An der Stemmerwiese

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An der Stemmerwiese in MünchenSendling liegen die Pfarrkirche St. Margaret und der ehemals bewirtschaftete Bauernhof; nach dem Familiennamen Stemmer heißen Hof, Straße und Wiese. Er war bis 1992 der letzte Bauernhof mit Milchwirtschaft im engeren Stadtgebiet.

Das "Entel"-Register des Heiliggeistspitals nennt um 1815 den Hofnamen "Zum Feichtenhausl" erstmalig, vermutlich weil das Haus überwiegend aus Fichtenholz erbaut worden war.

Der Stemmerhof an der Plinganserstraße.

Geschichte

Der über Jahrhunderte von der Familie Stemmer bewirtschaftete Stemmerhof wurde erstmals 1381 als Schenkung des Otto von Pienzenau, herzoglicher Gouverneur und Oberrichter von Oberbayern, an das Heiliggeistspital in München erwähnt. Der Hof blieb über fast 500 Jahre im Eigentum des Heiliggeistspitals und wurde als Leibgeding in der Familie weiter vererbt.

1638 fiel der Hof dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer und wurde als Brandstätte in Akten erwähnt. 1666 nach dem Wiederaufbau durch Veith Hochmayr wird er so beschrieben: eine eingadige (einstöckige) Holzbehausung samt Roß- und Viehstallung, einen Getreidestadl mit zwei Dreschtennen und einen Wagenschupfen (offene Holzständerhalle) umgeben von einer "mittleren Hofraithe" und einen (zehentfreien) Krautgarten. Aufgebaut als ein Dreiseithof, mit Wohnung und Viehstallung unter einem Dach und den davon getrennten Nebengebäuden, die den Binnenhof von drei Seiten umschlossen. Nach zahlreichen Missernten, Viehseuchen und Brandschäden verkaufte die Witwe von Johann Obermayer, einem Nachkommen des Veith, die Grundbarkeit am Hof im Jahr 1799 an Georg Stemmer.

Laut Grundbuch von 1827 betrugen die Hofgründe fast 65 Tagwerk Äcker und Wiesen, etwa 25 Tgw. zugepachteten Gemeindeteil und über 17 Tgw. Wald. 1833 verstarb Georg Stemmer und die Witwe übergab das Anwesen dem ältesten Sohn Georg Stemmer. 1864 wurde die "Obereigentumsverbindlichkeit" zum Heiliggeistspital in München von Georg Stemmer nach einem (wertmindernden) Brand mit 5595 Gulden abgelöst, was nach heutiger Währung etwa 60.000 Euro entspricht. Der folgende Neubau stammt aus dem Jahr 1862 und ist das, was sich heute denkmalgeschützt präsentiert.

Im 19. Jahrhundert kam die Familie nach der Eingemeindung Sendlings durch den Verkauf landwirtschaftlicher Flächen als Bauland zu Reichtum, sie stiftete auch den Baugrund für die Neue Pfarrkirche St. Margaret und stellte gemeinsam mit zwei anderen Sendlinger Bauern große Geldbeträge für den Kirchenbauverein zur Verfügung.

In den 1980er Jahren tobte eine heftige Auseinandersetzung um die Bebauung der westlich des Hofes noch gelegene Stemmerhofwiese, der letzten großen naturnahen Freifläche im alten Dorfkern. Eine Bürgerinitiative zur Erhaltung der gesamten Wiese scheiterte und die Stadt München setzte sich mit ihrem Plan einer Teilüberbauung zur Schaffung von Wohnraum durch. Diese Ereignisse fanden einen Niederschlag im Roman Wurzelwerk des Autors Bernhard Setzwein.

Stemmerhof, 2012

Nach der Auflassung der Landwirtschaft 1992 wurde das Ensemble durch einen strengen Bebauungsplan vor größeren baulichen Veränderungen geschützt. Heute beherbergt es eine bunte Mischung von Läden mit Schwerpunkt Ökologie, Künstlerwerkstätten und ein Café. In der sanierten früheren Westscheune des Hofes ist heute die therapeutische Tagesstätte MUTABOR untergebracht. Der Hof wirkt noch immer wie eine dörfliche Oase der Ruhe in der Hektik der Großstadt. Besonders vom erhaltenen Restareal der Stemmerhofwiese aus ist noch immer der ehemals ländliche Charakter des Stadtteils spürbar.

Lage

>> Geographische Lage von An der Stemmerwiese im Kartenverzeichnis (auf tools.wmflabs.org)

Der Hof liegt an der westlichen Isarhangkante, dem sogenannten Sendlinger Berg an der Plinganserstraße direkt gegenüber der Alten Pfarrkirche St. Margaret.

Weblinks


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