Wilhelm Hoegner

Aus München Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dr. Wilhelm Hoegner (* 23. September 1887 in München, † 4. März 1980 ebenda), war Richter, Landtagsabgeordneter, Ministerpräsident (1945–1946, ernannt; 1954–1957, gewählt) und Justizminister in Bayern. Er wurde 1957 Ehrenbürger der Stadt München. Ihm zu Ehren benannt ist die Wilhelm-Hoegner-Straße in Neuperlach.

Biografisches

Die Münchner Stadtchronik hat zu ihm am 8. August 1933 notiert:

„Der vormalige sozialdemokratische Abgeordnete Landgerichtsrat Dr. Wilhelm Hoegner ist nach dem Sieg der nationalen Revolution ins Ausland geflüchtet und hält sich nun in Innsbruck auf. Von dort aus machte er den Versuch, die Einrichtung seiner Münchner Wohnung an der Tengstraße zu verschieben. [...] Die Bayerische Politische Polizei kam jedoch noch rechtzeitig hinter diese Schiebung und beschlagnahmte die schon abfuhrbereite Wohnungseinrichtung.“

Der Jurist Wilhelm Hoegner war 1920 Mitglied der SPD geworden. Seitdem er Mitberichterstatter im Untersuchungsausschuss über den Hitler-Putsch 1923 gewesen war, war er zu einem der engagiertesten Gegner der Nationalsozialisten geworden. 1924–1930 war er Landtagsabgeordneter, danach Reichstagsabgeordneter.

Nach der so genannten „Machtergreifung“ 1933 wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und floh zunächst nach Österreich, später in die Schweiz.

Nach seiner Rückkehr 1945 wurde er Senatspräsident des Oberlandesgerichts München, 1945/46 bayerischer Ministerpräsident und Justizminister. Er gilt als „Vater“ der 1946 geschaffenen bayerischen Verfassung.

Hoegner schilderte später seine Ernennung durch die Militärregierung so:

„Am Nachmittag des 28. Septembers 1945, ich war eben von einer Dienstreise aus Nordbayern nach München zurückgekehrt, übermittelte mir Ministerpräsident Fritz Schäffer telefonisch die Anordnung der amerikanischen Besatzungsmacht, sich um 8 Uhr abends bei der Militärregierung in der Holbeinstraße einzufinden. Er, Schäffer, werde auch anwesend sein. „Was los sei, wisse er nicht.“ Dort angekommen, habe Oberst Dalferes ein Schreiben genommen und gelesen: „Sie, Herr Fritz Schäffer, Ministerpräsident von Bayern, sind hiermit abgesetzt. Hier ist Ihr Brief.“ Mit ebenso knappen Worten wurden Landwirtschaftsminister Ernst Rattenhuber und Wirtschaftsminister Karl Arthur Lange entlassen. Dann hieß es: „Sie, Dr. Wilhelm Hoegner, werden hiermit zum Ministerpräsidenten von Bayern ernannt. Hier ist ihr Brief. Haben die Herren noch etwas zu sagen?“

Mitglieder in seiner Regierung

  • Innenminister Josef Seifried
  • Arbeitsminister Albert Roßhaupter
  • Sonderminister Heinrich Schmitt
  • Staatskanzleichef Anton Pfeiffer

Nachfolger

Zu seinen Nachfolgern wurden Hanns Seidel (1957–1960) und Hans Ehard (1960–1962); dieser war das auch unmittelbar nach seiner ersten Amtsperiode 1946–1954).

Literatur

  • Wilhelm Hoegner: Der schwierige Außenseiter. Erinnerungen eines Abgeordneten, Emigranten und Ministerpräsidenten. München, 1959 (2. Auflage Hof/Saale, 1975. Autobiographie)
  • Wilhelm Hoegner: Flucht vor Hitler. Erinnerungen an die Kapitulation der ersten deutschen Republik 1933. Mit einem Nachwort von Wolfgang Jean Stock, München 1977,78 - 2. Aufl. (online bei fes)
  • Peter Kritzer: Wilhelm Hoegner. Politische Biographie eines bayerischen Sozialdemokraten. Süddeutscher Verlag, München, 1979.
  • Hildegard Kronawitter: Wilhelm Hoegner. In: Einsichten und Perspektiven. Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte. Nr. 2, 2005, S. 34–57.
  • Hermann Rumschöttel: Wilhelm Hoegner. In: Katharina Weigand (Hrsg.): Große Gestalten der bayerischen Geschichte. Herbert Utz Verlag, München, 2011

Weblinks

Wikipedia.png
Das Thema "Wilhelm Hoegner" ist auf Grund der überregionalen Bedeutung des Themas auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten — dort:
erreichbar über diesen Link: Wilhelm Hoegner.