US-Internierungslager Dachau

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Das US-Internierungslager Dachau errichtete die US-Armee nach der Befreiung des SS-Konzentrationslagers Dachau im April 1945 in dessen Baracken, dem Kommandanturbereich und in den Kasernen, das es zum Teil bis 1948 gab.

Es gab vier verschiedene Haftbereiche nebeneinander. In diesem US-Internierungslager wurden mutmaßliche Kriegsverbrecher gesammelt wie KZ-Personal, Angehörige der nationalsozialistischen Sicherheitspolizei und Personen, denen man die Ermordung notgelandeter amerikanischer Flieger vorwarf.

In der amerikanischen Besatzungszone wurden insgesamt 46 Internierungsstätten errichtet, davon waren 37 Internierungslager, zwei Internierungs-Gefängnisse und sieben Internierungs-Krankenhäuser. Als Haftstätte (Gefängnis) für mutmaßliche Kriegsverbrecher hatte ein Teilbereich in Dachau eine Sonderstellung inne. Bekannte NS-Funktionäre und Personen wurden zunächst vorbeugend interniert.

Schon vor Ende des Krieges hatten die amerikanischen Streitkräfte Verdächtige verhaftet, ohne dass es dazu gemeinsame Beschlüsse der Alliierten gegeben hätte. Diese Besatzungsmacht ging konsequent vor, was die zunächst hohen Belegungszahlen zeigen. Allein bis Dezember 1945 wurden insgesamt 117.512 Personen festgenommen. Von Anfang an wurde von bestimmter deutscher Seite an ihrer Praxis Kritik geübt, da sich die Inhaftierung nicht auf individuelle Schuld gründete, sondern sich nach schematischen Kriterien, wie z.B. eine führende Position in NSDAP-Organisationen, richtete.

Nach der Auflösung des US-Internierungslagers für Kriegsverbrecher in der Flak-Kaserne Ludwigsburg (bei Stuttgart) Mitte 1946 wurde diese Personengruppe in Dachau zentral zusammengefasst. Das Camp Dachau wurde als letztes in der US-Zone und erst nach Ende der Nürnberger ProzesseW im September 1948 in die Verantwortung deutscher Behörden übergeben. Es kam in Dachau auch zu Verfahren von amerikanischen Kriegsgerichten gegen deutsche Gefangene (Dachauer Prozesse).

Bereiche

Innerhalb des Lagers gab es vier Bereiche:

  • Von Juli 1945 bis Juni 1946 existierte ein Bereich, das „SS-Compound“, auch „Cage 1“ oder „Freilager“ genannt. Dieser Lagerabschnitt befand sich auf dem ehemaligen Häftlingsbereich in den Holzbaracken. Hier wurde zwischen 10.000 und 13.000 Personen inhaftiert. Es waren die gemäß dem „Automatischen Arrest“ inhaftierten Personen, wie SS- und Waffen-SS-Leute und ehemalige Funktionäre der NSDAP.
    • Im Januar 1946 ließ man jene Männer frei, die einen niedrigen SS-Dienstgrad hatten oder erst 1944 in die SS überstellt worden waren. Bis Mai 1946 kam ein großer Teil dieser Gefangenen frei.
    • Ab 27. Mai 1946 wurde dieser Bereich langsam aufgelöst und die verbliebenen Inhaftierten bis zum Rang der Unteroffiziere wurden in ein amerikanisches Lager nach Bad Aibling gebracht, die höheren Ränge kamen zur Haft nach Plattling.
    • Ab August 1947 übergab die US-Lagerverwaltung dieses Areal schrittweise in deutsche Verantwortung.
    • Als deutsches Internierungs- und Arbeitslager bestand es bis August 1948.
  • Kriegsgefangenenlager: Im zweiten Teil des Lagers waren von Juli 1945 bis Juni 1946 Angehörige der Wehrmacht, deutsche Generäle und ungarische Personen in Gefangenschaft.
    • Das Areal wurde danach zu einem Entlassungslager für deutsche Kriegsgefangene umgewandelt.
    • Im Oktober 1947 löste man diesen Bereich auf.
  • Der dritte Teil war der „War Crimes Enclosure“: dies waren verschiedene Sonderlager. Sie lagen im nördlichen Häftlingsbereich der Holzbaracken, aber auch im ehemaligen SS-Bereich.
    • Aus den beiden ersten Lagern wählte der amerikanische Nachrichtendienst (Counter Intelligence Corps) Personen aus, die verdächtigt wurden, schwere Kriegsverbrechen getätigt zu haben. Dieser Lagerbereich bestand von Sommer 1945 bis Januar 1948.
    • Seit 11. Juli 1946 war dies das einzige Kriegsverbrecherlager in der US-Zone.
    • im März 1946 5.000 Häftlinge in diesem Bereich,
    • im November 1946 12.000. So waren hier die KZ-Wachverbände, Angehörige des Generalstabs und der übrigen Waffen-SS-Verbände. Die Voruntersuchungen, ob eine Anklage erfolgen sollte, waren langwierig.
    • Auch kooperationsunwillige Personen, die sich geweigert hatten, in Kriegsverbrecherprozessen als Zeugen auszusagen („unfriendly witnesses“), waren hier.
    • Bereits Verurteilte warteten hier auf die Verlegung ins Kriegsverbrechergefängnis Landsberg.
  • In einem früheren Teil des „Freilagers“ („Cage 1“) richtete die US-Lagerverwaltung ab Mai 1946 ein Zivilinterniertenlager ein. Es wurde „Camp 29“ genannt. „War Crimes Suspect“, also Personen, deren Schuld in Vernehmungen nicht nachgewiesen werden konnte, wurden hier eingewiesen bis zur sog. "Entnazifizierung" vor einer deutschen Spruchkammer.

Innerhalb der Abschnitte des US-Internierungslagers fanden ständig Verlegungen statt, so dass sich die vier Lagerbereiche in ihrer Belegung stetig veränderten.

Medien

Siehe auch

Weblinks

Zur Aufteilung des US-Internierungslager Dachau und der Chronologie seiner Nutzung siehe:

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(Stand Juni 2015; Quelle dieses Artikels)