Cholera

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Cholera ist eine Infektionskrankheit des Verdauuungstraktes der Menschen. Durch den schnellen und hohen Wasserverlust wirkt sie oft tödlich. Verbreitet wurde sie früher oft durch die Mängel in der Trinkwasserversorgung.

Neben häufiger auftretenden Cholera-Epidemien (regional begrenzte Ausbreitung der Krankheit) lassen sich im 19. Jahrhundert fünf Pandemien (länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung) unterscheiden.

  • 1. Pandemie (1817–1824): Teile Asiens sind betroffen, ebenso Ostafrika, ab 1823 Kleinasien und in der Folge Russland und Europa.
  • 2. Pandemie (1826–1841): Sie breitet sich von Mekka nach Ägypten und Europa aus.
  • 3. Pandemie (1852–1860): Sie betrifft einen Teil Asiens, den Maghreb (insbesondere Algerien) und Europa. Es kam zu mehr als einer Million Todesfällen in Russland.
  • 4. Pandemie (1863–1876): Über Nordeuropa, nach Belgien im Jahre 1866, dann Frankreich und schließlich Nordafrika und Südamerika.
  • 5. Pandemie (1883–1896): Sie breitet sich von Indien nach Osten und Westen auf mehrere Kontinente aus.

Um 1830 brachten die gegen den polnischen Novemberaufstand zusammengezogenen kaiserlich-russischen Truppen von der indischen Grenze die Krankheit erstmals nach Europa. Binnen weniger Jahre wurden danach fast alle europäischen Länder von verheerenden Seuchenwellen (Pandemie) heimgesucht.

In der österreichischen Hauptstadt Wien traten mehrere Cholera-Epidemien auf. Die erste forderte von 1830 bis zum Dezember 1831 rund 2000 Tote. Ursache war das schnelle Wachstum der Stadt, deren Wasserversorgung mangelhaft war.

Im Krimkrieg (18531856) kamen auf beiden Seiten mehr Soldaten durch die Cholera um als in Kampfhandlungen.

Die Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung 1854 in München war deshalb kein großer Erfolg, weil wenige Tage nach ihrer Eröffnung in der ganzen Stadt die Cholera ausbrach, der nahezu 3.000 Menschen zum Opfer fielen. Sie brach in der Zeit auch in London und in Wien aus.

Während des Preußisch-Österreichischen Kriegs (1866) kostete die Seuche im preußischen Heer 3139 Soldaten das Leben. Mit dem Truppenvormarsch verbreitete sich die Cholera nach Niederösterreich; es folgte eine Epidemie in Wien mit 1869 Toten; im übrigen Niederösterreich starben etwa 8000 Menschen.

1892 kam es in Hamburg zu einer letzten großen Epidemie mit mehr als 8600 Toten. Nun bauten immer mehr Städte ein flächendeckendes Trinkwasserleitungsnetz aus.

Wissenschaftliche Begleitung

Die drei Epedemien in München: 1836/37[1], 1853/54[2] und 1872/73[3] wurden bereits während sie statt fanden beforscht.

Der Mediziner Max von Pettenkofer wurde 1865 erster Direktor des Max von Pettenkofer-InstitutW der Ludwig-Maximilians-Universität. Pettenkofer wurde als Pionier der Hygiene und Öffentlichen Gesundheit bekannt. Er analysierte die Choleraepidemien in München (1836/37 und 1853/54) und überzeugte Ludwig II., dass die Bodenqualität durch Zentralisierung der Abwasserkanalisation und der Trinkwasserversorgung wesentlich verbessert werden kann. Der Nutzen dieser Maßnahmen wurde erkennbar, als die Cholera 1892 in Hamburg wütete, in München hingegen nicht.

Zwischen Pettenkofer und Robert KochW gab es einen Disput: Pettenkofer verkannte lange Zeit, dass Cholera vom „Kommabazillus“ Vibrio cholerae verursacht wird; er hatte eine „Bodentheorie“ und glaubte, dass Eigenschaften bestimmter Böden ein auslösender Faktor für Darmerkrankungen seien.[4][5]

Siehe auch

Weblinks, Zeitungsartikel

  • Joachim Käppner: Der weite Weg zur sauberen Stadt. (1854 bricht in München die Cholera aus. Tausende sterben, bis Max Pettenkofer die Quelle des Übels findet und hygienische Standards einführt SZ vom 4. Dezember 2018)
  1. Franz Xaver Kopp, Generalbericht über die Cholera-Epidemie in München einschlüssig der der Vorstadt Au im Jahre 1836/37, [1]
  2. Seit 1852 bestand zwischen München und Nürnberg eine direkte, rasche Eisenbahnverbindung, die Fahrzeit betrug rund sieben Stunden. [2]
  3. An Cholera Erkrankte und Verstorbene (nach Straßen geordnet), 1873-1874, [3]Schon im Januar 1874, noch vor Abklingen der Cholera-Epidemie, hatte der Magistrat eine Spezialkommission zur Ausarbeitung eines Konzepts für die zukünftige Wasserversorgung Münchens eingesetzt, der Max Pettenkofer als Sachverständiger angehörte. Die Kommission einigte sich auf Anforderungen an die Qualität des Wasssers - es sollte klar und farblos, frei von jeder Trübung und jedem Geruche sein ... Erhardt, Zenetti und Pettenkofer entwarfen nun gemeinsam ein Programm der hygienischen Stadterneuerung »Assanierung«[4]
  4. Darstellung der Geschichte des Max von Pettenkoferinstituts der Universität München, abgerufen am 20. März 2016
  5. siehe auch Gregor Raschke (2007): Die Choleratheorie Max von Pettenkofers im Kreuzfeuer der Kritik – Die Choleradiskussion und ihre Teilnehmer. Diss. TU München, online (pdf, 146 S.)