Diskussion:Sendlinger Tor: Unterschied zwischen den Versionen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 13: Zeile 13:
Für die am Send­lingertor gelegene Erdbastion „Die Schanz", vergab Kurfürst Max Emanuel im Jahre 1692 die Erlaubnis an den Münzverwalter Packenreiter. Der mit schattigen Bäumen reich besetzte Garten wechselte dann im Lauf der Jahrzehnte mehrfach seinen Besitzer, bis hier am Ausgang des 18. Jahrhunderts der Pfleger des Heiliggeist-Spitals Johann Michael Huber seinen Sommersitz anlegte. Der untere Teil der Bastion gehörte damals dem Stadtkom­mandanten Graf v. Morawitzky, der seinem Garten durch Anlage einer Gloriette mit Frei­treppe und Springbrunnen einen besonderen Reiz verlieh. So war der Zustand, als aus dem allen Mün­chen unter König Max I. Joseph die Hauptstadt des jungen Königreiches wurde, die nach allen Seiten sich auszudehnen und zu verschönern be­strebt war. Die Abtragung der Erdwälle hatte schon im März 1791 vor dem Neuhausertor be­gonnen, als unter Kurfürst Karl Theodor Graf Rumford die Anlage des heute noch bestehen­den Karlstor-Rondells durchführte.
Für die am Send­lingertor gelegene Erdbastion „Die Schanz", vergab Kurfürst Max Emanuel im Jahre 1692 die Erlaubnis an den Münzverwalter Packenreiter. Der mit schattigen Bäumen reich besetzte Garten wechselte dann im Lauf der Jahrzehnte mehrfach seinen Besitzer, bis hier am Ausgang des 18. Jahrhunderts der Pfleger des Heiliggeist-Spitals Johann Michael Huber seinen Sommersitz anlegte. Der untere Teil der Bastion gehörte damals dem Stadtkom­mandanten Graf v. Morawitzky, der seinem Garten durch Anlage einer Gloriette mit Frei­treppe und Springbrunnen einen besonderen Reiz verlieh. So war der Zustand, als aus dem allen Mün­chen unter König Max I. Joseph die Hauptstadt des jungen Königreiches wurde, die nach allen Seiten sich auszudehnen und zu verschönern be­strebt war. Die Abtragung der Erdwälle hatte schon im März 1791 vor dem Neuhausertor be­gonnen, als unter Kurfürst Karl Theodor Graf Rumford die Anlage des heute noch bestehen­den Karlstor-Rondells durchführte.


Nunmehr aber wurde die sehr großzügig ausfallende Festlegung der neuen Straßenzüge um die Altstadt in Angriff genommen. Es wurde ein die Stadtverschönerung berücksich­tigender Generalplan ausgearbeitet, als dessen gei­stige Urheber der hochbegabte Erbauer unseres Hoftheaters Karl v. Fischer und der geniale Hofgarten-Intendant Friedrich Skell, der Schöpfer der Englischen Gartenanlagen in Mün­chen, Nymphenburg oder Schwetzingen, angespro­chen werden müssen. Vor dem Sendlingertor wurde ein großer öffentlicher „Gewerbsplatz" pro­jektiert mit einer monumentalen Fontäne als Mittelpunkt. Die anfängliche Kreisform wurde im Jahre 1812 in einen Halbkreis umge­wandelt, um die dortigen Bau- und Gartenplätze besser ausnützen zu können. Damit war die heutige Gestalt des Sendlingertor-Platzes festgelegt Schon vorher waren die langwierigen Verhand­lungen über die nötigen Grundabtretungen durch­geführt worden, die riesige Bastei war eingelegt und Anno 1812 erhoben sich als erste die beiden Häuser Nr. 10 und 11, die noch bis 1913 in ihrer ur­sprünglichen Form bestanden und dann dem ncoh bestehenden Bauten weicehn mussten. Im Mietshaus Nr. 10 hatte der Besitzer des Sonnenwirts ein besonders von der Landkundschaft viel besuchtes Wirtshaus geschaffen: in beiden Häusern wohnten viel der von König Ludwigs I. unterstützten zugereisten Maler und Bildhauer, die nicht in den engen Gassen der Altstadt quartieren wollten. Wie ländlich es damals vor dem Sendlinger­tor aussah, das zeigt eine reizende Litho­graphie von Gustav Kraus: das gezeichente zeigt weidende Schafe, einzelne Gruppen von Frauen ihr Plauderstündchen halten, und lesende Herren bar­häuptig mit der langen Pfeife im Munde, vom Verkehr unbehelligt, lustwandeln. Freilich wäre man mit der brennenden Pfeife nur bis zu dem langgestreckten einstöckigen Wachhaus vor dem Tore gekommen, da das Tabakrauchen im Innern der Stadt noch im Jahre 1827 streng verboten war. Im Hintergrund des Bildes ist die alte Stadtmauer, die von den hochragenden Bäumen im Zwinger fast verdeckt ist, einsehbar. In dem da­vor liegenden Stadtgraben befand sich später die königliche Turnanstalt unter der Leitung von Scheibmaier mit den langwallenden weißen Künstlerlocken.
Nunmehr aber wurde die sehr großzügig ausfallende Festlegung der neuen Straßenzüge um die Altstadt in Angriff genommen. Es wurde ein die Stadtverschönerung berücksich­tigender Generalplan ausgearbeitet, als dessen gei­stige Urheber der hochbegabte Erbauer unseres Hoftheaters Karl v. Fischer und der geniale Hofgarten-Intendant Friedrich Skell, der Schöpfer der Englischen Gartenanlagen in Mün­chen, Nymphenburg oder Schwetzingen, angespro­chen werden müssen. Vor dem Sendlingertor wurde ein großer öffentlicher „Gewerbsplatz" pro­jektiert mit einer monumentalen Fontäne als Mittelpunkt. Die anfängliche Kreisform wurde im Jahre 1812 in einen Halbkreis umge­wandelt, um die dortigen Bau- und Gartenplätze besser ausnützen zu können. Damit war die heutige Gestalt des Sendlingertor-Platzes festgelegt Schon vorher waren die langwierigen Verhand­lungen über die nötigen Grundabtretungen durch­geführt worden, die riesige Bastei war eingelegt und Anno 1812 erhoben sich als erste die beiden Häuser Nr. 10 und 11, die noch bis 1913 in ihrer ur­sprünglichen Form bestanden und dann dem ncoh bestehenden Bauten weicehn mussten. Im Mietshaus Nr. 10 hatte der Besitzer des Sonnenwirts ein besonders von der Landkundschaft viel besuchtes Wirtshaus geschaffen: auch wohnten in beiden Häusern viele der von König Ludwigs I. unterstützten zugereisten Maler und Bildhauer, die nicht in den engen Gassen der Altstadt quartieren wollten.
 
