Frauenholz

Aus München Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Im Jahre 1937 wurden die Baracken des Lagers Frauenholz gebaut. Die "Fliegertechnische Schule" der Wehrmacht hatte hier bis 1945 ihr Quartier. Der II. Weltkrieg brachte für Schleißheim und Umgebung u.a. viele Luftangriffe. Im Januar 1940 wurde der Anflug des ersten feindlichen Flugzeuges gemeldet. Etwa 230 mal ertönte danach die Sirene in Schleißheim. Manche Baracken wurden zerbombt und brannten nieder. Sie wurden aber immer wieder aufgebaut. Am 22. Juli 1944 wurden 28 Opfer eines Fliegerangriffes, am 12. April 1945 14 Opfer auf dem Schleißheimer Friedhof Beerdigt. Noch am Sonntag, den 29. April 1945 mussten bei Neuherberg 21, meist blutjunge Soldaten ihr Leben lassen. Davon sind 11 Soldaten bis heute unbekannt geblieben.

Nach Kriegsschluss 1945 wurden die Baracken der Fliegertechnischen Schule (das nunmehrige Lager Frauenholz also) für die in Deutschland noch lebenden Ausländer als Wohnungen bereitgestellt. Dieses DP-Lager (DP ist die Abkürzung des englischen Wortes für Verschleppte: "displaced persons") wurde in München allgemein das "Russenlager" genannt, weil die meisten Bewohner dieses Lagers aus russischen oder aus slawischen Gebieten stammten.

Bis zum Jahre 1953 lebten die "DPs" im Lager Frauenholz, während dieser Zeit erlangte das Lager einen berüchtigten Ruf. Der Altbau der heutigen Volksschule war während dieser Zeit Sanitätsbaracke. Die Baracken Plannerweg 16 und Jändelweg 1 waren als Kirchen hergerichtet, in denen Gottesdienste der verschiedenen christlichen Richtungen abgehalten wurden. Die Mehrzahl der Lagerinsassen gehörte der russisch-orthodoxen Kirche an.

Im Jahre 1952 übernahm die deutsche Polizei den Rechtsschutz über das DP-Lager.

Im April 1953 verließen die letzten DPs das Lager Frauenholz. Die meisten von ihnen zogen nach München Karlsfeld, Passau und Regensburg, wo man für sie Wohnblöcke errichtet hatte.

Nun kaufte die Stadt München von der Regierung das Lager (es sollen ca. 1,2 Mio. DM bezahlt worden sein), um hier Wohnungen für wohnungslose Münchner einzurichten. Die Baracken waren damals in einem äußerst miserablem Zustand. Bis zum Juli 1953 standen die Baracken noch leer, sie mussten erst instand gesetzt werden. Im Laufe des Jahres 1953 und 1954 wurden verschiedene Baracken ganz neu erstellt, die sogenannten Steinbaracken.

Ende Juli 1953 wurde die Wohnanlage Frauenholz von den ersten Familien bezogen. Bereits zum Jahresschluss 1953 zählte man 2.000 Einwohner.

In der "Verwaltungsbaracke" sind heute noch die Fürsorgestelle der Caritas und des Wohlfahrtsbezirksamtes der Stadt München, die Mütterberatung, die Mütterschule des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes und die Post untergebracht. Auch ein Zahnarzt hat hier seine Praxis.

Bis zum Herbst 1953 wurden die Wasserhähne der Wohnanlage von Pumpbrunnen gespeist. Noch heute sind diese 3 Pumphäuschen zu sehen. Das erste Häuschen steht hinter dem Plannerweg 2, das zweite zwischen dem Plannerweg und dem Kino und das dritte Häuschen hinter Weitmannweg 30. Im Herbst 1953 wurde die Wasserleitung an das Rohrnetz der Stadt München angeschlossen. Nachdem der normale Wasserdruck in München zwischen 6 und 8 bar liegt und das Leitungsnetz der Wohnanlage für diesen starken Druck nicht gebaut war, musste ein Druckminderungsventil eingesetzt werden, das den Wasserdruck auf 3,5 bar herabsetzt.

1954 wurde parallel zur alten Schleißheimer Straße eine neue Zufahrtsstraße zur Wohnanlage gebaut. Die alte Straße, staubig und voller Schlaglöcher, war schon für jedes Fahrzeug eine schwere Belastung gewesen. Östlich dieser Straßen hat die amerikanische Armee, westlich der Straßen die deutsche Bundeswehr ihr Manöver- bzw. Übungsgelände.

Das Bad am Weitmannweg wurde 1954 eingerichtet. Im selben Jahr konnten unsere "Frauenholzer" erstmals am Bernhard-Peter-Weg und damit also innerhalb unserer Wohnanlage, Filmvorführungen besichtigen. Inzwischen wurde das Kino auch zum Abspielen von Breitwandfilmen eingerichtet.

Im Dezember 1954 wurde die Steinbaracke am Schornerweg 6 fertiggestellt, in der Polizeibeamte wohnten. Der Arzt der Wohnanlage, Herr Dr. med. Karl Heinz Westphal, hatte in der gleichen Baracke Wohnung und Praxis.

Am November 1954 konnte der Kindergarten und 14 Tage später die Kinderkrippe eröffnet werden. Die Kinderkrippe hatte am 1. November 1956 die Einweihung eines Erweiterungsbaues, während der Kindergarten sich ebenfalls im Frühjahr 1957 durch einen Anbau vergrößerte. Im Laufe dieser Jahre ist die Bewohnerzahl der Wohnanlage auf ca. 4.000 angestiegen.

1962 wurde das Lager Frauenholz offiziell von Oberschleißheim nach München eingemeindet. Nach dem Bau der Siedlung Hasenbergl wurden die Baracken nach und nach abgerissen und die Bewohner in die neuen Wohnblöcke umgesiedelt. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre endet die Geschichte des Lagers. Die heute an gleicher Stelle stehende Siedlung trägt auch den Namen Hasenbergl-Nord.

Siehe auch
Straße Am Frauenholz

Quelle

Fritz Vollkommer - Geschichte des Frauenholz