Karoline Wittmann

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Karoline Wittmann (geborene Erlacher * 26.Februar 1913 in München; † 15. März 1978 ebenda) war eine Malerin.

Leben

Nach dem Schulabschluss an der Höheren Mädchenschule Küspert im Lehel in München arbeitete Karoline im elterlichen Galanteriewarengeschäft in Bogenhausen in der Ismaninger Straße 77.

Angeregt von einigen Ausstellungen im Glaspalast besuchte sie Ende der 1920er Jahre die Malschule von Moritz Heymann (* 1870; † 1934 München). Moritz Heymann war Jude und seine Malschule wurde deshalb 1934 von den Nazis geschlossen. Aus Verzweiflung mietete Moritz Heymann sich ein Zimmer im Hotel am Hauptbahnhof und stürzte sich vom obersten Stockwerk zu Tode.

Ab 1935 besuchte sie nach bestandener Aufnahmeprüfung die Akademie der Bildenden Künste München - Grafik bei Adolf Schinnerer, Aktmalerei bei Max Mayrshofer (* 1875 München; † 1950 ebenda) und Malerei in der Meisterklasse von Julius Hess (* 1878 Stuttgart; † 1957 Pöcking bei Starnberg).

1938 heiratete Karoline den Holzbildhauerstudenten Paul Wittmann (* 1911 München; † 1993 ebenda), ältester Sohn von dem Kirchenmaler Josef Wittmann (* 1880 Windischeschenbach; † 1968 München). Sie bezogen das gemeinsame Wohnatelier am Pullacher Platz 8, München, dort, wo sich heute die Nachlassverwaltung befindet. Paul Wittmann wurde als Gefreiter 1939 eingezogen, während Karoline Wittmann bis zur Bombardierung der Akademie der Bildenden Künste 1943 in der Meisterklasse von Julius Hess malen konnte.

Im 2. Weltkrieg verlor Karoline Wittmann in einer Bombennacht 1943 große Teile ihres Frühwerks, das sowohl im Atelier als auch in der Akademie gelagert war. Am 4.4.1945 starb im KZ Dachau ihr geliebter Neffe Georg Pöltl im Alter von 16 Jahren. Seine Häftlingsnummer war 140 997. Er wurde ins KZ Dachau am 13.2.1945 eingeliefert, weil er einem jüdischen Mädchen Essbares reichen wollte. Als Karoline Wittmann und ihre Schwester Maria Pöltl (* 1904 München; † 1984) Anfang April 1945 Essbares für Georg Pöltl im KZ Dachau überreichen wollten, sagte man ihnen: Sie können das wieder mitnehmen und eine Hand voll Asche dazu.

Siehe hierzu auch die Publikation:

  • Expressive Gegenständlichkeit - Schicksale figurativer Malerei und Graphik im 20. Jahrhundert: Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider, Seite 609-610, Abb. 590, 191,192. ISBN 3-935019-20-3.

Das Ölbild "Mutter mit Kind" von Karoline Wittmann zeigt ihre Schwester mit ihrem Sohn Georg und ist im Besitz der Bürgerstiftung Solingen und wurde 2013 im Deutschen Bundestag Berlin und im Ephrahim Palais Berlin ausgestellt.

Ab 1945 arbeitete sie bis 1965 als freischaffende Malerin. Sie war Mitglied des BBK München, der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft und der Gedock. In der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst stellte sie jährlich von 1949-1960 aus.

Ihre Vorbilder waren Vincent van Gogh, Paul Cezanne und Lovis Corinth. Ihr letztes Bild entstand 1965. Nach einem Krankenhausaufenthalt im Nervenkrankenhaus Haar und mehrmaliger Elektroschockbehandlungen war ihre Schaffenskraft gebrochen. 1976 richtete der BBK ihr zu Ehren eine Einzelausstellung aus. Sie starb am 15. März 1978 in München und ist im Nordfriedhof Sektion 128-Reihe 2 Grab 5 beerdigt.

Das Lebenswerk Karoline Wittmanns wurde erst posthum publiziert. Es umfasst ca. 340 im Werkverzeichnis erfasste Ölbilder sowie Aquarelle, Radierungen und Zeichnungen. Ihr Nachlass wird heute von ihrem Sohn, dem Dipl. Ing. und Arch. Paul Maria Wittmann (*1946 in München ) verwaltet.

