Unionsbräu

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Das Unionsbräu ist eine Gaststätte in der Einsteinstraße im Stadtteil Haidhausen und hatte bis 2012 eine eigene Hausbrauerei. Früher saß hier eine der größten Münchner Brauereien.

Der Baustil Neorenaissance des Gebäudes entspringt einer Richtung des Historismus im 19. Jahrhundert.

Geschichte

Bereits vor 1847 ist am Standort Äußere-Wiener-Straße 42 bis 44 (vormals 92) die Brauerei zur Schwaige bekannt. Ein erstes Brauhaus im Sinne einer Bierbrauerei entsteht auch zu dieser Zeit, hierzu wird im Jahr 1847 ein kleines Gebäude errichtet. Diese Brauerei wird in Schritten in den Jahren 1851, 1865 und 1870 erweitert, und unter der Bezeichnung Fügerbräu von Balthasar Füger im Jahr 1865 erworben, geführt. Im Jahr 1870 wird auch ein erstes Lagerhaus in Form eines Sommerbierkellers erbaut. Bis ins Jahr 1875 entstehen weitere Anbauten auf dem Grundstück. Zum einen ein Saalbau, im hinteren Teil des Grundstücks, nach einem Entwurf und Planung durch den Brauereibauingenieur Johann Heinrich Dietz. Ein Kellerhaus und eine eigene Faßhalle. In den Jahren 1881 bis 1884 wird kräftig erweitert. Auf dem Grundstück entsteht ein Lagerbierkeller, ein eigenes Malzhaus ein Sudhaus, erweiterung des Gärkellers und Bau eines Musik-Tanz-Pavillons. Im Jahr 1890 und 91 wird weiter modernisiert und erweitert. Ein eigenes Magazinhaus, Stallungen und gößere Überdachungen entstehen auf dem Areal. Erst im Jahr 1895 wird aus der Schwaig-Brauerie die namentlich bekanntere Unionsbrauerei als Unternehmen, die im Jahr 1885 zur Versteigerung gelangte Schwaigbrauerei konnte von den Brüdern Joseph und julis Schülein zusammen mit Josef Aischberg erworben werden. 1896 bis 1899 entstehen die teilweise noch heute bestehenden Bauten. Das große Wirtshausgebäude unmittelbar an der Straße gelegen, mit der Fassade in Deutscher Renaissance gehalten, entsteht erst nach einer finanziellen Aufwertung durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, nach Entwurf durch den Bauamtmann Robert Rehlen. Bauzeitlich besaß das Erdgeschoß eine Gaststube mit über 218qm, die Raumhöhe betrug 4,35 Meter. Desweiteren wird eine eigene Malzdörre, Flaschenabfüllerei, ein weiterer Lagerkeller, eine Pichhalle, und eine Sommerhalle gebaut. Damit nicht genug. Ab 1900 bis 1902 wird das Sudhaus neu errichtet und die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Der Lagerkeller wird abgetragen und ein neuer erstellt. Ein neues, größeres Mälzereigebäude, anstelle des 1884 vollendeten Baus, aufgestellt. Das Unternehmen erhält ein eigenes Maschinenhaus, eine Banzenwichse (Bierfaß-Reinigungs-Anlage), ein Kesselhaus, eine modernere Flaschenfüllerei. Zum Abschluß wird im Jahr 1913 nochmals eine neue Faßhalle gebaut.

Die Brauerei wurde 1903 von Kommerzienrat Joseph Schülein in eine Aktiengesellschaft „Unionsbrauerei Schülein & Cie.“ umgewandelt. 1905 wurde die Münchner Kindl Brauerei übernommen und 1921/22 erfolgte eine Fusion mit der Münchner Aktienbrauerei zum Löwenbräu (Löwenbräu AG). Zehn Jahre vor der Fusion mit der Löwenbräu-Brauerei können für die Unionsbrauerei folgende Absatzzahlen eingesehen werden. Jahr 1911. Das Aktienkapital umfasste 6.7000 000 Mark. Die Dividente für das Jahr betrug 469 000 M bei 7%. Absatz an Bier in Hektoliter 325 000. Der Anlagewert betrug nur 9840207 M. davon war der Wert für Wirtschaften und Anwesen bei 3529283 Mark.

