Abfallwirtschaftsbetrieb München

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Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) ist ein Eigenbetrieb der Stadt München und zuständig für die Müllentsorgung. Er ist der größte kommunale Entsorgungsbetrieb in Deutschland.

Adresse

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Abfallwirtschaftsbetrieb München
Georg-Brauchle-Ring 29
D-80992 München
☎ : 089 - 23 39 62 00
@ : awm@muenchen.de


Geschichte

1870 - 1945, Grundprobleme, Grundprinzipien

In den Jahren 1870 bis 1900 wuchs die Münchner Bevölkerung von 170.000 Einwohnern auf über 500.000 Einwohner. Bis 1890 entsorgten die Münchner Bürger ihren Müll und Unrat in einer von über 2700 Asche-, Kehricht- und Düngergruben. Diese mussten einmal jährlich geleert werden.

Das durch Max von Pettenkofer besonders geförderte wachsende Hygienebewusstsein führte zum Erlass der ersten Münchner Abfallsatzung. Am 14. April 1891 erließ der Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt München die „Ortspolizeiliche Vorschrift über Lagerung und Wegschaffung des Hausunrats“. Im selben Jahr entwickelte der Schmiedemeister Fischer aus dem Münchner Stadtteil Giesing den Harritschwagen, einen von Pferden gezogenen Müllwagen. Der Harritschwagen war für die nächsten 50 Jahre das Rückgrat der Hausratsabfuhr. Der Name „Harritsch“ leitet sich wahrscheinlich vom englischen „carriage“ (= Kutsche) ab.

Am 27. April 1897 schloss die Stadtverwaltung München mit der Hausmüllverwertung München einen Vertrag. Darin verpflichtete sich die Stadt, der Gesellschaft den „gesamten Hausunrat ohne Ausnahme“ zur Trennung in verwertbare und nicht verwertbare Teile zu überlassen. Die Gesellschaft baute ausserhalb von München, in der Gemeinde Puchheim eine Müllsortieranlage auf und die Stadt war zuständig für den Transport des Mülls nach Puchheim. Dazu wurden die Harritschwagen samt Inhalt mit der Bahn zur Sortieranlage gebracht. Dieses System bestand nahezu unverändert bis zum Ende des 2. Weltkriegs.

Am 15. Januar 1898 wurde Einsatz von standardisierten Sammelbehälter (viereckige 110 Liter Blechtonnen) beschlossen. Diese waren bis 1983 im Einsatz.

1945-1999, Zeit der Spezialsammelfahrzeuge und Kamine

Nach dem 2. Weltkrieg, am 29. April 1947 beschloss der Stadtrat die Motorisierung der städtischen Müllabfuhr. Ein Jahr später wurden 30 Spezialsammelfahrzeuge angeschafft. Damit wurden sukzessive die Harritschwagen abgeschafft.

Der wirtschaftliche Aufschwung nach der Währungsreform 1948 ließ die Müllmenge im Jahr 1949 um 30 Prozent ansteigen. In den Nachkriegsjahren bis 1954 wurde der Müll in Gruben im Stadtgebiet und am Stadtrand entsorgt.

1954 nahm in Großlappen eine Anlage zur Müllverwertung mit einer Jahreskapazität von 500.000 Kubikmeter ihren Betrieb auf. Mit Magneten wurde dem Müll das Eisen entnommen. Andere verwertbare Materialien wie Buntmetalle, Papier, Textilien, Bettfedern, Glas oder Schweinefutter wurden von Hand aussortiert. Der nichtverwertbare Rest kam auf eine Deponie.

Im Jahr 1961 wurden die ersten vier Sperrmüll-Sammelstellen eingerichtet.

Da die Müllmenge immer weiter anstieg und die Kapazität der Müllverwertungsanlage in Großlappen nicht mehr ausreichte, beschloss der Stadtrat die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage. Am 16. Juni 1964 wurde die erste Müllverbrennungsanlage, das Kraftwerk München Nord, in Betrieb genommen.

Durch einen Brand am 7. Mai 1965 wurde die Sortieranlage in Großlappen zerstört. Eine Mülltrennung (wie sie später wieder modern wurde) existierte seitdem nicht mehr. Ab jetzt wurden zwei Drittel des Mülls im Kraftwerk Nord verbrannt, der Rest kam auf die Deponie in Großlappen.

