Walter Kistler

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Walter Kistler, 1994

Walter Kistler, (* 1945; † 2006). Mann mit Down-Syndrom, lebte und arbeitete im Münchner Stadtteil Pasing. Der Fotokünstler Andreas Bohnenstengel hat Ihn in den 1990er Jahren fotografisch begleitet. 1996 erschien das Portrait im ZEITmagazin.[1]

Walter, 53 Jahre Down Syndrom

Walter Kistler wurde 1943 in München-Pasing geboren. Walter Kistler hat die Nazizeit überlebt, weil ihn seine Eltern daheim versteckt haben. Er blieb ihr einziges Kind. Die Mutter starb, als der Vater ins Rentenalter kam, und fortan hauste Walter in der kleinen Pasinger Wohnung ohne Bad mit seinem Vater in einer symbiotisch engen Beziehung. 1982 starb Walters Vater im Alter von über 80 Jahren. Nun blieb für Walter Kistler, damls 41 Jahre alt, nur das Heim.[2] (Monsignore-Bleyer-Haus in München-Pasing, wo er 2006 gestorben ist). In dem Stadtteil war er vielen Menschen bekannt und ans Herz gewachsen

Walter. Ein Zivildienstleistender über seine Erlebnisse: Als mein Zivildienst mit dem normalen Gruppendienst begann, hatte ich mit Walter fast täglich direkten Umgang. Meine Vorurteile und Ängste begannen langsam zu bröckeln, dies lag aber nicht an mir, sondern einzig und allein an diesem nach außen hin unansehnlichen Gnom, der mir mit einer vorurteilsfreien Wärme und Herzlichkeit entgegenkam, die mich beschämte. Da Walter Hilfestellung bei der täglichen Körperpflege und beim regel­mäßigen Duschen benötigte, nahm er mich auch mehr in Anspruch als die anderen aus der Gruppe und ich lernte ihn immer besser kennen. Im Gegensatz dazu stand seine Selb­ständigkeit, die er sich allein aneignete und die für ihn einen unheimlich hohen Stellenwert besaß, denn dies bedeutete für ihn ein immenses Stück an Lebensqualität, z.B. allein einkaufen, mit seiner Freundin allein zum Kaffeetrinken gehen oder allein in den nahen Stadtpark schlendern. Die Betonung liegt vor allem auf allein, denn er tat dies nur für sich, weil es ihm gefiel und er es in vollen Zügen genoss.[3]


Galerie

Arbeit


Arbeitskollegen

Wohnen

Freundinnen

Soziale Teilhabe

Spazieren gehen

Ausstellung

Glückskinderplakate vor der Seidlvilla

1997 fand in der Münchner Seidlvilla die vielbeachtete Fotoausstellung "Glückskinder" statt.[4] Die Dokumentation über Walter Kistler war neben der Arbeit "Kindheit im Asyl" einer von zwei Zyklen, die gezeigt wurden. Die Arbeiten thematisierten die beiden Grundgesetzänderungen von 1993 und 1994 anhand von realen Menschen in realen Situationen.

  • 1993 wurde der Artikel 16 des Grundgesetzes abgeändert, der sogenannte „Asylkompromiss“.
  • 1994 wurde der Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ in den Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes aufgenommen.

Sammlungen

Fotografien von Walter Kistler befinden sich in öffentlichen Sammlungen und Archiven:

Einzelnachweise

  1. ZEITmagazin Nr. 37, 1996, Seite 3, 8–15: Walter, 53 (Down-Syndrom)
  2. Dilloo, R. (1996): Walter, 53 (Down-Syndrom) in ZEITmagazin Nr. 37, 1996, Seite 14
  3. Baumgartner, S. (2003): Water in: Ich bin anders als du denkst: Menschen mit Down-Syndrom begegnen (2007) 2. Aufl., Edition Bentheim, Seite 30
  4. Wikimedia Commons: Ausstellungsinformation