Sporthaus Schuster

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Das Sporthaus Schuster in der Rosenstraße und am Rindermarkt ist ein Geschäft für Sportkleidung und Sportartikel. Es wurde 1913 von August Schuster gegründet. Das Unternehmen stattete zahlreiche Expeditionen aus und ist in diesem Bereich international bekannt. Schuster war in München seit jeher der klassische Konkurrent von SportScheck.

Geschichte

Das Sportgeschäft wurde von August Schuster am 22. April 1913 in der Rosenstraße 6 (heute Rosen Apotheke) eröffnet und nach und nach weiter ausgebaut.[1]

Das Sporthaus Schuster und die Marke ASMÜ

Mike C. Parsons und Mary B. Rose erwähnen das Sportfachgeschäft und die Marke ASMÜ (August Schuster München) in ihrem Buch Invisible on Everest: Innovation and the Gear Makers mehrfach, unter anderem dass dort bereits im Katalog 1914/1915 Manchon-Filz-Kletterschuhe angeboten wurden, die in der Disziplin des Kletterns dann lange Zeit „state of the art“ waren.[2] Der Gründer August Schuster entwickelte unter besagter Marke ASMÜ auch selbst Sportartikel, beispielsweise eine Skibindung, spezielle Sohlen für Kletterschuhe, das Perlon-Kernmantelkletterseil, das das Hanfseil ablösen sollte und viele weitere Bergsportprodukte wie einen Trapezhaken und Leichtsteigeisen. Ein paar Ski mit ASMÜ-Riemenbindung von 1933 ist in der Abteilung „Landverkehr“ des Deutschen Museums zu sehen.[3]

Bereits früh machte sich das Unternehmen einen Namen im Bereich Berg- und Auslandsexpeditionen. So wurde die Rolle des Unternehmens hinsichtlich der Vorbereitung der deutschen Hindukusch-Expedition 1935W rückwirkend von der Notgemeinschaft der deutschen WissenschaftW wie folgt beschrieben:[4]

„Das Sporthaus Schuster, jene durch jahrzehntelange Erfahrung in expeditionstechnischer Beziehung bewährte Firma in München, bildete für wenige Wochen die technische Vorbereitungszentrale des Unternehmens. …“

Unter anderem erwähnten Fritz WiessnerW und Franz Grassler 1955 in ihrem Buch K2, Tragödien und Sieg am zweithöchsten Berg der Erde, dass sich mit Filz gefütterte Lederbergschuhe des Sporthauses Schuster bei der deutsch-amerikanischen Himalaya-Expedition 1932W bewährt hatten und deswegen auch weiterhin zum Einsatz kamen.[5] Die Polar-Sonderausstattung der Flugzeugbesatzungen bei der deutschen Antarktischen Expedition 1938/39W wurde ebenfalls vom Unternehmen Schuster geliefert.[6] 1938, anlässlich des 25-jährigen Geschäftsjubiläums, berichtete der DÖAVW in einer Mitteilung von bis dahin über 140 vom Sporthaus ausgestatteten Auslandexpeditionen.[7] 1952 zählte der DAV rund 230 Auslandsexpeditionen und Forschungsreisen.[8]

Nachkriegszeit und Wiederaufbau

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft völlig zerstört. Nach dem Wiederaufbau wuchs das „Sporthaus des Südens“, wie sich das Geschäft auch nannte, weiter, erhielt ein zweites und drittes Geschoss, und dehnte sich 1955 in die Rosenstraße 5 und 1956/1957 auf den Rindermarkt 13 aus. Das genannte Kernmantelseil bot Schuster erstmals im Versandkatalog 1949/1950 an. Es war ab Dezember 1949 verfügbar.[9] Hermann Huber (* 1930), Autor des Buches Bergsteigen heute und Mitgründer des DAV-Sicherheitskreises[10], der ein 30 m-langes ASMÜ-Kernmantelseil der ersten Generation besaß, beschreibt dieses in seinen Erinnerungen über Bergseile als „Quantensprung“.[11]

Nach dem Tod August Schusters übernahm der damals 34-jährige Gustl Schuster das Haus. Heute befindet sich das Sporthaus in der Rosenstraße 2–5. Wie auch sein Vater, arbeitete er eng mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) der Bergwacht BayernW zusammen und war gut befreundet mit dem Bergwacht-Pionier Ludwig Gramminger. Gramminger beschreibt neben der Zusammenarbeit mit der Bergwacht und der Ausstattung durch das Sporthaus in seinem Buch Das gerettete Leben auch jährliche Demonstrationsveranstaltungen der Bergrettung vor dem Sporthaus in der Rosenstraße mit Abseilaktionen usw. Gustl Schuster war seit 1948 verheiratet mit Evi Schuster (* 1927 in Pullach), Tochter von Josef MauderW.[12] Aus der Ehe gingen der Sohn Florian, genannt Flori Schuster (* 5. Mai 1955 in München[13]), und eine Tochter hervor.[14]

Schon in den 1960er Jahren wurde das Expeditionsgeschäft auch auf den Bereich des MassentourismusW ausgeweitet.[15] Im Sporthaus Schuster betreibt die DAV-Sektion MünchenW eine ihrer drei Servicestellen.