Dem Trend der Zeit folgend wurden die Verbrennungskapazitäten immer weiter ausgebaut. 1966 ging der zweite Verbrennungsblock im Heizkraftwerk Nord in Betrieb. 1969 wird die Müllverbrennungsanlage im Heizkraftwerk Süd eröffnet. 1971 wird der zweite Verbrennungsblock im Heizkraftwerk Süd in Betrieb genommen. Die vorhandenen Kapazitäten reichen für sowohl für die Verbrennung des gesamten Münchner Mülls als auch für den Müll der Landkreisgemeinden aus. Die Heizkraftwerke erzeugen außer Strom und Fernwärme allerdings auch giftige Abgase, weshalb die Müllverbrennung durchaus umstritten ist.

1975 wurde ein erstes Abfallkonzept erstellt, in dem die Müllverbrennung im Mittelpunkt steht. Die Fortschreibung des Abfallkonzeptes im Jahr 1982 setzt den Schwerpunkt zwar immer noch auf die Verbrennung, aber das Konzept enthält, im Zuge der beginnenden Unweltdiskussion, bereits den Auftrag, die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase zu entgiften und für die Wiederverwertung von Rohstoffen zu sorgen.

Mit dem Abfallkonzept von 1988 wurden neue Prioritäten gesetzt. Die Verwertung der Abfälle steht ab jetzt im Vordergrund und auch über Abfallvermeidung wird nachgedacht. Jedoch muss aufgrund knapper Deponieflächen das Volumen des Mülls weiterhin durch Verbrennung reduziert werden. Die größten Potentiale für Wiederverwertung werden im Biomüll (40 Prozent des Restmülls) und im Papier (20 Prozent des Restmülls) gesehen. Da erfahrungsgemäß mit Holsystemen die größten Mengen abgeschöpft werden können, wird die Einführung von Papier- und Biotonne propagiert.

Um eine effektivere Umsetzung der Ziele des Abfallkonzeptes zu erreichen wurden 1989 im neu geschaffenen Amt für Abfallwirtschaft verschiedenen Stellen der Müllbeseitigung zusammengefasst.

Mit 1,1 Millionen Tonnen hat sich 1990 die Menge des zu verbrennenden Mülls seit 1970 praktisch verdoppelt.

1992 wurden im Stadtteil Berg am Laim im Rahmen eines Modellversuchs die ersten Bio- und Papiertonnen aufgestellt. Nach und nach werden im gesamten Stadtgebiet diese Tonnen eingeführt.

Im März 1993 schließt die Stadt einen Vertrag mit der DSD (Duales System Deutschland) GmbH, der das Aufstellen eines Wertstoffcontainersystems zum Inhalt hat (im Gegensatz zum sonst üblichen gelben Sack).

Bis 1995 konnte die auf der Deponie abgelagerte und in der Müllverbrennung angelieferte Müllmenge wieder auf unter 600.000 Tonnen gesenkt werden.

1997 wird die Müllverbrennungsanlage im Heizkraftwerk Süd wird aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet und der komplette Restmüll ausschließlich im Heizkraftwerk Nord verbrannt.

Im Januar 1999 verabschiedet der Stadtrat das neue Abfallwirtschaftskonzept.

Im Juli 1999 ist die flächendeckende Einführung des 3-Tonnen-System abgeschlossen. Im Oktober desselben Jahres bezieht das Amt für Abfallwirtschaft seine neue Zentrale am Georg-Brauchle-Ring.

Nach 2000

2001 wird der bisherige Regiebetrieb in einen Eigenbetrieb umgewandelt.

Im Januar 2002 wird das bisherige Amt für Abfallwirtschaft in Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) umbenannt.

Aufgaben

Die Aufgaben des Betriebs ergeben sich aus unter anderem aus der Allgemeinem Abfallsatzung der Landeshauptstadt München, der Hausmüllentsorgungssatzung der Landeshauptstadt München, der Bayerischen Gemeindeordnung und dem Abfallkonzept der Stadt München.

  • Einsammeln, Entsorgen und Verwerten von Restmüll, Papierabfall und Bioabfall
  • Verwertung und Vermarktung von Wertstoffen
  • Betrieb und Unterhalt von 200 Müllfahrzeugen, drei Betriebshöfen und Werkstätten
  • Betrieb von 12 Wertstoffhöfen
  • Betrieb und Renaturierung der Deponie Nord-West im Entsorgungspark Freimann
  • AWM-Infocenter als zentrale Beratungsstelle für Haushalte und Gewerbebetriebe
  • Ausarbeitung von Satzungen zur Gestaltung des Abfallrechts und Satzungsvollzug
  • Umsetzung des Abfallkonzeptes der Stadt München
  • Erarbeitung und Umsetzung von Abfallvermeidungsstrategien
  • Gebührenabrechnung und Erstellung von Müllgebührenbescheiden
  • Planung aller abfallwirtschaftlichen Anlagen unter Berücksichtigung der neuesten technologischen Entwicklung in der Abfallwirtschaft

Mülltrennung in München

Generell wird zunächst unterschieden zwischen Müll aus privaten Haushalten und Gewerbemüll.