Werke (Auswahl)

  • Ich auch. Öl auf Leinwand, 75x45cm (1957)
  • Clivia mit spanischem Krug. Öl auf Leinwand, 46x55cm (1959)
  • Jongleur. Öl auf Leinwand, 100x65cm (1958)
  • Abendspaziergang. Öl auf Leinwand, 50x73cm (1960)
  • Jahrmarkt. Öl auf Hartfaserplatte, 50x77cm (1960)
  • Beim Pferderennen. Öl auf Leinwand, 60x70cm (1960)
  • Beim Schichtl. (Auf dem Oktoberfest) Öl auf Leinwand, 60x80cm (1960)
  • Hochzeitspaar. Öl auf Leinwand, 76x45cm (1961)
  • Angler bei Sonnenuntergang. Öl auf Leinwand 54x40cm (1962)
  • Zwei Schwestern. Öl auf Leinwand, 80x60cm (1962)
  • Der Sündenfall. Öl auf Leinwand, 139x71cm (1963)
  • Sommerblumenstrauß. Öl auf Leinwand, 55x37cm (1964)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1949-1960 Große Kunstausstellung im Haus der Kunst, München
  • 1955-1956 "Contemporary Women`s Painting in Germany" von GEDOK in Bombay, Calcutta und New Delhi
  • 1958 München 1898 bis 1958 "Aufbruch zur modernen Kunst" in Haus der Kunst, München
  • 1976 Einzelausstellung im BBK München
  • 1978 Gedächtnisbeteiligung Große Kunstausstellung im Haus der Kunst, München
  • 1997 Einzelausstellung in der Galerie Schüller, München
  • 1998 Einzelausstellung in der Stadtgalerie in Altena
  • 1998 Einzelausstellungen in der Galerie Schüller, München
  • 1999 Einzelausstellung beim Kallmann-Museum, Ismaning
  • 1999 Einzelausstellung Galerie Oltmanns, Unkel bei Bonn
  • 2000 Einzelaussellung Galerie Reile, München
  • 2001 Einzelausstellung Rathausgalerie Gerti Willmes, Euskirchen
  • 2001 Einzelausstellung Galerie Georg van Almsick, Gronau-Epe
  • 2004 "Malerin der ersten Stunde" Einzelausstellung Galerie Andreas Baumgartl, Galerie für zeitgenössische Kunst, München
  • 2005 Einzelausstellung Galerie Georg van Almsick, Grohnau-Epe
  • 2011 "Zwei Malerinnen der verschollenen Generation Maria von Heider-Schweinitz - Karoline Wittmann" Galerie Oltmanns, Unkel bei Bonn
  • 2013 Einzelausstellung "100 Jahre Karoline Wittmann", Galerie Capriola, Großostheim

Arbeiten im öffentlichem Raum

  • Staatliche Graphische Sammlung München
  • Kunsthalle Schweinfurt
  • Museum Baden, Solingen
  • Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen
  • Sammlung Joseph Hierling
  • Sammlung Gerhard Schneider

Literatur (Auswahl)

  • Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Bd. V, 1961, S.156; Auszug: Ausstellung "München 1869-1958, Aufbruch zur Modernen Kunst", Haus der Kunst, München 1958: Der Jongleur WVZ 1958/29
  • Matthias Arnold: Karoline Wittmann: Leben und Werk der Münchner Malerin, Anderlandverlag München, 1996, ISBN 3-926220-65-1.
  • Ingrid von der Dollen: Karoline Wittmann 1913-1978. Das malerische Werk der Münchnerin. Edition Hierling Tutzing 2010, ISBN 978-3-925435-22-5.
  • Kunsthalle Schweinfurt: Die Sammlung Joseph Hierling, Expressiver Realismus,S.354-355, Abb. 347 und 348, Stadt Schweinfurt 2009, ISBN 978-3-936042-49-8
  • Expressive Gegenständlichkeit. Schicksale Figurativer Malerei und Graphik im 20. Jahrhundert: Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider, S.609-610. Abb. 191, 192, 586, Kettler- Kunst, ISBN 3-935019-20-3
  • Entdeckte Moderne, Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider, Abb.204,493,494,Text S.525, Kettler GmbH 2008, ISBN 978-3-941100-16-9
  • Kunst in der Katastrophe, Katalog des Deutschen Bundestages, S.30, Abb.S31, Jan. 2013
  • Kataloge Große Kunstausstellung im Haus der Kunst, München 1949-1960 und 1978
  • München 1869-1958, Aufbruch zur modernen Kunst, Haus der Kunst, S.480

Weblink

Www.png www.karoline-wittmann.de, offizielle Website


Dort auch eine Bilderauswahl:

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Das Thema "Karoline Wittmann" ist auf Grund der überregionalen Bedeutung des Themas auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten — dort:
erreichbar über diesen Link: Karoline Wittmann.


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