Palais Lerchenfeld

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Hinweisschild für Gebäude Nr.8 (gestaltet im Jahre 1957/1958 von Ernst Göhlert)

Das Palais Lerchenfeld in der Damenstiftstraße in Münchens Altstadt war ein Adelspalais, das bis 1762 von Ignaz Anton Gunetzrhainer erbaut wurde. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es 1958 restauriert. Dabei blieb die Rokoko-Fassade erhalten, der Kern des Gebäudes wurde neu gebaut. Es weist eine breitgelagerte Front mit sieben Achsen und dreiachsigem Mittelrisalit auf.

Heute ist in dem Gebäude der Sitz der Städtischen Bestattung mit

Beschreibung

Um das Jahr 1806 wird das Gebäude unter der St.-Anna-Straße geführt, ab dem Jahre 1833 unter der Adresse Damenstiftstraße 13. Derzeit kann man die Hausnummer 8 an der Fassade ablesen.

Trautmann ordnet den Bau nach seinen Untersuchungen der Architektenschule um Joseph Effner zu. Das Gebäude hat 4 Stockwerke mit je 7 Fenstern pro Etage. Davon stehen die mittleren drei, vom Portal bis unter die Dachrinne leicht hervor (Risalit).

Erdgeschoss

Haupttor heute
früher (um 1891)

Das Erdgeschoss weist links und rechts der Toreinfahrt keine Dekoration an den Fenstern auf. Das Portal mit seinem Holztor zeigt oberhalb ein wunderschönes Madonnenrelief im Stuck der Kartusche. Über den Fenstern sind kleine Stuckfelder mit Lorbeer- und Palmzweigen ausgeführt.

In den Jahren nach 1887 hat man dem Erdgeschoss noch zwei weitere Eingänge spendiert. Jeweils die zwei Fensteröffnungen links und rechts wurden in eine Eingangstüre mit dreistufigem Treppenaufgang umgebaut. Somit war es möglich, die bereits seit vielen Jahren ansässigen Läden getrennt vom Haupttor, das in einen Hinterhof führte, zu erreichen. Diese beiden Eingänge wurden in der ab 1956 bis 1958 dauernden Rekonstruktion des Gebäudes wieder geschlossen und nach alten Vorlagen die Fenster wieder eingebaut. Unterhalb der vier größeren Fenster sind kleine Fensterbögen zum Hochkeller angelegt. Alle Fenster des Erdgeschosses wurden prunkvoll vergittert.

Obergeschosse

Besonders stechen die drei Fenster des Mittelstücks im zweiten Stockwerk hervor, diese tragen kleine Fratzen, Bandwerk, Gitter und Rautenmotive.

Eine weitere Besonderheit wurde an den Fenstern im 2. und 3. Stock angebaut: Durch aus Stahl gefertige Ecken zur Versteifung der Fensteraußenrahmen und Anbringung von jeweils zwei Scharnieren an der Außenseite wurde es möglich, die Fenster auch nach außen zu öffnen. Die Änderung muss nach 1890 durchgeführt worden sein, der genaue Sinn und Zweck bleibt ungeklärt, könnte aber auch in der verlorenen Innenausstattung zu finden sein.

Dach

Das Dach war hinunter bis zu den Gauben mit Ziegeln eingedeckt und ab den Gauben-Fensteröffnungen ein leicht abgeflachtes Blechdach aufgesetzt, das noch etwa einen Meter bis zur Dachrinne reichte. Dachrinnenabläufe befinden sich jeweils links und rechts. Am Dachfirst in der Mitte des Gebäudes stand ein großer, flacher Kamin und jeweils ein Kamin am Übergang des Gebäudedaches auf die Nebengebäude. Außerdem gab es noch drei weitere Gauben. Diese Dachfenster hat man in der Rekonstruktion des Hauses nicht mehr aufgestellt. Einzig die Gaube mit Lasthaken in der Mitte des Gebäudes wurde rekonstruiert.

Nutzungen

In diesem Anwesen gab es in den über 280 Jahren seines Bestehens u.a. ab dem Jahre 1800 eine Seifensiederei, Milchladen, Schlosserei, Metzgerei, Malergeschäft, eine Konditorei und auch einen Friseurladen.

Im Jahre 2005 wurde das Gebäude nach einer längeren Restaurierung mit dem Fassaden-Ehrenpreis ausgezeichnet.

Friedhofverwaltung

Die Friedhofverwaltung vollzieht und überwacht die Bestimmungen des Bayerischen Bestattungsgesetzes, die darauf basierende Bestattungsverordnung sowie die Friedhofssatzung, die Friedhofsgebührensatzung und die Leichenordnung.

Ebenfalls hier untergebracht ist der Städtische Bestattungsdienst, ein gewerbliches kommunales Bestattungsunternehmen. Es übt eine erheblich preisdämpfende Wirkung auf den Münchner Bestattungsmarkt aus. Dieses kommunale Angebot möchte in diesen schwierigen Stunden der Betroffenheit allen Bürgerinnen und Bürgern Münchens ein hilfreicher und verständnisvoller Begleiter sein.

Quellen

  • Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Verband: München und seine Bauten. Bruckmann, 1912, Reprint 1978, Neuauflage 2012. (S.162/163)
  • Bildindex der Uni Marburg. (Fotoansicht vor 1880)
  • Karl Erdmannsdorfer: Das Bürgerhaus in München. Wasmuth, Tübingen, 1972. (Ansichten, T34 & T55, Plan)
  • Helmuth Stahleder: Haus- und Straßennamen der Münchner Altstadt. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch, 2009.
  • Otto Aufleger, Karl Trautmann: Münchner Architektur des XVIII. Jahrhunderts. L. Werner, München, 1897. (Tafel Fassade, Portal)
  • Bezold, Schmid, Hager, Mayer, Stegemann: Kunstdenkmale Oberbayern - München. München, 1898. (S.1188)
  • Richard Bauer: Ansichten und Einsichten - Hans Grässels Fotosammlung. Hugendubel, München, 1994. (Abb. S.56/57)
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Erreichbar über diesen Link: Palais Lerchenfeld (München).