Hausmüll

Verpackungsmüll (Kunststoff, Glas, Metall) wird in München vom Dualen System Deutschland entsorgt. Dies geschieht allerdings nicht durch den gelben Sack, sondern auf im gesamten Stadtgebiet verteilten Wertstoffinseln.

Der restliche Müll wird auf in allen Münchner Haushalten vorhande Bio-, Papier- und Restmülltonnen verteilt. Diese Tonnen werden alle ein bis zwei Wochen durch den AWM abgeholt und deren Inhalt entsprechend verwertet. Für privaten Hausmüll besteht ein Anschluss- und Benutzungszwang, d.h. private Haushalte müssen Müll über den städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb entsorgen.

Seit 2019 kann Bioabfall auch im Bio-Eimer gesammelt werden.

Sperrmüll bis zu einer Menge von 2 m³ kann kostenlos an einem der städtischen Wertstoffhöfe abgegeben werden. Gegen eine Gebühr wird der Sperrmüll auch vom AWM abgeholt. Größere Mengen werden kostenpflichtig bei den Wertstoffhöfen plus Freimann und Langwied oder von privaten Entsorgungsfirmen angenommen.

Problemabfälle (Farben, Lacke, Batterien usw.) können in haushaltsüblichen Mengen (bis 25 kg) beim städtischen „Giftmobil“ oder bei bestimmten Wertstoffhöfen abgegeben werden.

Gewerbemüll

So genannter Restmüll, der bei einem Gewerbebetrieb anfällt, „gehört“ dem AWM und muss über diesen entsorgt werden. Alle anderen Abfälle (z. B. Bio-Müll, Wertstoffe, etc.) unterliegen nicht dem Anschluss- und Benutzungszwang und können von den Betrieben nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entsorgt werden. Hier können auch andere Entsorgungsfirmen zum Zug kommen. In diesem Bereich steht der AWM in einem ganz normalen Wettbewerb zu anderen Firmen.

Tonnensystem

In München gibt es das sogenannte 3-Tonnen-System. Die Tonnen sind farblich getrennt nach dem jeweiligen Inhalt:

  • Grau: Restmüll,
  • Blau: Altpapier und Kartons und
  • Braun: Bioabfälle.

Diese Farbgebung ist in Deutschland nicht einheitlich und kann von Kommune zu Kommune abweichen. Alle Tonnen sind aus Kunststoff und in verschiedenen Größen (80 l, 120 l, 240 l, 770 l, 1100 l) verfügbar. Die Tonnen sind Eigentum des AWM und müssen dort bestellt, abbestellt oder getauscht werden.

Die Metalltonne wurde abgeschafft, da sie aufgrund ihres Gewichts für die Mülllader wesentlich schwerer zu bewegen war. Ausserdem entsprechen ihre Maße nicht der DIN-Norm für Müllbehälter, so dass alle Müllfahrzeuge extra für diese Tonnengröße hätten umgebaut werden müssen.

Wohin mit …… ?

Gebührenstruktur

Die Gebühren für die Restmülltonnenleerung richten sich nach der Größe der Tonnen und dem Leerungsrhythmus (ein- oder zweiwöchentlich). Beide sind vom Hausbesitzer bzw. -verwalter im Rahmen der Vorgaben frei wählbar. Die Gebühren werden jährlich abgerechnet und bewegen sich zwischen 123,24 € (80-Liter-Tonne, Leerung alle 2 Wochen) und 1.800,24 € (1100-Liter-Tonne, Leerung wöchentlich). Die Gebühren sind in Hausmüllentsorgungsgebührensatzung festgelegt und können nur durch Beschluss des Münchner Stadtrats geändert werden. Die genauen Preise lassen sich der Publikation "Das Münchner 3-Tonnen-System" entnehmen, die es im WWW und in der Stadtinfo kostenlos gibt.

Die Tonnen für Papier- und Biomüll und die Abgabe von Sperrmüll in haushaltsüblichen Mengen an den Wertstoffhöfen sind kostenfrei.

Für Sonderleistungen (Sperrmüllabholung, Containerdienst, Häckseldienst, usw) werden gesonderte Gebühren erhoben.

