Bewegte Versammlung vom 7. November 1918

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Die Bewegte Versammlung vom 7. November 1918 war eine Versammlung, die als Wahlversammlung für die Nachwahl in den Reichstag für den gesundheitsbedingt aus dem Reichstag (Deutsches Kaiserreich)W ausgeschiedenen Georg von VollmarW angemeldet worden war.[1]

Prozession

Ort Geschehen Abstand Akkumulierter Abstand
Bavaria

Die Wahl-Kundgebung der USPD für Kurt Eisner, die am 5. November 1918 vom Hackerkeller Pollingerkeller Theresienhöhe 2 wegen Überfüllung auf die Theresienwiese verlegt wird, lässt bei der Stadtkommandantur die Alarmglocken schrillen. Nicht zuletzt ist am folgenden Tag in der Münchener Post zu lesen, Eisner habe durch Schwur seinen Kopf verpfändet, dass die Erhebung Münchens bestimmt erfolgen werde.

Der Adjutant der Stadtkommandantur, Oberleutnant d. Res. a.D. Provinzial-Baurat Martin Grünewald, schreibt dem Kriegsarchiv am 2. April 1931: Die Stadtkommandantur hätte bei einer Erhebung schießen lassen und habe allen Ersatztruppenteilen und Lazaretten die Teilnahme an der für den 7. November avisierten Friedenskundgebung verboten. Landtagsabgeordneter Erhard Auer und ein weiterer Sozialdemokrat haben aber dem bayerischen Kriegsminister, Philipp von HellingrathW, Vorhaltungen gemacht und darauf bestanden, dass die geplante Demonstration harmlos sei. Darauf habe der Minister den Befehl der Stadtkommandantur aufgehoben, Es hätten dann bei der Demonstration viele Soldaten teilgenommen, um Eisner herum seien viele Soldaten gestanden und bei der Erstürmung der Kasernen durch die Revolutionäre habe es Hemmungen gegeben, auf die eigenen Kameraden zu schießen.[2]

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Friedensengel Um 15:45 Uhr bewegte sich eine Gruppe Mehrheitssozialdemokraten darunter Wilhelm HoegnerW mit Marschmusik unter der Leitung von Erhard Auer zum Friedensengel, wo Franz Schmitt (Politiker, 1862)W die Versammlung für beendet erklärte. 9,9 9,9
Kazmairstraße 2 Kurt Eisner, Ludwig GandorferW, Hans UnterleitnerW und Felix FechenbachW führten den Zug an. An der Zugspitze trug ein in Soldatenuniform gekleideter eine Rote Fahne.

An der Kazmairstraße 2 (heute Alter Messeplatz 2) ist der Bereitstellungsort einer Reihe von Militärlastkraftwagen mit ihren Mannschaften, um gegen die Versammlung vorzugehen. Angesprochen schließt sich die Abteilung einschließlich Fahrer den Revolutionären an.

0,5 0,5
Guldeinstraße 27 Guldeinschule: Unterkunft einer Kompanie Landwehr. Sie sind eingesperrt. Man schlägt die Fenster ein; einige Soldaten steigen durch die Fenster und fordern zur Übergabe auf. Inzwischen hat die Landwehr das Eingangstor der Schule gesprengt. Bewaffnete Landwehr schließen sich den Revolutionären an. Mehrere Maschinengewehre mit Munition wird mitgeführt. 1 1,5
Deroystraße 1 Marsfeld, Kaserne des 1. Infantrie-Regiments. Im Hof stehen Truppen in feldmarschmäßiger Ausrüstung. Sie gehen zu den Aufständischen über ebenso die Soldaten in den Mannschaftsräumen. 2,1 3,6
“Franzl“ Militärgefängnis [3]Leonrodstraße Artilleriestraße (1893 bis 1990) Das verschlossene Tor wird eingeschlagen — die Menge drängt sich johlend und lärmend in den Gefängnishof hinein.

Ein größerer Trupp stürmt in das Gefängnisgebäude und öffnet mit Gewehrkolben gewaltsam die Zellentüren. So befreit man die Gefangenen – zugleich aber auch ihre Wärter, die sich aus Angst selbst in leere Zellen eingesperrt hatten

1,5 5,1
Dachauer Straße 128 Kasernen auf dem Oberwiesenfeld, Dachauer Straße, Max-II-Kaserne, Leonrodstraße, Albrechtstraße, Lazarettstraße und Dachauer Straße 0,8 5,9


Türkenkaserne Auch hier sind die Mannschaften in ihren Mannschaftsräumen eingesperrt gewesen. Die Versammlung wird mit Tränengas aufgelöst. 2,6 8,5
Hauptbahnhof Es ist kurz vor 20 Uhr, als der Hauptbahnhof mit BahnsteigkarteWn besetzt wird.

Bahnhofskommandant und Bahnhofswache haben es vorgezogen, rechtzeitig die Gefahrenzone zu verlassen. Um 20.12 Uhr bereits tritt ein neuer Bahnhofskommandant seinen Dienst an. Es ist Unteroffizier Georg Müller vom 1. Inf.-Rgt, 5. Kompanie, der im Auftrage des Soldatenrates für Ruhe, Ordnung und Weiterführung des Bahnbetriebes sorgen soll.

Prannerstraße 16-23 Landtag in der Prannerstraße (heute 8) Kurt Eisner aklamiert sich zum vorläufigen Ministerpräsidenten.

Joseph BreitenbachW: „Es war nacht natürlich, es war vielleicht zehn Uhr, es war dunkel, so leutete jemand an der Glocke, wir warteten, da außen auf dem Trottoir, und kam der Pförtner mit einer Laterne in der Hand, etwas Knie schlotternd, und wir gingen in den großen Sitzungsaal, wir setzten und in die Bänke von den Abgeordneten, Eisner ans Podium, und unmittelbar, wenige Minuten nach dem wir alle etabliert waren stand er auf und sagte wir haben heute abend gesehen, wie man Geschichte macht, Bayern ist ein Volksstaat, die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt und mit Ihrer Zustimmung übernehme ich das Amt des provisorischen Ministerpräsidenten“ [4]

0,9 9,4

Siehe auch

Fußnoten

  1. Bernhard GrauW, Kurt Eisner, 1867-1919: eine Biographie, S. 350
  2. Plenum R, Revolution und Rätedemokratie, [1]; Jürgen-Wolfgang Goette, Sabine Kruse, Die rote Republik, Erich-Mühsam-Gesellschaft, 2004 - 199 S. S. 68
  3. Franzl = Arrestlokal, nicht nur in der Garnison, sondern auch im Felde (bayr.) siehe: Otto Ernst Mausser, Deutsche Soldatensprache: Ihr Aufbau und ihre Probleme dargestellt, K. J. Trübner, 1917 - 132 S., S. 43
  4. BR Fernsehen, Standbild Portrait Joseph BreitenbachW erzählt von der Ausrufung der Republik Bayern durch Kurt Eisner im Landtag. (1:05 min)[2]