Lovis Corinth

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Lovis Corinth (* 21. Juli 1858 in Tapiau, Ostpreußen; † 17. Juli 1925 in Zandvoort, Provinz Nordholland) war Maler. Er zählt neben Max Liebermann, Ernst Oppler und Max Slevogt zu den wichtigsten und einflussreichsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Seine späten Werke sind aber bereits vom Expressionismus inspiriert.

1880 ging Corinth auf Empfehlung seines Berliner Lehrers Günther an die Kunstakademie nach München, die zu der Zeit als bedeutendstes Zentrum für Malerei neben Paris galt und mit der Kulturszene dieser Stadt in engem Austausch stand. Louis Corinth besuchte zuerst die Klasse von Franz von Defregger und wechselte dann zu Ludwig Löfftz, einem ehemaligen Schüler von Wilhelm Diez. Zu seinen Mitschülern gehörten unter anderen auch Hans Olde und Bernt Grönvold, mit denen Corinth noch viele Jahre Kontakt hatte.

Corinth schloss sich der Strömung des Naturalismus an, der sich gerade gegen die klassische Historienmalerei durchzusetzen begann. Auch die Aktmalerei spielte in seiner Ausbildung eine große Rolle.

1883 entstand auf diese Weise sein Gemälde Schächer am Kreuz, bei dessen Konzeption Einflüsse seines Lehrers Löfftz wie auch dessen ehemaligen Schülers Karl Stauffer-Bern zu erkennen sind. Ein weiterer wichtiger Lehrer in München für Corinth wurde Wilhelm Trübner, für den er 1920 auch einen Nachruf verfasste.

Zwischen 1882 und 1883 unterbrach er das Studium und leistete seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger ab, danach begab er sich mit seinem Vater auf eine Reise, die vor allem nach Italien und an den Gardasee führte. Anschließend nahm er das Studium wieder auf.

Nach einer Zeit in Berlin und Königsberg kam er 1891 wieder nach München. 1890 bekam das Gemälde Pietà, das er beim Pariser Salon eingereicht hatte, eine Auszeichnung. Sich in seiner Malweise bestätigt fühlend, entschloss sich Corinth 1891, wieder nach München zurückzukehren. Hier suchte er sich eine Wohnung in Schwabing, nur ein Haus neben der Wohnung seines Kollegen Ernst Oppler. Den Ausblick aus seinem Atelierfenster hielt er im selben Jahr in mehreren Gemälden fest, mit denen er sich, ebenso wie mit Waldinneres bei Bernried, mit dem zu dieser Zeit in München aktuellen Pleinairismus beschäftigte – die Künstler verließen ihre Ateliers und fingen Motive „unter freiem Himmel“ ein. Dieser wurde in Deutschland vor allem von Arnold Böcklin, Max Klinger und Hans Thoma transportiert, die in München zu den populärsten Gestalten der Kunstszene gehörten. Als Münchner Malerfürsten galten Friedrich August von Kaulbach, Franz von Lenbach sowie Franz von Stuck. Neben den genannten Bildern war das Hauptwerk Corinths in dem Jahr der Diogenes, eine Darstellung des Diogenes von Sinope im Großformat. Die Ausstellung des Bildes im Glaspalast wurde allerdings nicht mit dem erhofften Lob quittiert; vielmehr erntete sie massive Kritik, die Corinth an seinem Schaffen wieder zweifeln ließ. Von seinem Freund Otto Eckmann ließ er sich die Kunst des Radierens beibringen, und bis 1894 erschien sein Radierzyklus Tragikomödien, in dem er auf den Jugendstil auf der einen und das Werk Max Klingers auf der anderen Seite Bezug nahm.

Ab 1892 entstand eine Reihe von Gemälden, die Schlachthausszenen wiedergeben und die Kritiker wieder überzeugen konnten. Die Bilder waren realistisch dargestellt und bestachen durch ihre Motive. Corinth hatte Anschluss gefunden an die „Revolutionäre“ der Münchner Kunstszene, die nicht im etablierten Glaspalast ausstellten, sondern sich in der Künstlergesellschaft Allotria trafen.

