Alter Simpl

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Der Alte Simpl ist eine legendäre Kneipe in der Türkenstraße 57 im Univiertel. Berühmt geworden ist er in der Zeit, in der die Maxvorstadt noch ein Zentrum des europäischen Künstlerlebens darstellte. Ein Begriff dürfte historisch bewanderten Zeitgenossen auch noch die Satirezeitschrift Simplicissimus sein.

Geschichte

1903 übernahm Kathi Kobus die Räume des Kaffeehauses Kronprinz Rudolf in der Münchner Türkenstraße. Mit ihr zogen auch ihre Stammgäste Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Thomas Theodor Heine, Olaf Gulbransson und andere Autoren im Dunstkreis der Zeitschrift Simplicissimus aus der Dichtelei in der Adalbertstraße in das neue Lokal um.

Neben dem Café Stefanie, Amalienstraße, wird auch der Simpl als Künstlerkneipe schnell bekannt. Kobus arbeitet bis zu ihrem vorläufigen Ruhestand 1912 selbst aktiv daran, ihr Lokal diesbezüglich zu etablieren, indem sie beispielsweise Karl Valentin, Joachim Ringelnatz und Theo Prosel auf ihre Bühne holt und teilweise auch als Hausdichter vertraglich bindet. Die Zeit zwischen 1903 und 1912 ist die erste Hochzeit des Simpl. Aber auch danach sorgen neue Vortragskünstler, wie ab 1913 zum Beispiel die Diseuse Marietta di Monaco oder ab 1919 der schwierige Chansonnier Walter Hillbring, der zum Leidwesen Kathi Kobus' (die wegen finanzieller Schwierigkeiten den Laden wieder übernommen hatte) die Bühne wieder verließ, wenn das Publikum ihm nicht beliebte, für neue Impulse, wie auch für die Dichter der Schwabinger Bohème der Simpl ein zentraler Anlaufpunkt blieb, wenn es darum ging dem literarisch interessierten Publikum neue Texte vorzustellen. In diesem Zusammenhang soll im Simpl bei einer Rezitation Mariettas 1914 und damit zum ersten Mal in der Literaturgeschichte der in einem von Klabund und Hugo Ball gemeinsam verfassten Gedicht auftauchende Begriff "Dada", der sich später in der Bezeichnung für die neu entwickelte Kunstform des DadaismusW wiederfand, öffentlich gefallen sein.

Eine zweite Blüte erlebt das Lokal zwischen 1935 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges nach dem Kauf durch den Kabarettisten Adolf Gondrell. Auch Theo Prosel taucht wieder auf, diesmal als Pächter. Unter anderem treten jetzt jüngere Künstler wie Fred Endrikat auf. Der letzte Hausdichter des alten "Simpl" ist Dr. Ernst Klotz (bis 1944). Viele Figuren aus der Ära alter Simpl gehören später zu den ersten Trägern des ab den 1960er Jahren verliehenen Schwabinger Kunstpreises.

In den alten Räumlichkeiten, die Einrichtung wurde im 2. Weltkrieg zerstört, wird später ein Lokal namens Neuer Simpl eröffnet. In den 1980er Jahren gastiert hier unter anderem der Tukan-Kreis. Heute findet sich unter dieser Adresse der Alte Simpl, der im Universitätsviertel als Lokal nach wie vor beliebt ist. Das Bulldoggenlogo verweist immer noch auf die Anfänge des Lokals und die Zeitschrift Simplicissimus, allerdings spielt der Alte Simpl für die Münchner Künstlerszene heute keine Rolle mehr.

Adresse

Adr.png

Alter Simpl
Türkenstraße 57
D-80799 München
☎ : 089 / 27 23 083
@ : info@altersimpl.com

Öffnungszeiten

Täglich: 10 – 1 Uhr

Weblinks

Www.png www.eggerlokale.de/restaurant-alter-simpl-muenchen.html, offizielle Website


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