NSDAP-Gebäude in München und ihre Reste: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Machtzentrale um die Briennner Straße bildet um den Königsplatz in Nord-Südrichtung eine Achse der Parteibauten aus Parteikanzlei (von der Br. Str. nach Osten), dem Führerbau, den beiden Ehrentempeln am Platz im Zentrum, den neu errichteten Verwaltungsbau (jetzt nstitut für Ägyptologie, das Institut für Klassische Archäologie, das Zentralinstitut für Kunstgeschichte) und die Zentrale, gefolgt von einem Bürogebäude mit einem Sitzungssaal - der Sophiensaal, der heutigen Oberfinanzdirektion. Am entgegengesetzten Ende gab es Pläne zur Erweiterung der Alten Pinakothek. Friedrich Gablonsky sah an ihrem Ende Flügelbauten entlang der Arcis- und Barer Straße vor. Dieser Bauteil würde einer Parteihalle mit dem Grabmal Hitlers gegenüberstehen. Der weitere Ausbau der Barer Straße mit diesem Schlusspunkt wäre nach dem Endsieg unvermeidlich. | |||
In der Nähe befinden sich die vielen bereits genannten [[#Parteistellen|Parteistellen]], die später an die noch zu bauende Prachtstraße umziehen würden. | |||
==Planung der künftigen Repräsentationsbauten== | |||
===Die breite Prachtstraße === | |||
Die etwa 6000 Meter lange Straße von West nach Ost bis zum Stachus sollte 120 Meter breit werden. In Norden und Süden sollte je eine doppelte Reihe Bäume den 20 m breiten Fußgängerweg von der Strasse abgrenzen. Diese neue Ost-West-Achse sollte kreuzungsfrei bleiben. | |||
An der Strasse sollten u.a. Bauten der Deutsche Arbeitsfront, der SS, der NS-Frauenschaft, das „Forum der SA“, je ein 93 Meter hohes Hochhaus für den [[#Frühere Geschäftsstelle|Eher-Verlag]] und ein KdF-Hotel, ein Armeemuseum, Varietetheatergebäude, zwei Großkinos, ein Kaufhaus, eine Therme und ein Bierpalast errichtet werden. Das bedeutendste Bauwerk dieser Strasse sollte die Neue Oper bilden, die 1938 von Waldemar Brinkmann entworfen worden war. Von dem auf der Nordseite der Achse errichteten Opernhaus sollte eine Achse in Nord-Süd-Richtung zur [[Theresienwiese]] führen. | |||
Ein Stockwerk unter der Prachtstraße war eine U-Bahnlinie vom dann neu platzierten Bahnhof her vorgesehen. | |||
=== Das Denkmal der Bewegung === | |||
Im ''Denkmal der Bewegung'', einem 175 Meter hohen Turm, sollte die so genannte Blutfahne von [[Ludendorff-Hitler-Putsch|1923]] ausgestellt werden. [http://denkmaeler-muenchen.de/ns/ostwest.php Obenauf] käme nicht ein Reichs- sondern ein Weltadler mit dem Globus in den Klauen. | |||
Etwa auf Höhe des Alten Botanischen Gartens sollten die Neubauten vor diesem Denkmal mit der Nord-Südachse der Parteibauten aus der Vorkriegszeit zusammen treffen. | |||
=== Der neue Hauptbahnhof=== | |||
Der ''neue Hauptbahnhof'' sollte um etwa 2500 Meter nach Westen versetzt und zu einer Kuppel von 265 Metern Durchmesser und einer von 136 Meter Höhe aufgeblasen werden. Die funktionslose Kuppe sollte am westlichen Abschluss der Prachtstraße die Lage des Bahnsteige signalisieren, die einige Stockwerke unter der Erde verschwinden sollten.(Vergl. Patrick Brose) | |||
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Version vom 8. Dezember 2011, 00:09 Uhr
Als NSDAP-Gebäude im Stadtgebiet von München sollen hier vor allem die Gebäude genannt werden, die von der Nazi-Partei gekauft und umgebaut oder errichtet wurden. Es soll nach deren Verbleib gefragt werden. Zum ersten handelt es sich um den neu errichteten Führerbau und den dazugehörigen Verwaltungsbau als Nachfolgegebäude für das Braune Haus. Dessen Vorgänger als Sitz der Geschäftsstellen der NSDAP waren angemietete Räume, die äußerlich keine Merkmale der so genannten Nazi-Architektur trugen.
