Wolfsbrunnen

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Wolfsbrunnen
Böser Wolf mit Rotkäppchen
Detail (Wolfskopf)

Der Wolf's Brunnen ist eine Figurengruppe nach dem bekannten Märchen Rotkäppchen mit einem Wolf. Beide stehen auf einer hohen Säule über dem Brunnenbecken. Die Anlage erinnert (heimlich) an den Familiennamen der Stifter.

Standort
Am Kosttor, in unmittelbarer Nähe vom Platzl
Künstler
Heinrich Düll und Georg Pezold
Material
Figurengruppe aus Bronze, gegossen von Cosmas Leyrer; Brunnenbecken und hohe reliefierte Säule mit Delphinen-Kapitell aus Treuchtlinger Jurakalk; erneuerter Stufen-Unterbau aus Granit
Stifter
Großhändler-Ehepaar Adolf und Apollonia Wolf
Zeitpunkt der Einweihung
1. Oktober 1904

Standort

Am äußersten Rand der Graggenau-Ostseite an der alten Stadtmauer wurde einige Jahre nach der Abtragung der alten Stadtbefestigung und der Reste des Kosttors, des Zwingers, der Zwingermauer und des Hofzerwirkgewölbes ein kleiner Platz frei. An seinem oberem Ende beginnen die Dienergasse und Burggasse, die Bräuhausstraße, Münzstraße und Pfisterstraße. Rundherum entstanden neue Bauwerke: Das Gebäude des Baumeisters Anton Roth, das noch vorhandene Bürgerhaus des Georg von Hauberrisser, das Bürgerhaus von Heilmann und Littmann und einige andere wunderschöne Bürgerhäuser, die teils den Krieg nicht überstanden haben. Eine Litfaßsäule war bis Anfang 1904 in der Mitte des kleinen Platzes aufgestellt.

Am Samstag, den 1. Oktober 1904 ändert sich der Anblick des Platzes für die Bürger der Stadt.

Die Bildhauer Heinrich Düll und Georg Pezold schufen, wohl im Auftrag des Stifters, dem Ehepaar Wolf einen Ort zum Verweilen. An der Stelle, an der einst Plakate zum Besuch des Platzls einluden, reckte sich nun ein kleiner Brunnen gen Himmel. Von oben blicken uns ein Wolf und das Rotkäppchen entgegen. In einem Zeitungsartikel vom 2. Oktober 1904 ist zu lesen: Am Kosttor, unmittelbar vor dem Eingang zum Hotel Roth, ist heute der Wolfsbrunnen enthüllt und dem Betriebe übergeben worden. Diese Stadtzierde, ein Werk der beiden Bildhauer Düll und Petzold, ist gestiftet von dem Münchner Großhändler Wolf und dessen Gattin Apollonia Wolf, geborene Hochreiter.
Dieser Brunnen war Teil eines Wettbewerbs. Zur Teilnahme waren alle in München arbeitenden Bildhauer und Künstler eingeladen, ihre Ideen und Vorschläge in Form eines Pappmodels einzureichen. Darunter hochgeachtete Künstler wie; Hubert Netzer, Philipp Widmer, Hugo Kaufmann, Fritz Behn, Theodor von Gosen, und das Duo Joseph Flossmann und Otto Riemerschmid. Den ersten Platz konnten damals das Künstlerduo aus Bogenhausen, Düll und Pezold mit einem ihrer zwei eingereichten Modelle erringen. Ein in vielen Details abgeänderter Brunnen, dem Modell entsprechend, so wie wir ihn heute noch sehen, wurde dann zur Ausführung gebracht.

Diese kleine Insel mit Brunnen war von einem Zaun umgeben. Innerhalb des Zauns befand sich eine kleine Grünanlage mit Bäumen. Zwei Seiten des achteckigen Zauns waren offen zugänglich, die dem Hotel Roth zugewandte und die gegenüberliegende Seite. Bereits 1911 wurde der Zaun wieder entfernt - somit war der Brunnen von allen Seiten frei zugänglich. Allein die Rückseite, dem Hotel Roth zugewandt, behielt noch ihren parkähnlichen Charakter.

Heute ist der Platz von einer kleinen Ringstraße umgeben, die mit Autos zugeparkt ist. Innerhalb des Platzes stehen Bäume, Fahrräder und der Brunnen, an dem sich bei schönem Wetter so manch einer sein Gesicht mit Wasser abkühlt.

