Stadtansichten

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Stadtansichten sind in der Grafik und Malerei wirklichkeitsgetreue Darstellungen eines Stadtbildes von einem bestimmten Beobachterstandort aus. Sie sind eine Sonderform von Veduten (von italienisch veduta = Ansicht, Aussicht), die neben Stadtansichten aber auch Landschaftsdarstellungen umfassen.

Ansichten der Stadt München gibt es seit dem 15. Jahrhundert. Sie stellen somit die früheste Form dar, in der das Aussehen Münchens überliefert ist. Das früheste plastische Stadtmodell stammt erst aus dem Jahr 1570, der früheste Stadtplan aus dem Jahr 1613.

Die frühesten überlieferten Stadtansichten Münches sind als Holzschnitt, Radierung oder Kupferstich ausgeführte Drucke. Später kamen Zeichnungen und Gemälde hinzu. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Fotografie zum bevorzugten Mittel für Stadtansichten. Im 20. Jahrhundert konnte die Stadt durch die Luftbildfotografie aus einer ganz andern Perspektive abgebildet werden als zuvor.

Bildliche Darstellungen

Gesamtansichten

(Siehe auch die Bildersammlung historischer Gesamtansichten.)

Stadtansicht von München aus der Schedelschen Weltchronik - hier als später colorierte Ausgabe

Die älteste bekannte Bilddarstellung der Stadt München ist die Stadtansicht aus der Schedelschen Weltchronik von 1493. Sie ist ein Holzschnitt, der eine Ansicht der Stadt von Osten aus über die Isar hinweg zeigt. Auffallend sind die noch haubenlosen Türme der Frauenkirche.

Franz Hogenberg, 1572
Georg Hoefnagel, 1586

Georg Brauns und Franz Hogenbergs Druckwerk Civitates orbis terrarum (erschienen von 1572 bis 1618) zeigt zwei Stadtansichten. Ein Stich von Franz Hogenberg in Band 1 (1572) auf Tafel 40v zeigt eine ähnliche Ansicht wie der die Schedelsche Weltchronik. Mittlerweile hat die Frauenkirche ihre Turmhauben erhalten, das Torhaus am Ende der Brücke ist duch einen Torturm ersetzt, und im Vordergrund ist rechts die Haidhauser Kirche dargestellt. Ein Stich nach einer Zeichnung Georg Hoefnagels von 1586 zeigt eine Ansicht von einer weiter nördlich gelegenen Stelle aus mit der Flusslandschaft im Vordergrund, Au, Giesing und Thalkirchen flussabwärts und den Alpen am Horizont.

Weitere Stadtansichten:

  • Nikolaus Meldemann, 1530, Ausschnitt des Holzschnittes von Hans Sebald Beham, der das Manöver abbildete, das zu Ehren Kaiser Karls V. abgehalten wurde.
  • Sebastian Münster, Holzschnitt aus der Cosmographie, 1550
  • Jost Amman, 1567, Ansicht von Norden
  • Fernando Bertelli, 1568
  • Stadtansicht aus dem 17. Jahrhundert (Historischer Verein von Oberbayern) 1650
  • Gesamtansicht von München über die Isar - Anton Wilhelm Ertl (Bayerischer Atlas von 1687)
  • Stadtansicht um 1730 - Friedrich Bernhard Werner (Stadtmuseum München)
  • Stadtansicht von 1760, Klink J. (Stadtmuseum München)
Bernardo Bellotto (Canaletto), 1761

Teilansichten

(Siehe auch die Bildersammlung historischer Teilansichten.)

Marienplatz, Matthäus Merian, 1642

Teilansichten zeigen nicht das gesamte Stadtbild oder zumindest einen großen Teil davon, sondern nur einen begrenzten Ausschnitt, beispielsweise einen Straßenzug, eine Häusergruppe oder einen Platz.

Ein frühes Beispiel einer solchen Teilansicht ist der Kupferstich des Marienplatzes von Matthäus Merian aus dem Jahr 1642.


Fotografien

Im 19. Jahrhundert löste die Fotografie die bildliche Darstellung von Stadtansichten ab.

Einzelbilder

Der Standort des Fotografen war die alte Terrasse oberhalb der Au, dem sogenannten Franzosenviertel, links vom Franziskanerkeller. Hier im Hintergrund die Skyline 1883


Panoramen

Panorama Münchens in elf Teilen vom Petersturm aus, Georg Böttger, 1858.

Rundumansichten von München gab es schon im frühen 19. Jahrhundert als Gemälde, aber erst das Aufkommen der Fotografie brachte dieser Darstellungsart weitere Verbreitung. Für solche Panoramen wurde von einem erhöhten Standort aus, meist von einem Kirchturm, eine Serie von Einzelbildern fotografiert, die dann aneinandergefügt wurden.


Postkarten

Postkarte des Neues Rathauses, um 1900

Ansichten von München fanden ab dem späten 19. Jahrhundert als Postkarten weite Verbreitung.


Luftbilder

Luftbild mit Überblick von SO nach NW, der Lauf der Isar, die Heilig-Kreuz- (Giesing) und die Frauenkirche als Orientierungshilfe (in d höheren Auflösung gut südl. vom Engl. Garten zu erkennen); Foto von K. Schillinger, 1975

Erstmalig wurde das München von 1977 in nur einer Fotografie dokumentiert. Dieses Luftbildfoto wurde von Karl Schillinger in Heft 1/1978 Statistischer Informationsdienst der LHS München publiziert.

Damit erhielt der Begriff der Stadtansicht eine neue weitere Bedeutung: die plane Bestandsabbildung von oben, so dass die Flächennutzung in realen Proportionen abgebildet wird.

Skyline

Zur Skyline gehören als Silhouettte auch

jedenfalls die

und oft der

Isar mit Frauenkirche.jpg

Die Frauenkirche verliert ihren stadtbildprägenden Charakter

Die beiden Türme der Frauenkirche sind weltweit das Symbol für Munich - München. Dieses Hauptmerkmal verliert durch Hochhäuser Stück um Stück, man könnte auch sagen immer wieder ein paar Zentimeter aus der Skyline, an seiner einzigartigen Bedeutung. Soll München bald wie Frankfurt o. Berlin aussehen, ein Hochhaus-Wald. Irgend einmal wird jeder zugeben, dass das keine Frage mehr ist.

Gut erkennbar sind bei dieser nach Norden laufenden Sichtachse in der Aufnahme des an Luftbildbildern geschulten Fotografen-Auges von Karl Schillinger, wie die Hochhausbauten vom "Münchner Tor I und II" die Frauenkirche optisch verkleinern. Und irgendwann verschwinden lassen.

Literatur

  • J. Lindauer'sche Buchhandlung: Bildmappe München - für München-Liebhaber. 12 Stadtansichten um 1840.
  • Erwin Schleich (Text), Eva Dietrich (Illustrat.): Die zweite Zerstörung Münchens. Neues Stadtbild. Verlag J.F.Steinkopf, 1981.
  • Sebastian Winkler, Franz Schiermeier: München farbig 1946 – 1965 — Vom Trümmerfeld zum U-Bahnbau. Schiermeier, München. Bildband mit historischen Diaaufnahmen der Stadt. 300 Seiten, 270 farbige Abbildungen. ISBN 978-3-943866-64-3 (Verlagsangaben)
  • 850 Jahre München - der Katalog zum Stadtjubiläum. Hrsg. Antiquariate Robert Wölfle und Peter Bierl, 2008 (pdf)
Die Bauten der Monarchen, wie die Residenz, bestimmen das Stadtbild seit alters her mit. (Luftbild: K. S., 1975)

Siehe auch