die am 15. September 1903, jeweils in der Mitte der vier Flügelwände zwischen Amphoren halb liegend "sitzen", Aufstellung fanden. Sie symbolisieren die damaligen vier bayerischen Stämme Bayern, Schwaben, Franken und die Pfalz. Unter der Federführung Adolf Hildebrands entstanden die vier Figuren an den Brückenauffahrten. Die Ausführung wurde an vier verschiedene Bildhauer vergeben. Sie sind jeweils im Sockel noch mit dem Landesnamen beschriftet, wie folgt.

  • "Bayern" von Hermann Hahn (1901; ein von der Jagd/Arbeit ausruhender Mann; auf der Westseite, Blick zur Stadt).
  • "Schwaben" von Erwin Kurz (Frau mit Schild; auf der Ostseite, Kurz ist bekannt durch den Schnitterinbrunnen)
  • "Franken" von Balthasar Schmitt (fischender Jüngling; auf der Ostseite, Blick zum Engel), und die
  • "Pfalz" von August Drumm (Frau mit Reben, 1901; diese mußte, als Folge der starken Schäden in den Kriegsjahren, 1954 durch eine Dame von Joseph Wackerle ersetzt werden.

Je eine Tafel mit Inschrift auf den westlichen Flügelwänden und ein im Scheitel des Brückenbogens von Girlanden umgebenes kupfernes Wappen des Königreichs informieren über die Geschichte des Bauwerks und den Bauherrn. Auf der Unterstromseite ist am Scheitel ein Wappen des Heiligen NepomukW als religiöses Symbol zum Schutz der Brückenbenutzer angebracht.

Die Brückenwege sind beidseitig durch einfache Eisenlaternen beleuchtet.

Querschnitt, Architektenzeichnung von 1901

Technische Daten

Die Brücke besteht aus einem flachen Dreigelenkbogen, der mit 63 m den Fluss überspannt. An den Kämpfern und im Scheitel sind Stahlgelenke montiert. Zwischen den Brüstungen ist die Brücke, Fahrbahn und zwei Gehwege, 17,20 m breit. Die etwa 40 cm breite und 1 m hohe Brüstung besteht abwechselnd aus geschlossenen und durch Baluster durchsichtig gemachten Feldern. Die Abdeckplatten sind aus Muschelkalk. Material und die gleichen Baluster fanden bereits bei der Treppenanlage des Siegesmonuments Verwendung.

Der Bogen ist im Scheitel 1,00 m, an den Kämpfern 1,20 m dick. Die Fahrbahn ruht auf kleinen quadratischen Pfeilern aus Ziegelmauerwerk, das mit Naturstein verkleidet wurde. In halber Höhe werden die Pfeiler durch eine Betonplatte verstärkt.

Die 3 Gelenke sind als Walzengelenke aus Gusseisen durchgeführt, stützen sich gegen kräftige Granitquader und sind nach außen hin mit Quader verkleidet. Der Aufbau über dem Gewölbe ist in ähnlicher Weise wie bei der Max-Joseph-Brücke durch 9 Sparbogenreihen auf kleinen Pfeilern erstellt, doch sind hier die beiden Stirnmauern über dem Gewölbe nicht offen, sondern im Muschelkalkstein geschlossen ausgeführt. Die Widerlager sind ca. 4,30 m unter Flusssohle bis auf den Flinz gegründet. Sie sind 20,3 m lang und 20,0 m breit und bestehen vollständig aus Beton. Ihre Aufbauten wurden mit Muschelkalkstein verkleidet. Auch hier sind Temperaturfugen an den Widerlagern angeordnet. Die ursprünglich gepflasterte Fahrbahn zeigt über der Brücke in vertikalem Sinn beidseitiges Ansteigen mit ca. 0,86 % bis zur Brückenmitte.

Geschichte

Davor gab es an dieser Stelle bereits die historische Prinzregentenbrücke aus dem Jahre 1891 (Eisenkonstruktion), die 1899 bei einem Hochwasser einstürzte.

Am 28. September 1901 konnte die feierliche Eröffnung stattfinden. Über den Widerlagern verbreitert sich die Brücke dann jeweils forumartig durch Stirn und Flügelmauern, die den figürlichen Schmuck tragen. Stadtauswärts verbreitert eine Anlage mit Springbrunnen den Weg hinauf zum Engel. Von hier aus kann das obere Plenum mit dem Friedensdenkmal durch 2 Auffahrtsrampen sowie durch eine monumentale Treppenanlage erreicht werden.

Der beim Bau der Brücke benötigte Muschelkalk stammt aus Marktbreit, Kirchheim, Randersacker und Winterhausen.

Die Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wurden bis 1953 beseitigt.

1962 wurden eine 25 cm dicke Verstärkung der alten Kappengewölbe in Spannbeton und eine Abdichtung unter der Fahrbahn eingebaut. Dabei wurde die Fahrbahn von 9,00 m auf 12,00 m verbreitert und die Gehwege von je 4,10 m auf je 2,60 m verschmälert.

Quellen und Literatur

  • Ekkehard Bartsch: Die Prinzregentenstraße in München von 1880–1914 zwischen Prinz-Karl-Palais und Friedensengel. München, 1979
  • Christoph Hackelsberger: München und seine Isarbrücken. Hugendubel, München, 1985. ISBN 978-3-8803410-7-4
  • Christine Rädlinger, Baureferat der Landeshauptstadt München (Herausgeber): Geschichte der Münchner Brücken. Franz Schiermeier Verlag, München, 2008. ISBN 978-3-9811425-2-5
  • Süddeutsche Bauzeitung - 11. Jahrgang 1901
  • Bildersammlung Stadtbauamt 1890 bis 1914
  • Alte Ansichtskarten (Ansichten der eingestürtzen Brücke)
  • Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Verband, München und seine Bauten. Bruckmann, 1912, Reprint 1978. ISBN 3765417475
  • Richard Bauer: Das alte München. Schirmer/Mosel Verlag, München, 1982. 226 Seiten. ISBN 3-88814-108-7 (Abb. S. 142 -143)
  • Horst Karl Marschall: Friedrich von Thiersch 1852-1921, Prestel, München, 1982. ISBN 3-7913-0548-4 (exakte Auflistung der Bauherren der alten Brücke)
  • Josef Biller, Hans Peter Rasp: München, Kunst und Kultur, München, 1972. (S. 117)
  • Philipp Halm: Dekorative Kunst - Illustrierte Zeitschrift für angewandte Kunst, München, Band XV - 1907
  • Fotoarchiv Universität Marburg. Alte Ansichten und Fotos 1899–1920
  • BSB - Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv. Ansichten, Zeichnungen, Fotos. 1899–1945

Weblinks


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