Sendlinger Straße: Unterschied zwischen den Versionen

Zeile 248: Zeile 248:


== Sendlinger Straße 12 ==
== Sendlinger Straße 12 ==
Das Mietshaus mit der Hausnummer 12, schräg gegenüber dem Abzweig zur [[Dultstraße]], ist ein in der Baudenkmalliste eingetragenes ehemaliges Mietshaus, eingereiht in die hier durchgehende Häueserzeile. Das Geschäfts-, und Wohnhaus trug im vergangenen Jahrhundert die Nummer 76. Seit, um 1593 wird hier der Faberbräu ohne Urkunde, erwähnt. Ab dem Jahr 1745 läßt der damalige Besitzer des Anwesens zum Faberbräu, Johann Paul Reiz, die Malztenne in einen Theatersaal, einen sogenannten "Komödienstadel" umbauen, von nun an spielen hier Theatergruppen. In den glanzzeiten kommen hier einige italienische Stücke zur Aufführung. Für Johann Johannes Nieser, der nun mit der Schauspielerin Sewald im Faberbräu die Direk­tion übernahm, begann nun eine Periode der eifrigsten Tätigkeit. Zuerst mußten die unbenutzbaren Schauspielkräfte entlassen und bessere an deren Stelle engagiert werden. Das war keine leichte Aufgabe bei dem Zustande der meisten der damaligen Wandertruppen; doch sie gelang dem jungen, für die höchsten Ideale begeisterten
Das Mietshaus mit der Hausnummer 12, schräg gegenüber dem Abzweig zur [[Dultstraße]], ist ein in der Baudenkmalliste eingetragenes ehemaliges Mietshaus, eingereiht in die hier durchgehende Häueserzeile. Das Geschäfts-, und Wohnhaus trug im vergangenen Jahrhundert die Nummer 76. Seit, um 1593 wird hier der Faberbräu ohne Urkunde, erwähnt. Ab dem Jahr 1745 läßt der damalige Besitzer des Anwesens zum Faberbräu, Johann Paul Reiz, die Malztenne in einen Theatersaal, einen sogenannten "Komödienstadel" umbauen, von nun an spielen hier Theatergruppen. In den glanzzeiten kommen hier einige italienische Stücke zur Aufführung. Für Johann Johannes Nieser, bekannt von der [[Nieserstraße]], der nun mit der Schauspielerin Sewald im Faberbräu die Direk­tion übernahm, begann nun eine Periode der eifrigsten Tätigkeit. ''Zuerst mußten die unbenutzbaren Schauspielkräfte entlassen und bessere an deren Stelle engagiert werden. Das war keine leichte Aufgabe bei dem Zustande der meisten der damaligen Wandertruppen; doch sie gelang dem jungen, für die höchsten Ideale begeisterten Direktor. Am 10. November 1779 wurde im Faberbräutheater das erste regelmäßige Stück: „Die Wirtschafterin" von Stephani dem Älteren aufgeführt. Diesem, mit größtem Beifall aufgenommenen Stücke folgten „Die Malerin von Ephesus" von Weiße, „Elektra" von Götter, „Adel des Herzens" von Zachariä, „Emilia Galotti" und „Miß Sara Sannhson" von Lessing, usw. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch eine Reihe von reisenden Truppen auf der Bühne des Faberbräutheaters, bis durch die beginnenden Kriegsjahre das Interesse am Theater merklich abgeschwächt wurde. Die Bühne im Faberbräu wurde wieder zu einer Malztenne umgewandelt. Hiermit schließt auch die denkwürdigste Periode des inte­ressanten Bräuhauses in der Sendlingergasse. Nachdem 1795 das Faberbräuhaus an Anton Seidl überging, wurde es bereits 1812 mit der Eberlbrauerei vereinigt, erhielt aber im Jahre 1838 in Jakob Schöttl nochmals einen eigenen Besitzer, bis es 1877 von Pongratz wieder mit der Eberbrauerei vereinigt wurde.''<ref>Michel, Carl: ''Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Bierbrauerei.'' München 1907 (Band 2, S. 235-241)</ref>
Direktor. Am 10. November 1779 wurde im Faberbräutheater das erste regelmäßige Stück: „Die Wirtschafterin" von Stephani dem Älteren aufgeführt. Diesem, mit größtem Beifall aufgenommenen Stücke folgten „Die Malerin von Ephesus" von Weiße, „Elektra" von Götter, „Adel des Herzens" von Zachariä, „Emilia Galotti" und „Miß Sara Sannhson" von Lessing, usw. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch eine Reihe von reisenden Truppen auf der Bühne des Faberbräutheaters, bis durch die beginnenden Kriegsjahre das Interesse am Theater merklich abgeschwächt wurde. Die Bühne im Faberbräu wurde wieder zu einer Malztenne umgewandelt. Hiermit schließt auch die denkwürdigste Periode des inte­ressanten Bräuhauses in der Sendlingergasse. Nachdem 1795 das Faberbräuhaus an Anton Seidl überging, wurde es bereits 1812 mit der Eberlbrauerei vereinigt, erhielt aber im Jahre 1838 in Jakob Schöttl nochmals einen eigenen Besitzer, bis es 1877 von Pongratz wieder mit der Eberbrauerei vereinigt wurde.<ref>Michel, Carl: ''Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Bierbrauerei.'' München 1907 (Band 2, S. 235-241)</ref>


[[Datei:Muesendlinger10052011.jpg|thumb|Ehemalige Mietshäuser, ab dem Hackerhaus mit der Nummer 14, von links nach rechts; Sendlinger Straße 12 (76), 10 (77) und 8 (78), Zustand in den Jahren während der Bauarbeiten von 2011 bis 2013]]
[[Datei:Muesendlinger10052011.jpg|thumb|Ehemalige Mietshäuser, ab dem Hackerhaus mit der Nummer 14, von links nach rechts; Sendlinger Straße 12 (76), 10 (77) und 8 (78), Zustand in den Jahren während der Bauarbeiten von 2011 bis 2013]]
32.665

Bearbeitungen