Schuster Gruppe und Sport Münzinger

1963 löste der Slogan „Freizeit und Sport“ das Markenzeichen ASMÜ ab. Die Marke ASMÜ wurde dennoch nicht gänzlich aufgegeben.[1] Das Sortiment für Ski- und Bergsport wurde erweitert. Nach schwerer Krankheit starb Gustl Schuster im Februar 1974 und die Geschäftleitung wurde an Herrn Scheibmair übergeben. 1984 übernahm Gustl Schusters Sohn Flori Schuster in dritter Generation die Geschäftsleitung.

2003 schloss sich das Unternehmen mit dem Traditionshaus und bayerischen HoflieferantenW Sport Münzinger zusammen, das auf eine noch längere Familienhistorie zurückblicken kann. Hermann Münzinger hatte seinen Laden, der sich seit 1904 im Münchner Rathausgebäude befindet, bereits 1889 eröffnet. 2003 trat als zweiter Geschäftsführer der Schuster Gruppe Rainer Angstl in die Unternehmensführung ein.

Zur Unternehmensgruppe gehört neben den beiden Sportunternehmen noch die Schuster Verwaltungs-GmbH & Co. KG und die Schuster Beteiligungsgesellschaft mbH.[16]

Umbau und Wiedereröffnung des Sporthauses Schuster

Nach 17 Monaten Planungs- und Umbauphase eröffnete Schuster München 2006 neu und präsentierte sich mit neuem Gesamtauftritt. Auf einer Verkaufsfläche von 4.000 Quadratmetern, verteilt über sieben Stockwerke, umfasst das Sortiment Sportausrüstung sowie Alpin- und Kletterprodukte.[17] Die Planung des Umbaus übernahm das Stuttgarter Architekturbüro Blocher Blocher Partners.[18] Von den ursprünglich verbundenen Geschäftshäusern wurden die Gebäude Rosenstraße 3–5 abgerissen und beim Neubau das Gebäude am Rindermarkt miteinbezogen. Im Haus befindet sich seit der Neueröffnung auch eine 25 Meter hohe Inhouse-Kletterwand.[19]

Zusammenschlüsse

Im Jahr 2015 schloss sich das Sporthaus Schuster mit den Unternehmen Hirmer, Kustermann, Bettenrid und Kaut-Bullinger zur Wertegemeinschaft „Münchens erste Häuser“ zusammen.[20]

Sporthaus Schuster zählt zu den größten Mitgliedern der Intersport Deutschland eGW. Das Unternehmen beschäftigt ca. 330 Mitarbeiter.[21]

Trivia

Der Nanga ParbatW- und Broad PeakW-Erstbesteiger Hermann BuhlW war ab 1952 Fachverkäufer im Sporthaus Schuster.[22][23] Seine erfolgreiche Erstbesteigung des Nanga Parbat führte zu einem lokalen, überregional wahrgenommenen Werbekrieg zwischen dem Sporthaus Schuster und dem Münchner Konkurrenzunternehmen SportScheck. Nachdem SportScheck damit warb, dass Buhl Mitarbeiter im eigenen Hause war, konterte auch das Sporthaus Schuster mit Werbung, dass Buhl zum Zeitpunkt der Erstbesteigung 1953 noch Mitarbeiter im eigenen Hause war.[24] Auch von Lothar BrandlerW ist bekannt, dass er nach dem Verlassen der DDR in den 1950er Jahren als Teilzeitverkäufer im Hause tätig war.[25]

Der Wintersportautor und ehemalige Skitrainer Wolfgang Lert vermutet in seinem Artikel im Journal Skiing Heritage aus dem Jahr 2003, dass der US-amerikanische Skifahrer Harold Devereaux „Dev“ Jennings (1924–2000[26]) sein südkalifornischesW Sportfachgeschäft Sporthaus Westwood nannte, weil er den Begriff „Sporthaus“ vom Sporthaus Schuster her kannte, das er während einer Europareise besucht hatte.[27]

Der Bergsteiger und langjährige Leiter des DAV-Sicherheitskreises Pit SchubertW erzählt in seinen Anekdoten vom Berg: Amüsante Geschichten vom Bergsteigen, Klettern und Skifahren von einem abgewehrten Überfall auf den Geschäftsführer des Hauses in den späten 1970er Jahren. Ebenso berichtet er, dass mehrere Jahre später die Polizei darum bat, sämtliche Eispickel und Eisgeräte wegen einer Neonazi-Demonstration auf dem Marienplatz aus der Schaufensterauslage zu nehmen.[28]