Dabei wird zu berücksichtigen sein, dass eine ganze Reihe der typischen "Nazi-Bauwerke" nicht durch die Partei sondern durch den Staat oder andere Organisationen errichtet wurden, die formal und finanziell von der NSDAP unabhängig waren, auch wenn sie in ihren Leitungsgremien zu dieser Zeit eindeutig von der NSDAP beherrscht waren.
All dies darf nicht vergessen machen, dass die neuen Machthaber in den wenigen Monaten ihrer neuen Machtfülle bereits riesige Ausbaupläne für ihre Hauptstadt der Bewegung schmiedeten. Sie ergänzten die Pläne für Berlin
Frühere Geschäftsstellen
Ulrike Grammbitter nennt als Sitz der Geschäftsstellen der NSDAP in München bis zum Erwerb des "Braunen Hauses" 1930
1. 1920 war das ein Nebenzimmer des Münchner Sterneckerbräus am Isartor
2. 1921 Umzug in die Räume eines ehemaligen Wirtshauses in der Corneliusstraße 12.
1923 - Verbot der NSDAP im November 1923 nach dem Ludendorff-Hitler-Putsch
3. Ab Februar 1925 überließ Max Amann (1891–1957), Leiter des Parteiverlages der neu wieder gegründeten NSDAP ein Zimmer in der Thierschstraße 15.
4. 1925 Umzug in das Rückgebäude Schellingstraße 50 (Räume von Heinrich Hoffmann (1885–1957). Bis 1930 wurden dort immer mehr Räume, schließlich das ganze Gebäude genutzt.
Braunes Haus 1930 - 1937
Das ehemalige Palais Barlow (früher Lotzbeck-Palais) wurde 1828 von dem königlichen Hofbaurat Jean-Baptiste Métivier (1781-1853) als Spekulationsobjekt erbaut und wurde hundert Jahre lang verschieden als repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Das Palais wurde 1876 von dem englischen Großkaufmann Richard Barlow (1826-1882) erworben. Sein Sohn Willy Barlow (1869-1928) vererbte es seiner Witwe Elisabeth Barlow. Diese veräußerte es am 26. Mai 1930 an den Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterverein (NSDAV), der für die nicht rechtsfähige NSDAP handelte. Nicht nur das Gebäude kann als repräsentativ gelten sondern auch seine Lage an der vornehmen Brienner Straße, die die Hauptachse des Stadtteils Maxvorstadt bildete.
Führerbau
Führerbau, Arcisstraße 12, Nähe Königsplatz - heute: Hochschule für Musik und Theater
- 1937 fertiggestellt nach Plänen von Paul Ludwig Troost, Planung ab 1930
- keine Kriegsschäden
- Nach Kriegsende von der amerikanischen Militärregierung genutzt. Später als Amerikahaus.
Die beiden Ehrentempel
Zwei Ehrentempel — am 9. November 1935 wurden die Ehrentempel und der frisch gepflasterte Königsplatz durch die Überführung der von der NS-Anhängerschaft so genannten 16 Gefallenen/Blutzeugen des Putschversuchs von 1923 eingeweiht — 1947 gesprengt
Parteistellen
- Verwaltungsbau seit 1947 Zentralinstitut für Kunstgeschichte, äußerlich baugleich zum Führerbau (s.o.)
- Reichsjugendführung der NSDAP
- Reichskassenverwaltung der NS-Frauenschaft
- Reichsführung des NS-Deutschen Studentenbundes
- Reichsführung SS
- Oberste SA-Führung
- Reichspropagandaleitung
- Reichspressestelle
Die Machtzentrale um die Briennner Straße und den Königsplatz
Die Machtzentrale um die Briennner Straße bildet um den Königsplatz in Nord-Südrichtung eine Achse der Parteibauten aus Parteikanzlei (von der Br. Str. nach Osten), dem Führerbau, den beiden Ehrentempeln am Platz im Zentrum, den neu errichteten Verwaltungsbau (jetzt nstitut für Ägyptologie, das Institut für Klassische Archäologie, das Zentralinstitut für Kunstgeschichte) und die Zentrale, gefolgt von einem Bürogebäude mit einem Sitzungssaal - der Sophiensaal, der heutigen Oberfinanzdirektion. Am entgegengesetzten Ende gab es Pläne zur Erweiterung der Alten Pinakothek. Friedrich Gablonsky sah an ihrem Ende Flügelbauten entlang der Arcis- und Barer Straße vor. Dieser Bauteil würde einer Parteihalle mit dem Grabmal Hitlers gegenüberstehen. Der weitere Ausbau der Barer Straße mit diesem Schlusspunkt wäre nach dem Endsieg unvermeidlich.