1892 gründete sich aus dieser Vereinigung die Münchner Secession, der sich neben Corinth auch Max Liebermann, Otto Eckmann, Thomas Theodor Heine, Hans Olde, Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Franz von Stuck und Fritz von Uhde anschlossen. 1893 wollte Corinth zusammen mit Otto Eckmann, Trübner, Heine, Max Slevogt, Ernst Oppler, Hermann Obrist und Peter Behrens die Freie Vereinigung der XXIV' gründen, um die Ausstellungssituation zu verbessern.

Daraufhin kam es zum Streit in der Sezession, die Gründung scheiterte, und die Beteiligten wurden von der Münchner Sezession ausgeschlossen. Sie fanden als Freie Vereinigung der XXIV / Münchner 24 in der Galerie Eduard Schulte in Berlin eine Ausstellungsmöglichkeit.


1895 malte Corinth mit seiner Kreuzabnahme das erste Bild, das er überhaupt auch verkaufen konnte. Es wurde noch im selben Jahr im Glaspalast ausgestellt und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Zwischen 1895 und 1900 stellte er dort eine Reihe weiterer Gemälde aus, die jedoch kein größeres Aufsehen erregen konnten. Über einen Freund kam Corinth um 1895/96 in Kontakt mit der Münchner Literatengruppe Die Nebenregierung, der unter anderen die Schriftsteller Max Halbe, Graf Eduard von Keyserling, Frank Wedekind und Otto Erich Hartleben angehörten.


1896 gehörte Corinth auch zu den Gründungsmitgliedern der Freimaurerloge In Treue fest, die noch heute besteht[1] und der er 1898 das Gemälde Die Logenbrüder malte, auf der zwölf Mitglieder seiner Loge abgebildet sind. In den Folgejahren entstanden eine Reihe seiner erfolgreichsten und bis heute bekanntesten Gemälde. So schuf er 1896 sein Selbstporträt mit Skelett. 1897 porträtierte Corinth seinen Freund Otto Eckmann in der Nass-in-Nass-Technik, die besonders für spontanes, temperamentvolles Arbeiten geeignet ist.[2] Diese Art der Malerei empfahl er in seinem Lehrbuch „Das Erlernen der Malerei“, weil man in sie „immer wieder hereinmalen und korrigieren“ kann.[3] Ebenfalls 1897 entstand der Schlachterladen in Schäftlarn an der Isar als Fortführung seiner Schlachthausszenen sowie durch die Aktmalerei geprägte Historienbilder wie Die Hexen und Die Verführung des heiligen Antonius. Als Lovis Corinth 1899 zum Besuch der ersten Ausstellung der Berliner Secession in Berlin war und Max Liebermann einen Besuch abstattete, porträtierten sie sich gegenseitig. Zeugnis sind das Bildnis des Malers Lovis Corinth und ein Porträt von Max Liebermann aus dem 1899.

Nach einem Umzug innerhalb Münchens malte er 1900 die Salome, ein Bild, in das er selbst große Hoffnungen legte, das aber für eine Ausstellung der Münchner Sezession abgelehnt wurde. Dieser Misserfolg bestärkte Corinths Absicht, München zu verlassen und nach Berlin zu gehen. Dort hatte er weiterhin Kontakt zu Walter Leistikow, der 1898 mit Max Liebermann und Paul Cassirer die Berliner Secession gegründet hatte. Salome wurde in Berlin mit der zweiten Secessionsausstellung im Juli 1900 ein Erfolg und Corinth wurde nach eigenen Worten „in Berlin eine Kapazität.“[4] Auch seine Bilder Susanna und die beiden Alten sowie die Kreuzigung wurden auf dieser Ausstellung gezeigt. Von Leistikow erhielt Corinth seine ersten Porträtaufträge in Berlin.



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Siehe auch

  • Schlachthof München (Ob die genannten Schlachthausbilder hier entstanden, kann im Augenblick nicht beurteilt werden. Möglich wäre es. Auffallend ist die größere Zahl an Metzgergesellen. Die Themenwahl entspricht durchaus der Widergabe von Industrie- oder Technikszenen in jenen Jahren.)
  • Vgl. Homepage
  • Bernd Fäthke, Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht, München 2004, S. 60 f
  • Lovis Corinth, Das Erlernen der Malerei, Berlin 1909, S. 57
  • Lovis Corinth: Selbstbiografie. Hirzel, Leipzig 1926, S. 143.