Literatur

  • Sporthaus Schuster. In: Klaus N. Hang: Sportswear International – Who's who in Contemporary Fashion 2008/09. Deutscher Fachverlag, 2008, S. 136 f. ISBN 978-3-86641-177-7.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Christian Pfaffinger: Sporthaus Schuster: Flori Schuster: "Ich weiß, wie die Münchner ticken.", Abendzeitung, 9. September 2013.
  2. Mike C. Parsons, Mary B. Rose: Invisible on Everest: Innovation and the Gear Makers. Norhern Liberties Press, 2003. ISBN 978-0-9704143-5-9.
  3. Inventarisierung von Exponaten: 2011-133, Anhang zum Jahresbericht 2011, Deutsches Museum, S. 34.
  4. Deutsche Forschung, Band 1; Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft (Hrsg.), Verlag Karl Siegismund in Kommission, 1937, S. 8.
  5. Fritz Wiessner, Franz Grassler: K2, Tragödien und Sieg am zweithöchsten Berg der Erde: Mit einem einführenden Teil und einem Kapitel über die Erstbesteigung des K2. Bergverlag RotherW, 1955, S. 49.
  6. Heinz SchönW: Mythos Neuschwabenland. Für Hitler am Südpol, die deutsche Antarktisexpedition 1938–1939. Bonus, Selent 2004, S. 32. ISBN 978-3-935962-05-6.
  7. August Schuster — Jubilar. In: Mitteilungen des DÖAV 1938, S. 125.
  8. August Schuster – 70 Jahre. In: Mitteilungen des DAV 1952, Heft 12, S. 187.
  9. Ernst Wiedenmann: Bergsteigen, wie es früher einmal war, Die Bergdohle 2014, DAV Sektion Murnau, S. 101 ff. (Online-Version)
  10. Hermann Huber: Vita; abgerufen am 10. November 2015.
  11. Hermann Huber: Wege & Weggefährten aus dem Leben von Hermann Huber: Bergseile; abgerufen am 10. November 2015.
  12. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder: Evi Schuster, Unternehmerin. In: Zeitzeugen berichten. Haus der Bayerischen Geschichte, 21. Juli 2011.
  13. Schuster, Flori; in: Horst Kliemann (Hrsg.): Who’s Who in Germany. Band 2. R. Oldenbourg, 1992, S. 2124.
  14. In Dankbarer Erinnerung; in: Ludwig Gramminger: Das gerettete Leben: aus der Geschichte der Bergrettung – Einsätze, Entwicklungen, Ausbildung, Episoden ..., Hrsg. Hans Steinbichler, Bergverlag Rother, 1986, S. 254 f. ISBN 978-3-7633-7005-4.
  15. Bergsteigen / Tourismus: Klettern am Klotz, Der Spiegel, 38/1969, 15. September 1969.
  16. Schuster Flori, Handelsregister; abgerufen am 13. November 2015.
  17. Gabriele Lüke: Wirtschaft 08/2011: Sportliche Prinzipien, Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 08/2011, IHK München, 2011.
  18. Blocher Blocher Partners bei BauNetzW.
  19. Heidrun Schwinger: Berge versetzen, shopstyle (architektur Fachmagazin), Heft 4B, Dezember 2006, S. 33 ff.
  20. Wertegemeinschaft "Münchens erste Häuser" mit vier anderen Unternehmen, möbel kultur, Ferdinand Holzmann Verlag, 5. Oktober 2015.
  21. Annika Müller: Wenn der Ski-Schuh drückt, nützt ein iPad nichts, TextilwirtschaftW, 4. Dezember 2014.
  22. Horst HöflerW, Reinhold MessnerW: Nanga Parbat: Expeditionen zum "Schicksalsberg der Deutschen" 1934-1962. AS-Verlag, 2002, S. 62. ISBN 978-3-905111-83-5.
  23. Expeditionen: Nanga Parbat – Großdeutsche Kundgebung, Der Spiegel 34/1953, 19. August 1953.
  24. Hohlspiegel, Der Spiegel 31/1962, 1. August 1962.
  25. Nicholas Mailänder: Im Zeichen des Edelweiß. Die Geschichte Münchens als Bergsteigerstadt. AS-Verlag, Zürich 2006, S. 311. ISBN 978-3-909111-28-2.
  26. Dev Jennings bei Sports-Reference (englisch) und H Devereaux 'Dev' Jennings auf der Seite des Alf Engen Ski Museums im Utah Olympic Park.
  27. Sporthaus Westwood: Ski Shop to The Stars. In: Skiing Heritage, Band 15, Nr. 3, Septemper 2003, S. 37 f.
  28. Gangster und Bergsteiger; in: Pit Schubert: Anekdoten vom Berg: Amüsante Geschichten vom Bergsteigen, Klettern und Skifahren. Bergverlag Rother, 2010, S. 144 f. ISBN 978-3-7633-7039-9.


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