Neptunbrunnen

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Der Neptunbrunnen steht in München im Alten Botanischen Garten an der Elisenstraße

Künstler
Joseph Wackerle (1880–1959), Ausführung von Steinbildhauermeister Josef Meinert
Zeit der Errichtung
1935–1937, Übergabe an die Stadtgemeinde am 29. oder 30.5.1937

Lage

>> Geographische Lage von Neptunbrunnen im Kartenverzeichnis (auf tools.wmflabs.org)

Beschreibung

Der hier an den David von Michelangelo in Florenz erinnernde Gott Neptun steht mit geschultertem Dreizack, gewissermaßen als historisch frühes Kind der Aufrüstung in jenen 1933er Jahren, auf einem Felsen, in dem Vexierbilder von Gewalttätigen in Form von Masken sich andeuten, und neben einem heranstürmenden Meeresross mit Fischschwanz, unter dem das Wasser bedrohlich hervorschäumt.

Dieser Neptun, Gott der Wassergewalten, wird begleitet von zwei kraftvoll aus Muscheln Wasser blasenden Tritonen. Hinter dem rechten Triton wurde eine 'Maske der Gewalt' in den Felssockel gemeißelt; daneben gibt es weiteren kleinen Muschel-Springbrunnen.

Münchens Neptunbrunnen mit der Hauptfigur personifizierter Wassergewalt steht auf einem Platz mit dem Namen Alter Botanischer Garten, der eine sehr eigene Geschichte hat (s. Exkurs). Und Neptun/Poseidon ist als Gottheit selbst das Symbol einer langen Geschichte vom Wasser verursachter Naturkatastrophen.

Heutzutage denkt man an den Tsunami im Indischen Ozean am 26.12.2004 oder im Pazifik vor Japan am 11.3.2011. Tsunamis hat es seit Menschengedenken gegeben, so z.B. vor 3.500 Jahren die Minoische Eruption mit dem verheerenden Tsunami im Mittelmeer als Folge eines Ausbruchs des Thera-/Santorin-Vulkans, 1600 bzw. 1530 v. Chr., der die bronzezeitliche Minoische Kultur zerstört hat.

Die donnernden Meereswogen wurden in der Antike wiederholt verglichen mit dem donnernden Hufschlag großer Reiterheere, welche die Siedlungen der Ackerbau treibenden Menschen vernichteten. So kam es auch bei großen Brunnen immer wieder zu Darstellungen der Wassergewalten in Gestalt von Pferden und Hippocampen. Selbst das Trojanische Pferd könnte einst als pars pro toto und Teil einer ganzen, vom Meer herkommenden, alles vernichtenden Gewalt verstanden worden sein.

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Besonderheiten und Ereignisse

Exkurs zur Geschichte des Alten Botanischen Gartens

Das vom Neptunbrunnen fast unbemerkt an der sehr lebhaften Straßenkreuzung beim Stachus gelegene frühklassiszistische, ehemals stadtseitige Eingangsportal des Botanischen Gartens trägt die von J.W. Goethe verfasste Inschrift: FLORUM DAEDALAE TELLURIS GENTES DISSITAE / MAXIMILIANI JOS. NUMINE CONSOCIATAE MDCCCXII - das heißt: Auf Geheiß des Königs Maximilian I. Joseph wurden 1812 die zerstreuten Blumen-Gattungen der Bildnerin Erde (hier) versammelt. Den Garten hatte Friedrich Ludwig v. Sckell in den Jahren 1804–14 angelegt und der Gründer der Botanik in Bayern, Professor Franz von Paula Schrank ihn zu einem “Botanischen“ Lehrgarten gemacht (im Parterre des Neuen Botanischen Gartens, Menzinger Straße 65, steht davon ein eisernes Modell).

42 Jahre später wurde auf Geheiß vom Enkel des Gründers, von König Max II., dieser erste Botanische Garten Münchens wieder zerstört, und zwar für den Bau eines Industrie-Ausstellungsgebäudes, dem Münchner Glaspalast.

Daraufhin legte der Nachfolger Franz von Paula Schranks, Carl Ritter von Martius aus Protest gegen die Zerstörung des Gartens im Frühjahr 1854 seine Ämter als ordentlicher öffentlicher Professor und als Konservator der Botanischen Sammlungen nieder und beantragte die Aufnahme in den Ruhestand, was ihm gewährt wurde.

Am 8. Juni 1854 war dann der von dem Architekten August von Voit errichtete Glaspalast für die erste deutsche Industrieausstellung fertig, die am 15.Juli 1854 als europäisches Ereignis eröffnet werden konnte.

Drei Tage danach, am 18.7.1854, war ein Besucher der Ausstellung bei einer Abendveranstaltung zusammengebrochen - das erste Opfer der 2. Cholera-Epidemie. Bald danach erkrankten Bedienstete der Ausstellung, später weitere Gäste der Ausstellung und Münchner Bürger. Wer irgend konnte, verließ damals München, und die Ausstellung wurde ein Misserfolg. Bis zum 31. August 1854 fielen täglich über hundert Menschen dieser 2. Choleraepidemie in München zum Opfer. Zu den letzten der insgesamt neuntausend Cholera-Toten gehörte schließlich auch die Mutter von König Max II., Königin Therese, die am 26. Oktober 1854, nach einem Dankgottesdienst für die Opfer, im Alter von 62 Jahren starb.

Die nächste Katastrophe geschah 77 Jahre danach. Am 6. Juni 1931 brannte der Glaspalast vollständig ab und der Park wurde, nun auf Anordnung der Nationalsozialisten, von Oswald Bieber und Joseph Wackerle (1880-1959) neu gestaltet. Letzterer war bereits 1906, im Alter von 26 Jahren, zum künstlerischen Leiter der Porzellan Manufaktur Nymphenburg berufen worden und schuf 1935–1937 auch den Neptunbrunnen. Der Schüler von Joseph Wackerle, Franz Mikorey (1907–1986), hatte schon 1934 zwei Springende Pferde für den Teich im Tassiloplatz in der oberen Au geschaffen. Diese ebenfalls wasserbezogene Skulptur steht seit 1974 im Park an der Herzog-Wilhelm-Straße über dem abgedeckten Westlichen Stadtgrabenbach.

Quellen/Weblinks

  • HippokampW
  • Liste der Münchner Städtischen Brunnen, Stand Mai 2011, Nr. 27
  • Otto Josef Bistritzki, Margarete Baur-Heinhold, Heide Hohendahl, Günther Mehling: Brunnen in München. Callwey, 1974, ISBN 3766705040, Brunnen-Nr. 37, S. 70 - 71
  • 1.) Einweihungsdatum 29.05 (in Habel, Hallinger, Weski)
  • 2.) Einweihungsdatum 30.05 (in Bistritzki)
  • Neptunbrunnen bei Stadt-Panorama

Siehe auch