Munich Displaced Persons Camps

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Nach dem Kriegsende gab es in den Besatzungszonen und auch in München Menschen, die hier nicht ihre Heimat hatten, die aber auch nicht einfach "zurück" konnten – displaced persons. Der amerikanische Ausdruck für Menschen, deren Heimat erst gesucht und gefunden sein wollte, die verschleppten, entwurzelten Menschen. Sie wurden in Auffanglagern untergebracht. Als DP galt jeder, der durch die Politik der Nazis und den Krieg sozial entwurzelt und politisch rechtlos wurde - in der Regel KZ-Häftlinge und aus den von den Nazis besetzten Ländern rekrutierte Zwangsarbeiter.

München gehörte in der amerikanischen Besatzungszone, dem American sector, zu den Orten an denen Displaced Persons Camps in größerem Umfang bestanden. Eine Folge der Konzentrationslager und der Zwangsarbeitslager einerseits und andrerseits eine Folge der Infrasturktur der amerikanischen Armee und der Militärregierung in München.

  • München-Bogenhausen - UNRRA/Jüdisches Krankenhaus/Munich-Bogenhausen - UNRRA/Jewish Hospital
  • München Deutsches Museum - UNRRA Durchgangslager/Munich Deutsches Museum - UNRRA Transit Camp
  • München Funk Resettlement Center - Durchgangs- und Auswanderungslager/Munich Funkkaserne - Transit and Emigration Camp
  • München-Neufreimann - Jüdisches DP-Lager/Munich-Neufreimann - Jewish DP Camp
  • München Warner Kaserne - Durchgangs- und Auswanderungslager/Munich Warner Kaserne - Transit and Emigration Camp
    • siehe auch:
  • Dachau - Jüdische DP-Gemeinde/Jewish DP Community
  • Dießen am Ammersee - Kibbuz (Hachschara)/Diessen am Ammersee - Kibbutz (Hachsharah)
  • Föhrenwald, Wolfratshsn. - Jüdisches DP-Lager/Foehrenwald - Jewish DP Camp
  • Freising - Jüdische DP-Gemeinde/Jewish DP Community
  • Geretsried - Jüdisches DP-Lager/Jewish DP Camp
  • Hochland - Jüdisches DP-Lager (Hachschara)/Jewish DP Camp (Hachsharah)
  • Kaufering - Jüdische DP-Gemeinde/Jewish DP Community
  • Prien - Jüdisches Kinderlager/Jewish DP Children's Center

A Lebn afs nay (Ein Leben aufs neu)

Gezwungenermaßen blieben viele Tausende der Überlebenden in den alliierten Besatzungszonen, darunter rund 70.000 jüdische Überlebende, überwiegend aus Osteuropa. Nach Hause konnten diese nicht, denn ihr Zuhause existierte nicht mehr: ihre Familien, Nachbarn, Freunde waren ermordet worden, ihre Habe zerstört oder geraubt, ihre Wohnungen von anderen bewohnt. Weiterzuwandern, zu Freunden oder Verwandten in die USA oder nach Palästina, war ihnen verwehrt, denn die US-Immigrations- und die britische Mandatspolitik im Nahen Osten verhinderten dies.

So wurden sie zu displaced persons, die in Auffanglagern – DP camps – bei München, Regensburg und Bamberg, in Ulm und Stuttgart, bei Frankfurt am Main, Kassel und vielen anderen Städten lebten und warteten, die meisten drei bis vier Jahre. Zu ihnen stießen ab 1946 mehr als 100.000 weitere jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa, zumeist polnische Juden, die Krieg und Holocaust in der Sowjetunion überlebt hatten und nach dem Krieg in Polen erneut mit antisemitischen Pogromen konfrontiert waren. Gemeinsam bauten diese jüdischen DPs (nach ihrer Selbstbezeichnung die She’arit Hapleyta – "der Rest, der entkommen ist") in den von den Besatzungsmächten errichteten Lagern ihr eigenes Gemeinwesen auf, mit Zentralkomitee und örtlichen Selbstverwaltungen, mit Schulen und beruflichen Ausbildungskursen, Zeitungen und Zeitschriften, Theatergruppen und Sportmannschaften.

Für die Mehrheit der in den DP-Camps ausharrenden Juden war eine Zukunft im Land der Täter allerdings unvorstellbar: Ihre Hoffnung richtete sich auf ein freies, ohne Angst vor Verfolgung, selbstbestimmtes Leben in Palästina. Mit der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 wurden die "Wartesäle" nicht mehr gebraucht, die Lager sukzessive zugemacht. Umzüge in das DP-Camp Föhrenwald, bzw. Regierungslager bei Wolfratshsn. waren teilweise die Folge.

Die Unterstützung durch die Israelitische Kultusgemeinde

Am 19. Juli 1945 wurde die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) München neu gegründet, am 20. Mai 1947 die Synagoge in der Reichenbachstraße neu eingeweiht. Die Gemeindemitglieder bestanden aus den wenigen überlebenden deutschen Juden, zum größten Teil aus dem KZ Theresienstadt zurückgekehrt. Die Anzahl der Münchner Juden sank bald und beständig: 1950 zählte man etwa 4.800, 1975 knapp 4.000 und 1995 nur noch rund 2.200 Gemeindemitglieder. Durch die Öffnung der ehemaligen UdSSR konnten jüdische Bürger als sogenannte Kontingentflüchtlinge aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion einreisen. Die beiden Münchner jüdischen Gemeinden, die Israelitische Kultusgemeinde und die liberale Gemeinde Beth Shalom, haben nun insgesamt wieder etwa 10.000 Mitglieder (Stand: Herbst 2006).

