Räterepublik

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Räterregierung
7. April 1919 – 1. Mai 1919
Volksbeauftragte (Minister)
Äußeres Dr. Franz Lipp
Finanzen: Silivio Gesell
Volksaufklärung: Gustav Landauer
 ? Erich Mühsam
 ? Ernst Toller
 ? Max Levien
 ? Eugen Leviné-Nissen
 ? Sontheimer
 ? Tobias Axelrod
Stadtkommandant und
Führer der Roten Armee
Rudolf Egelhofer

Der Begriff Münchner Räterepublik, auch Bayrische Räterepublik, bezeichnet ein Phase von politischen Umwälzungen, die vom Ende des Ersten Weltkrieges bis Mai 1919 stattfanden. Man könnte es auch den Übergang von der Monarchie zur Republik nennen. Danach wurde Bayern in die so genannte Weimarer Republik, eine erste republikanische deutsche Demokratie mit Zentrum in Berlin eingegliedert.

In Folge der schlechten Kriegsaussichten und der mangelnden Versorgung mit Lebensmitteln, besonders in den Städten, kam es vermehrt zu Unruhen und es bildeten sich, angeregt durch das Vorbild der russischen Oktoberrevolution 1917, Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. In Bayern versuchte man die Monarchie durch eine Reform zu retten. Regierung und Parlament verabschiedeten am 2. November 1918 ein Abkommen zur Einführung des Verhältniswahlrechts, eine Reform der ersten Kammer des Landtags und der Überprüfung von Standesvorrechten; dieses wurde am 6. November gebilligt. Am 7. November wurde die Regierung umgebildet und erstmals wurden Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten daran beteiligt.

Ebenfalls am 7. November rief jedoch Kurt Eisner auf der ersten Sitzung der Arbeiter- Soldaten- und Bauernräte im Mathäser als deren gemeinsamen Vorsitzenden die Republik in Bayern aus. Am Tag danach bildeten die USPDWLW (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und MSPD (Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands, wie sich die SPD zur Unterscheidung von der USDP ab 1917 bis 1919 nannte) eine Regierung mit Eisner (USDP) als Ministerpräsidenten und Erhard Auer (MSPD) als Innenminister. Am 5. Dezember wurden Landtagswahlen für den 12. Januar 1919 festgelegt.

1919

Januar

Bei der Landtagswahl am 12. Januar erhielt die MSPD 33 Prozent, die USDP 2,5 Prozent.

Der Arbeiterrat beschloss auf Initiative von Gustav Landauer eine Massendemonstration mit 15.000 Menschen für den 16. Februar, an der sich auch Kurt Eisner beteiligte. Am 21. Februar wurde Kurt Eisner auf dem Weg zum Landtag von Anton von Arco-Valley erschossen. Von einem Mitglied des Revolutionären Arbeiterrates wurde kurz darauf Erhard Auer schwer verletzt, und zwei Personen sterben. Die Beerdigung von Kurt Eisner wurde zu einer Demonstration, dem Trauerzug folgten 100.000 Menschen, die Traueransprache hielt Gustav Landauer. Ein Zentralrat der bayerischen Räte unter Führung von Ernst Niekisch (damals noch MSPD, später USPD) konstituierte sich. Dieser tagte am 25. Februar erneut und lehnte am 28. Februar den Antrag von Erich Mühsam der Ausrufung der Räterepublik ab.

März

In Nürnberg einigten sich derweil MSPD, USPD und Bayerischer Bauernbund auf die Bildung einer Koalitionsregierung. Am 18. März billigte der Landtag diese Koalition unter der Führung von Johannes Hoffmann (MSPD).

April

Am 4. April wurden Erich Mühsam und Gustav Landauer vom revolutionären Zentralrat beauftragt, eine Proklamation der Räterepublik abzufassen. Am 6. April wählten die Mitglieder des Zentralrates und des Revolutionären Arbeiterrates die Volksbeauftragten (Minister). Am 7. April wurde die Räterepublik ausgerufen. Die als abgesetzt erklärte Regierung unter Hoffmann zog sich nach Bamberg zurück.

Am 9. April wurden die Professoren der Akademie der Bildenden Künste entlassen, die Künstler sollen die Kontrolle übernehmen. Die bürgerlichen Zeitungen wurden unter Zensur gestellt, um Artikel gegen die Räterepublik zu unterbinden. Nachdem die Redaktion der Neusten Münchner Nachrichten aus Protest zurücktrat, wurde die Zeitung zum Organ des Zentralrates ernannt. Artikel über neue Kunst, Proklamationen und Bekanntmachungen wurden neben Berichten über Russland, die Räterepublik in Ungarn und weiter existierenden Anzeigen der Geschäftsleute abgedruckt.