Blick hinein ins Platzl, um das Jahr 1911
Standort

Beschreibung

Das Becken und die Säule sind aus Treuchtlinger Jurakalk. Die Krönung der Säule, die Bronzefigur vom Rotkäppchen und dem Wolf, wurde zur Anfertigung dem Goldschmied und Erzgießer Cosmas Leyrer anvertraut. Am Sockel, der die Säule trägt, ist die eigentliche Wasserspielerei angebracht. Vier aus Bronze gefertigte Wolfsköpfe, die jeweils in die vier Himmelsrichtungen blicken, dienen als Ausläufe, aus denen das Wasser direkt in das große Becken fließt. Unterhalb der Köpfe an der Beckenrandinnenseite sind jeweils zwei Rechteckstangen oberhalb der Wasserlinie angebracht, um darauf große Wannen und Kannen oder andere wasserfassende Behältnisse am Brunnen abstellen und befüllen zu können.

Eine direkt in das Gestein des Beckenrandes geschlagene Inschrift informiert über die Namen der Künstler, der Stifter und den Namen des Brunnens: Wolf's Brunnen

Besonderheiten

  • Im Herbst des Jahres 2010 wurde der zur linken Seite des Brunnens, stehende große Baum gefällt, und durch einen kleineren jungen Ahorn ersetzt. Nun besteht die Möglichkeit, bei Sonnenaufgang den Brunnen in einem viel besseren Licht zu sehen.

Das Märchen

Der Wolf, hatte hier schon "Kreide gefressen", seine wolfsrauhe Stimme besänftigend gemacht und sich so das Vertrauen von Rotkäppchen erschlichen. Mit "Kreide" ist aber nicht etwa die staubtrockene Tafel-Kreide gemeint, sondern das wohlschmeckende, ehemals in Ostpreußen über mehrere Stunden eingeköchelte und dann karamellartige Kirschenmus, "Kirschkreide" genannt. Geeignet auch als Hausmittel, das man bei Halsschmerzen vor dem Schlucken erst längere Zeit im Mund behalten soll.

Der Tatbestand des "Kreidefressens", beim Rotkäppchen-Märchen (Märchen Nr. 26) oft miterzählt, wurde von den Gebrüdern Grimm allerdings nur bei dem Märchen Nr. 5: "Der Wolf und die sieben jungen Geißlein" schriftlich festgehalten. Darin kauft sich der Wolf beim Krämer (Vorform des Supermarktes, Abtlg. Spezereien und Kolonialwaren) einen heutzutage missverständlich "Stück" Kreide genannten Löffel voll Kirschkreide.

Literatur und Quellen

  • Großes Häuserbuch der Stadt München - Band 1 - Stadtarchiv München 1958
  • Alt München in Bild und Wort. L-Werner 1897
  • München und seine Bauten. Bruckmann 1912. Txt. Abb. Seite 739
  • Rudolf Praetorius: München an der Küste seiner Brunnen. Ludwig Beck, Brunnen-Kalender 1979. (Abb. 1.-16.März. Text Rückseite)
  • Ansichtskarte - BW ca. 1912
  • Ansichtskarte - Kunstverlag Walter Zimmermann, um 1911
  • Bildindex der Uni Marburg (Zeitdokument, Fotoansicht um 1900, mi02282a09a.jpg)
  • Adolf von Hildebrand Architektur und Plastik seiner Brunnen. Stadtarchiv 1995 (S.51,134)
  • Das Künstlerhaus in München. L. Werner 1900. (S.43)
  • Ernst Henle: Die Versorgung der Königlichen Haupt= und Residenzstadt München mit Gas und Wasser. Festschrift zur 53. Jahresversammlung und hrsg. vom Deutschen Verein von Gas- und Wasserfachmännern. Carl Gerber, München, 1912 (S.85, Nr.082, Tafel 89)
  • Juliane Reister: Brunnenkunst und Wasserspiele: Spaziergänge in zehn Münchner Stadtteilen. MünchenVerlag, 2008, ISBN 978-3-937090-26-9 (S.26)
Bistritzki, Baur u.a: Lebendiges Wasser, Callway, 1991

Siehe auch