In der Nähe befinden sich die vielen bereits genannten Parteistellen, die später an die noch zu bauende Prachtstraße umziehen würden.
Planung der künftigen Repräsentationsbauten
Die breite Prachtstraße
Die etwa 6000 Meter lange Straße von West nach Ost bis zum Stachus sollte 120 Meter breit werden. In Norden und Süden sollte je eine doppelte Reihe Bäume den 20 m breiten Fußgängerweg von der Strasse abgrenzen. Diese neue Ost-West-Achse sollte kreuzungsfrei bleiben.
An der Strasse sollten u.a. Bauten der Deutsche Arbeitsfront, der SS, der NS-Frauenschaft, das „Forum der SA“, je ein 93 Meter hohes Hochhaus für den Eher-Verlag und ein KdF-Hotel, ein Armeemuseum, Varietetheatergebäude, zwei Großkinos, ein Kaufhaus, eine Therme und ein Bierpalast errichtet werden. Das bedeutendste Bauwerk dieser Strasse sollte die Neue Oper bilden, die 1938 von Waldemar Brinkmann entworfen worden war. Von dem auf der Nordseite der Achse errichteten Opernhaus sollte eine Achse in Nord-Süd-Richtung zur Theresienwiese führen.
Ein Stockwerk unter der Prachtstraße war eine U-Bahnlinie vom dann neu platzierten Bahnhof her vorgesehen.
Das Denkmal der Bewegung
Im Denkmal der Bewegung, einem 175 Meter hohen Turm, sollte die so genannte Blutfahne von 1923 ausgestellt werden. Obenauf käme nicht ein Reichs- sondern ein Weltadler mit dem Globus in den Klauen.
Etwa auf Höhe des Alten Botanischen Gartens sollten die Neubauten vor diesem Denkmal mit der Nord-Südachse der Parteibauten aus der Vorkriegszeit zusammen treffen.
Der neue Hauptbahnhof
Der neue Hauptbahnhof sollte um etwa 2500 Meter nach Westen versetzt und zu einer Kuppel von 265 Metern Durchmesser und einer von 136 Meter Höhe aufgeblasen werden. Die funktionslose Kuppe sollte am westlichen Abschluss der Prachtstraße die Lage des Bahnsteige signalisieren, die einige Stockwerke unter der Erde verschwinden sollten.(Vergl. Patrick Brose)
Literatur
- Matthias Donath: Architektur in München 1933-1945: ein Stadtführer. Lukas Verlag, 2007. 87 Seiten. ISBN 978-3867320115 (dreißig für die damalige Architektur repräsentative Beispiele. Historische Fotos des ursprünglichen Zustand. Stadtplan dazu)
- Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933-1945. München, Architekturmuseum der TU, Klinkhardt und Biermann, 1993. ISBN 3-7814-0360-2 (recht umfassend)
- Andreas Heusler: Das Braune Haus. Wie München zur "Hauptstadt der Bewegung" wurde. München, 2008.
- Iris Lauterbach (Hrsg.): Bürokratie und Kult. Das Parteizentrum der NSDAP am Königsplatz in München. Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, München 1995.
- Münchner Stadtmuseum, Kulturreferat, Landeszentrale für polit. Bildungsarbeit: Nationalsozialismus in München. Stadtplan zur NS-Topografie in München 1918-1945. München, 2003 (siehe unten den Link zum Stadtplan zur NS-Topografie)
Weblinks
- Topographie des Nationalsozialismus in München 1918 bis 1945 - Interaktiver Stadtplan zur NS-Zeit (vgl. zur gedruckten Ausgabe oben)
- Patrick Brose: Münchens Denkmäler (2006, Plan, Fotos und Kurzdarstellungen)
- Ulrike Grammbitter: Braunes Haus, München in Historisches Lexikon Bayerns
Das Thema "NSDAP-Gebäude in München und ihre Reste" ist aufgrund seiner überregionalen Bedeutung auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten.
Die Seite ist über diesen Link aufrufbar: Braunes Haus. |