Der rechte Putsch

Am 13. April kam es zu einem Putsch durch republikanische Soldaten mit Billigung der Regierung in Bamberg, bei dem Mühsam und weitere 12 Mitglieder des Zentralrates verhaftet wurden. Der Putsch wurde durch kommunistische Arbeiter- und Soldatenräte niedergeschlagen. In der Folge wurde der Zentralrat für abgesetzt erklärt und durch den kommunistisch dominierten Vollzugsrat mit Max Levien (*1885; †1938) und Eugen LevinéW an der Spitze ersetzt. Die neue Räteregierung rief einen Generalstreik aus. Landauer und Toller erklärten ihre Bereitschaft zur Mitarbeit.

Die Reichsintervention

Die (abgesetzte) Regierung unter Hoffmann kündigte den Einsatz von Freikorpstruppen gegen die Räterepublik an, und ab 15. April wurde München eingekesselt. Unter der Führung von Toller konnten die Roten Armeen nach anfänglicher erfolgreicher Verteidigung sogar Dachau erobern.

Der Reichswehrminister Gustav NoskeW beschloss am 17. April, Reichstruppen gegen die Räteregierung einzusetzen.

Am 22. April ging der Generalstreik mit Massendemonstrationen zu Ende. Nach einer Zuspitzung zwischen dem Kommunisten Leviné und den Revolutionären um Toller kam es zu einer Ablösung des Aktionsausschusses zu Gunsten eines gewählten provisorischen unter Toller. Toller nahm Verhandlungen mit der Regierung unter Hoffmann auf, um eine allgemeine Amnestie zu erreichen. Am 28. April wurde ein Aktionsausschuss ohne Beteiligung von Kommunisten und Toller gewählt.

Am 30. April 1919 kam es zu heftigen Gefechten in und um München, am 2. Mai war die Stadt schließlich von Reichswehr- und reaktionären Freikorpstruppen besetzt.

Etwa 1.000 Menschen kamen bei den Kämpfen ums Leben, etwa 5.000 wurden in der Folge wegen Beteiligung vor Standgerichte der Besatzungstruppen gestellt.

Gustav Landauer wurde am 1. Mai verhaftet und am folgenden Tage ohne Gerichtsverhandlung ermordet. Eugen Leviné wurde am 3. Juni zum Tode verurteilt und zwei Tage später erschossen. Ernst Toller wurde zu fünf und Erich Mühsam zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt.

Ausstellung, virtuell und nur online

Das Hauptstaatsarchiv zeigt eine virtuelle Ausstellung dazu:

Literatur

(Umfangreiche alphabetische Bücherliste zum Thema auf der Diskussionsseite eingestellt.)
  • Michael Brenner: Der lange Schatten der Revolution: Juden und Antisemiten in Hitlers München 1918 bis 1923. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 400 Seiten. (Artikel des Autors zum Buch in Spon, 18,4.19)
  • Helge Döhring: Damit in Bayern Frühling werde! Die syndikalistische Arbeiterbewegung in Südbayern von 1914 bis 1933. Verlag Edition AV, Lich/Hessen 2007, ISBN 978-3-936049-84-8
  • Rudolf Herz, Dirk Halfbrodt: Revolution und Fotografie.München 1918/19. Nishen u. a., Berlin, 1988, ISBN 3-88940-027-2
  • Peter Jakob Kock, Franz Menges, Manfred Tremel, Wolf Volker Weigand: Geschichte des modernen Bayern. 2. Auflage. Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München, 2000.
  • Ulrich Linse (Hrsg.): Gustav Landauer und die Revolutionszeit 1918–1919. Die politischen Reden, Schriften, Erlasse und Briefe Landauers aus der November-Revolution 1918/1919. Kramer, Berlin, 1974, ISBN 3-87956-026-9
  • Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland, Amsterdam 1933, Querido Verlag, Nachdruck Rowohlt Verlag 1963 (Autobiographie Ernst Tollers)
    (Hörspielbearbeitung im BR-Hörspielpool zum download).
  • Hansjörg Viesel (Hrsg.): Literaten an der Wand. Die Münchner Räterepublik und die Schriftsteller. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, 1980. ISBN 3-7632-2426-2
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Das Thema "Räterepublik" ist auf Grund der überregionalen Bedeutung des Themas auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten — dort:
erreichbar über diesen Link: Münchner Räterepublik.

Zusammenhang?

Im Rahmen der Meinungsfreiheit geben wir hier eine hierzu gestellte Frage (die üblicherweise auf die Diskussionseite gehören wider:

 :Was hat der Artikel im jetzigen Zustand mit München und Umgebung zu tun? --[ ip-Benutzer, ] 01:10, 20. Mai 2007