Bogenhausen displaced persons camp

Hier befanden sich auch das Hauptquartier der amerikanisch-jüdischen Hilfsorganisation AJDC, kurz Joint genannt, und ein Zweigbüro der Jewish Agency für Deutschland.

In der Möhlstraße 45 war die jüdische Volksschule, der Kindergarten und ab Mai 1946 auch das erste hebräische Gymnasium (die einzige Oberschule in der US-Zone) in der Nachkriegszeit untergebracht. Anfangs kamen vier Klassen mit rund 110 Schülern zustande, die in Sport, Musik, Zeichnen, Französisch, Englisch, Geschichte, Geografie, Biologie, Chemie, Physik, Geometrie, Algebra, Arithmetik, Palästinografie, Jüdische Geschichte, Bibel und Hebräisch unterrichtet wurden. Ab 1947 konnten dann die angestrebten sechs Klassen zusammengestellt werden.

Das hebräische Gymnasium schloss Anfang 1951 endgültig.

Freimann displaced persons camp

Die Amerikanische Militärregierung richtete in Freimann das DP-Lager Neu-Freimann ein, dazu wurde ein Teil der Siedlung Kaltherberg beschlagnahmt. Im Lager lebten über 2.500 DPs und wurde von einem Team der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) betreut.

Das Lager wurde im Juni 1949 geschlossen. Die übrigen DPs erhielten Wohnraum in der Ingolstädter Straße zugeteilt. Außer dem Lager Neu-Freimann gab es in Freimann ein Durchgangslager in der ehemaligen Funkkaserne.

Zentralkomitee der befreiten Juden in München

Die amerikanische Militärregierung gestattete den Holocaust-Überlebenden eine weitgehende politische und kulturelle Selbstverwaltung, die vom "Zentralkomitee der befreiten Juden" in München sowie einzelnen Regionalkomitees in Frankfurt, Stuttgart, Regensburg und Bamberg koordiniert wurde.

Vorsitzender war Zalman Grinberg.

Es gibt eine Filmaufnahme der "first conference of the central commitee of freed Jews" in Munich (townhall, Rathaus München) am 27.01.1946. (http://www.cine-holocaust.de/cgi-bin/gdq?efw00fbw000147.gd Knappe Darstellung bei cine-holocaust.de)

Joint Distribution Committee

Gegründet nach dem Ersten Weltkrieg sollte es damals Hilfsbedürftige unterstützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Joint Distribution Committee als zentrale Organisation aller jüdischen Wohlfahrtsverbände die wichtigste Hilfsorganisation für die überlebenden jüdischen Displaced Persons in Deutschland, Italien und den osteuropäischen Staaten. Nach der Staatserklärung Israels 1948 organisierte die Organisation auch Transporte für Einwanderer dorthin.

Landesentschädigungsamt

Bei der Ermittlung und Auszahlung von staatlichen Entschädigungsleistungen kam es unter Dr. phil. Philipp Auerbach, Präsident des LandesentschädigungsamtesW(1), seit 1946 Staatskommissar, Generalanwalt und schließlich Präsident des Bayerischen Landes-Entschädigungsamtes für die rassisch, religiös und politisch Verfolgten zu einem Skandal wegen Aktenfälschungen in mehreren hundert Fällen.

Siehe auch

Literatur

  • Bauer, Yehuda: Out of the Ashes. The Impact of American Jews on Post-Holocaust European Jewry. Oxford / New York, NY: Pergamon Press, 1989
  • Constantin Goschler: Wiedergutmachung. Westdeutschl… 1945-1954. Oldenbourg, München, 1998. 343 S. ISBN 348655901X
  • Ronny Loewy: "These Are the People. Zu Abraham J. Klausners Film über das Zentralkomitee der befreiten Juden in der amerikanischen Zone", Überlebt und unterwegs. Jüdische Displaced Persons im Nachkriegsdeutschland. Jahrbuch 1997 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Fritz Bauer Institut (Hg.), Frankfurt am Main: Campus, 1997
  • Gregor Prokoptschuk: Ukrainer in Munchen und der Bundesrepublik. Verlag Ukraine. 112 S. G. Munchen, 1959.
  • Elke Schubert: "Mir zaynen do. Das aktuelle Jahrbuch des Fritz-Bauer-Instituts über die jüdischen 'Displaced Persons' im Nachkriegsdeutschland", in: Frankfurter Rundschau, Nr. 38, 14.02.1998
  • Leo W. Schwarz: The Redeemers. A Saga of the Years 1945-1952. New York, NY: Farrar, Straus and Young, 1953
  • Juliane Wetzel: Jüdisches Leben in München 1945-1951. Durchgangsstation oder Wiederaufbau? München, Stadtarchiv, 1987

Einzelne Zitate, Bemerkungen

Weblinks

Filme

  • Ephraim Robinson (xx– 1985 in USA)