Die Unionsbrauerei entwickelte sich schnell zu einer der größten Brauereien Münchens. Weil Schülein Jude war, wurde sein Bier in bestimmten Kreisen als "Judenbier" diffamiert.

Unterhaltung im Haus im Jahr 1985. Foto: Schillinger

Bereits vor 1951 wird die Gaststätte wieder eröffnet. Im laufe der Jahre wurde sie mehrfach umbenannt und unterschiedlich genutzt: zunächst in „Danny’s Pan“, dann wird es ein griechisches Restaurant, das Parnass im Unionsbräu, schon 1984 mit Computerkasse. Seit 1990 heißt die Gastwirtschaft wieder „Unionsbräu“, im kleinen Braukeller wurde bis 2012 für die Gaststätte gebraut. Im November 2012 war die Gaststätte geschlossen. Der langjährige Wirt Ludwig Hagn (auch der Wirt des Löwenbräu-Festzelts auf dem Oktoberfest) entschied sich wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit dafür.

Am 1. Dezember 2015 wurde die Gaststätte „Unionsbräu“ ohne Weiterführung des Brauerei-Betriebes wiedereröffnet. Der neue Wirt bietet im Erdgeschoss bayerische und internationale Küche an. Im ersten Stock und den beiden Kellergeschossen verfolgt er ein gemischtes Nutzungskonzept, unter anderem mit Feiern und Partys.

Adresse

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Unionsbräu
Einsteinstraße 42
D-81675 München
☎ : 089 / 41 10 98 49

Öffnungszeiten
Di – Sa: 17 – 24 Uhr
So und Feiertage: 11 – 23 Uhr

Gedenktafeln

Am 9. November 2018 wurde an der Fassade des Unionsbräu an der Einsteinstraße 42 und im Innenhof je eine Gedenktafel in Gedenken an die jüdische Brauerfamilie Schülein enthüllt. Die Tafeln hat der Münchner Bildhauer Toni Preis gestaltet. Der Text auf den Erinnerungstafeln lautet:

„1885 erwirbt Josef Schülein das Anwesen Einsteinstraße (damals Äußere Wiener Straße) 38 - 44 und gründete die „Unionsbrauerei Schülein & Co.“. Am 5. Januar 1921 fusioniert die Brauerei mit der Löwenbräu AG. Dr. Hermann Schülein, der Sohn der Firmengründers, wird Vorstandsvorsitzender. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 werden die Schüleins auf Grund ihrer jüdischen Herkunft aus all ihren Funktionen gedrängt. Dr. Hermann Schülein verlässt im Frühjahr 1936 Deutschland und emigriert mit seiner Familie in die USA. Joseph Schülein stirbt am 9. September 1938 auf Gut Kaltenberg. 1943/44 wird fast das gesamte Areal der Unionsbrauerei durch Bomben zerstört. Auch in den USA als Brauereiunternehmer erfolgreich, unterstützt Dr. Hermann Schülein den Wiederaufbau Münchens. Er stirbt am 14. Dezember 1970.“

Literatur

  • Wolfgang Behringer: Löwenbräu. Von den Anfängen des Münchner Brauwesens bis zur Gegenwart. München, Süddeutscher Verlag, 1991. ISBN 3-7991-6471-5
  • Uli Walter: Bierpaläste - Zur Geschichte eines Bautypes. Dis, Universität München, 1992.
  • Megele: Baugeschichtlicher Atlas der Landeshauptstadt München. München 1958.
  • H. Wilhelm: Haidhausen -Münchner Vorstadt im Lauf der Zeit. Buchendorfer, München 1991/2004.
  • Carl Fritz: München als Industriestadt. Puttkammer u. Mühlbrecht, Berlin 1913.
  • E. Heckhorn, H. Wiehr: München und sein Bier. Hugendubel, München 1989.
  • Das Münchner Stadt-Zeitungs-Buch München 1983/1984.
  • Münchner Stadtadreßbuch 1951. Ruf, München 1951.
  • Nicht gelistet in: Zu Gast im alten München. Hugendubel, München.

Weblinks

Www.png www.unionsbraeu-muenchen.de, offizielle Website

Wikipedia.png
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