Organisation

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München ist ein Eigenbetrieb der Stadt München und gehört organisatorisch zum Kommunalreferat. Erste Werkleiterin (und damit zuständig für die wirtschaftspolitische Richtung) ist die Kommunalreferentin Gebriele Friderich. Zweiter Werkleiter (und damit zuständig für das operative Geschäft) ist Helmut Schmidt.

In allen wichtigen abfallwirtschaftlichen Fragen entscheidet der Kommunalausschuss (als zuständiger Werkausschuss) bzw. die Vollversammlung des Münchner Stadtrates. Die Beschlüsse des Münchner Stadtrats sind für den Abfallwirtschaftsbetrieb München bindend.

Standorte

Zentrale

Die Zentrale am Georg-Brauchle-Ring, gegenüber vom Hochhaus Uptown München, beinhaltet das Verwaltungsbäude, die Werkstatt und die Betriebshöfe West und Nord.

Betriebshöfe

In den vier Betriebshöfen (verteilt über das Stadtgebiet) werden die Müllfahrzeuge geparkt. Man hat sich für dieses dezentrale System entschieden, da es bei einem gleichzeitigem Ausrücken aller 200 Müllfahrzeuge von einem Standort zu Staus kommen würde.

Entsorgungspark Freimann

Anlieferung für Gewerbetreibende und Private mit größeren Mengen und Deponie Nord-West (nur noch geringe Mengen, da der meiste Müll vorher getrennt bzw. verbrannt wird)

Wertstoffhöfe

Abgabe von Sperrmüll u. ä. für Private in geringen Mengen Adressen siehe: Wertstoffhöfe

Halle 2

Die Halle 2 ist ein Gebrauchtwarenkaufhaus in Giesing, in dem gut erhaltene Artikel von den Wertstoffhöfen verkauft werden. Das Kaufhaus dient der Müllreduzierung und ermöglichte es finzanziell schwächer gestellten Bürgern, sich günstig diverse Artikel (Möbel, Bücher, Spielzeug, Geschirr, usw.) zu kaufen. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten wurde der Betrieb 2014 vorübergehend eingestellt.

Heizkraftwerk Nord

Das Heizkraftwerk Nord in Unterföhring wird von den Stadtwerken München betrieben, die Blöcke 1 und 3 werden als Müllverbennungsanlage genutzt.

In Zukunft wird dort deutlich weniger Steinkohle verbrennen. Mit diesem Beschluss will der Wirtschaftsausschuss dem Bürgerentscheid "Raus aus der Steinkohle" so nahe kommen, wie es ihm vertretbar erscheint. Wann die Kohleverbrennung beendet wird, bleibt damit offen.

Abfallvermeidung

Abfallvermeidung ist ein zentrales Thema für den AWM und steht auch an oberster Stelle des städtischen Abfallwirtschaftskonzepts. Dazu bietet der AWM verschiedene Angebote für die Münchner Bürgerinnen und Bürger an:

Der AWM in Zahlen (für 2012)

  • 1.548 Beschäftigte • 26 Nationalitäten
  • 349 Müllfahrzeuge
  • Umsatz: ca. 460 Mio. Euro
  • 420.000 Bio-, Papier- und Restmülltonnen sind im Stadtgebiet zu leeren
  • 55 Prozent des Mülls werden stofflich verwertet, 45 Prozent werden verbrannt

Sonstiges

  • Der Abfallwirtschaftsbetrieb ist ein vom TÜV Süd zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb
  • Ehrenamtliche Abfallberater unterstützen den Abfallwirtschaftsbetrieb bei seinen Aufgaben. Die Berater engagieren sich in Bereichen wie Kompostierung, Wertstoffhöfe, Kinder und Jugendliche oder betreuen Infostände zum Thema Abfall.
  • Ramadama ist in München eine Aktion zum Einsammeln von Abfällen in Wäldern, Wiesen und Flussauen. Diese wird in verschiedenen Stadtteilen einmal jährlich von den Stadtteilbürgern durchgeführt. Den Ausspruch „rama dama“ prägte der damalige Oberbürgermeister Thomas „Dammerl“ Wimmer. Diese Aufforderung in bairischer Mundart bedeutet auf Hochdeutsch etwa „räumen tun wir“. OB Wimmer forderte damit die Bevölkerung auf, die Trümmer der zusammengestürzten Ruinen wegzuräumen. Noch heute werden gemeinschaftliche Aufräumaktionen in Bayern und Österreich als „Rama dama“ bezeichnet

Weblinks

Zeitungsberichte
  • Heiner Effern und Bernhard Hiergeist: München wird deutlich weniger Steinkohle verbrennen. In der SZ vom 19. November 2019
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