Wie ländlich es damals vor dem Sendlinger­tor aussah, das zeigt ein  Litho­graphie von Gustav Kraus: das gezeichente zeigt weidende Schafe, einzelne Gruppen von Frauen ihr Plauderstündchen haltend, und lesende Herren bar­häuptig mit der langen Pfeife im Munde, vom Verkehr unbehelligt, lustwandelnd. Freilich wäre man mit der brennenden Pfeife nur bis zu dem langgestreckten einstöckigen Wachhaus vor dem Tore gekommen, da das Tabakrauchen im Innern der Stadt noch im Jahre 1827 streng verboten war. Im Hintergrund des Bildes ist die alte Stadtmauer, die von den hochragenden Bäumen im Zwinger fast verdeckt ist, einsehbar. In dem da­vor liegenden Stadtgraben befand sich später die königliche Turnanstalt unter der Leitung des durch seine langwallenden weißen Künstlerlocken auffallende Scheibmaier.  


Das Sendlingertor ist der einzige Überrest, der an dieser Stelle noch von den ehemaligen Festungsanlagen erhalten geblieben ist. Bereits im Jahr 1812 trat der kunst­verständige Skell nachdrücklich dafür ein, die hrwürdigen Wehr- und Warttürme zu Erhalten; „die als Denkmäler unserer Vorväter und ihrer Wehr- und Waffenkunst erhalten zu werden verdienen" und daß Skell auch bereits Vorschläge machte, wie dies baulich und gärtnerisch, ohne Be­einträchtigung des Verkehrs durchgeführt werden könnte. Der bei den Verhandlungen, gerade vor zweihuntert Jahren, so nach­haltig zum Durchbruch kam und der aus der alten Gesamtanlage eine trotz aller Schlichtheit harmonische Schöpfung erstehen ließ.
Das Sendlingertor ist der einzige Überrest, der an dieser Stelle noch von den ehemaligen Festungsanlagen erhalten geblieben ist. Bereits im Jahr 1812 trat der kunst­verständige Skell nachdrücklich dafür ein, die hrwürdigen Wehr- und Warttürme zu Erhalten; „die als Denkmäler unserer Vorväter und ihrer Wehr- und Waffenkunst erhalten zu werden verdienen" und daß Skell auch bereits Vorschläge machte, wie dies baulich und gärtnerisch, ohne Be­einträchtigung des Verkehrs durchgeführt werden könnte. Der bei den Verhandlungen, gerade vor zweihuntert Jahren, so nach­haltig zum Durchbruch kam und der aus der alten Gesamtanlage eine trotz aller Schlichtheit harmonische Schöpfung erstehen ließ.


Wie es am Sendlingertor im 18. Jahrhundert, dann 1805 und 1852 ausgesehen hat, das veran­schaulichen mehrere nach Aquarellen von Karl August Lebsché gefertigte Stiche, die in der Vorhalle der Münchner Neuesten Nachrichten ausgestellt sind.
Wie es am Sendlingertor im 18. Jahrhundert, dann 1805 und 1852 ausgesehen hat, das veran­schaulichen mehrere nach Aquarellen von Karl August Lebsché gefertigte Stiche, die in der Vorhalle der Münchner Neuesten Nachrichten ausgestellt sind.
32.206

Bearbeitungen

Navigationsmenü