Fortuna-Brunnen

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Der Fortuna-Brunnen, 2011

Der Fortuna-Brunnen ist in München eine Brunnenanlage im Stadtteil Lehel. Er wurde 1907 vom Münchner Bildhauer Karl Killer (1873—1948) geschaffen.

Bei der Neugestaltung des Areals zwischen Isartor und der Zweibrückenstraße im Jahre 1896 hatte man auch den östlichen Teil, der in die Kanalstraße führte, neu angelegt. Es entstand hierbei eine Bucht mit Alleebäumen, umringt von alten Stadthäusern sowie, teils neu erbauten Wohn- und Geschäftsbauten, wie dies u.a. bei den Häusern Isartorplatz Nr. 3 und Nr. 4, von Karl Hocheder und Eugen Drollinger der Fall war. Direkt dort zwischen der ehemaligen Adelmann-Singspieler-Bühne und den ehemals im Haus mit der Nummer Isartorplatz 2 untergebrachten Isartor-Lichtspielen, wurde ab dem Jahre 1907 ein Brunnen aufgestellt.

Dieses Wasserspiel konnte aus Mitteln der Prinzregent-Luitpold-Stiftung errichtet werden. Hoch über einem Becken aus Ruhpoldinger Marmor gefertigt, steht nun mitten in München die römische Glücksgöttin Fortuna aus Bronze, durch den Bildhauer Andreas Manetsstätter modelliert und zusammen mit Karl Killer bei der Firma Miller gegossen.

Zum Vergleich: Der Fortuna-Brunnen nur wenige Wochen nach seiner Aufstellung im Jahre 1907

Die komplett kleiderlose Fortuna mit dem großen Füllhorn in den Händen hatte nicht nur Befürworter zur Zeit der Aufstellung. Die Anwohner der umliegenden Gassen und Straßen fühlten sich nach einiger Zeit von spottenden Fragen über die ohne Gewand dastehende Göttin belästigt, und warum sie dessen Aufstellung nicht verhindert hätten. All dies uferte dann so stark aus, dass eines Morgens die schöne Frau Fortuna mit einem Drahtgeflecht wie eine Köchin mit Schürze umhüllt dastand. All dies liegt viele, viele Jahre zurück. Heute, nachdem das ganze Isartorplatz-Areal einen komplett veränderten Eindruck vermittelt, findet man den Brunnen von dem Schöpfer Professor Karl Killer ohne Probleme. Eine der Rolltreppen der S-Bahnhaltestelle führt auf direktem Wege dorthin. Und es wundert sich auch niemand mehr über die Dame hoch oben über dem Brunnenbecken, die so ganz ohne Kleidung auskommt.

Beschreibung

Wer sich etwas mehr Zeit nimmt und die aus dem rötlichen Marmor gefertigte, weit ausladende zweistufige Treppe hinaufschreitet und einen genauen Blick auf das Brunnenbecken wirft, der wird erstaunt sein über die Vielfalt der Reliefs, die umlaufend an dem großen achteckigen Becken angebracht sind. Sie zeigen Tätigkeiten aus dem Bereich der Landwirtschaft, des Weinbaus, der Fischerei und viele andere menschliche Figuren. Darüber erhebt sich, auf einem aus Marmor gefertigtem quadratischen Sockel das Wasserspiel, das aus einem Kreis von vier Meerjungfrauen gebildet wird.

Diese halten mit der linken und rechten Hand je einen Karpfen, dessen Maul weit geöffnet ist. Aus diesen spritzt das Wasser im hohen Bogen heraus und umkränzt die Jungfrauen wie ein Blumenbogen. Die vier Meerjungfrauplastiken werden getragen von vier Köpfen, aus deren Münder je eine Wasserlanze herausragt. Diese sind wiederum an den Enden mit drei weiteren Wasserstrahlern bestückt.

Über all dem die Fortuna, auch als Abundantia (lat. Wort für Überfluss) beschrieben; sie steht auf einer Art mit Obst und Früchten befüllten großen Zwiebel. Mit beiden Händen trägt sie ein Füllhorn, das über und über mit Obst gefüllt ist. Dieses wunderschöne Wasserspiel wurde im Krieg stark beschädigt, und die vormals ablehnende Haltung der Bürger der Stadt über den Brunnen hatte sich in den Nachkriegsjahren in Freude und Glück über das Wasserspiel gewandelt. Es gelang aus öffentlichen Spenden und weiteren Geldmitteln der Stadt viele der starken Schäden an dem Jugendstilbrunnen zu beseitigen. Die Inschrift, Fortuna Brunnen, Gestaltet 1907, von Karl Killer am Sockel, inmitten des Brunnenbeckenrandes, wurde vermutlich während einer weiteren Restaurierung nach dem Jahre 1979 angebracht. Noch ein Detail: Die 8 Wasserstrahler waren im bauzeitlichen Zustand alle nach oben gerichtet. Somit sprang das Wasser einer Fontäne gleich nach oben heraus. In neuerer Zeit wurden die vier unteren Wasserstrahler wohl um 180° gedreht. Somit fällt das Wasser nun recht unbeeindruckt in das untere Becken.

Henle führt diesen Münchner Brunnen in seinem Buch, im Jahre 1913 mit der Nummer 78 auf. Als der Tag des ersten öffentlichen Wässerung wird dort der 26. Oktober 1907 angegeben. Den genehmigten Wasserverbrauch für dieses Wasserspiel gibt er mit 30 m³ pro Tag an.

Besonderheiten

  • Das Brunnenbecken wird in der Winterpause eingehaust.

Quellen, Literatur und Hinweise

  • Alte Ansichtskarten aus der Zeit vor 1930.
  • Fotografie des Brunnens von Jäger & Georgen aus dem Jahre 1907. (2 Ansichten)
  • Die Gebäude zur linken Seite, von der Fotoansicht ausgehend, wurden im Krieg bis auf teile der Fassaden zerstört. Einige von ihnen standen noch bis in die 1980er Jahre. Die Bauwerke im Hintergrund wurden ebenso stark beschädigt, sind aber in vereinfachter Form wieder aufgebaut.
  • Bildindex.de der Uni Marburg zeigt mit der Luftbildaufnahme, fm930471a, anschaulich, und geradzu erschreckend, wie die bauliche Situation rund um den Brunnen einst bestand hatte.
  • Richard Bauer, Eva Graf: "Stadt im Überblick - München im Luftbild", Hugendubel, München, 1986. ISBN 3-88034-306-3 (Abb. S. 44 und 45)
  • Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verband, München und seine Bauten. Bruckmann, 1912, Reprint 1978. ISBN 3765417475 (Abb. Brunnen S. 736)
  • Hans Lehmbruch: Ein Neues München Stadtplanung und Stadtentwicklung um 1800, Forschung und Dokumente, Buchendorfer, München, 1987. (Isartorplatz,Isartor)
  • Andreas Manetsstätter, Schreibweise auch Manetstätter.
  • Martha Schad, Claudia Mayr: Frauen in Bronze und Stein - München. Stiebner Verlag, 2008. S. 69-71 (großes Foto)

Lage

>> Geographische Lage von Fortuna-Brunnen im Kartenverzeichnis (auf tools.wmflabs.org)

Weblinks