Herz-Jesu-Kirche

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Die Frontpartie der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen

Die katholische Pfarrkirche Herz Jesu in München-Neuhausen wurde in den Jahren 19982004 nach den Plänen des Münchner Architekturbüros Allmann-Sattler-Wappner neu errichtet, nachdem der Vorgängerbau aus dem Jahre 1951 1994 abgebrannt war. Der moderne Bau wurde schon bald zu einer der am häufigsten besuchten Kirchen in München.

Friedrich Kardinal Wetter weihte die Kirche am 26. November 2000 offiziell, die Segnung der Orgel und der Wandmalerei fand aber erst im Oktober 2004 statt.

Die Kirche ist kubisch mit einer blauen, 14 m hohen gläsernen Frontseite und (halb-)transparenten Seitenwänden. Innerhalb dieses Glaskasten befindet sich, unverbunden, ein weiterer, diesmal hölzerner Kubus durch den seitlich durch Holzlammellen je nach Sonnenstand unterschiedlich stark Licht einfällt.

Die komplette blaue Vorderseite lässt sich wie ein riesiges Tor öffnen, was aber nur an hohen Feiertagen passiert; ansonsten betritt man die Kirche durch zwei kleinere Türen. Die Vorderseite besteht aus 24 x 18 Quadraten, die wiederum aus kleinen Quadraten bestehen, auf denen sich Muster aus weißen stilisierten Nägel befinden. Ein eigens entwickelter Code aus der verschiedenen Anordnung dieser Nägel (in Anlehnung an die KeilschriftW) zitiert, in immer wiederkehrender Form, die Passionsgeschichte nach Johannes 18-20. Durch eine zweite Glasschicht, diesmal mit blauen Nägeln auf durchsichtigem Glas, erscheinen einige Teile der Fläche in einem dunkleren Blau, ein hellblaues Kreuz wird dadurch schemenhaft deutlich. Ein ähnliches Kreuz befindet sich im Altarraum. Es wird durch einen metallgewebten Vorhang gebildet (TombakW), der an einigen Stellen dichter gewebt ist. Je nach Lichteinfall erscheint das Kreuz mal heller, mal dunkler als die Umgebung, wodurch ein veränderlicher, lebendiger Eindruck entsteht.

Um den inneren Kubus herum führt ein Kreuzweg, die verschiedenen Stationen der Leiden Jesu werden durch Schwarz-Weiß-Fotografien der entsprechenden Stationen auf der Via DolorosaW in Jerusalem illustriert. Der Boden im inneren Kubus fällt zum Altar hin ab, wodurch ein einladendes Gefühl der Geborgenheit erreicht werden soll. Dazu trägt auch das helle Holz der Innenstruktur bei. Die silberne Orgel hebt sich von dem schwarzen Hintergrund des Emporenkastens, der sich über dem Eingang des inneren Kubus befindet, ab. Durch das Einfassen der Orgel in einen eigenen Kasten sollte auch die Akustik verbessert werden.

Galerie

Trauung in der Herz Jesu Kirche, gesehen von Andreas Bohnenstengel

Adresse

Adr.png

Herz-Jesu-Kirche
Lachnerstraße 8
80639 München
Telefon: 089 1306750
Fax: 089 13067526
E-Mail: Pfarramt@HerzJesu-Muenchen.de


Weblinks

Architekturkritik

Moderne, 2000

Wohnt Gott im Glashaus ?

Die Architekten Allmann Sattler Wappner beweisen eindrucksvoll, dass auch der moderne Kirchenbau traditionell christlichen Ansprüchen erhaben ist.

Es ist nicht einfach, in einer Zeit, in der die Zahl der Gläubigen an die Kirche immer weiter abnimmt, gerade für die treusten Jünger des Christentums ein würdiges Gebäude zur Ausübung der heiligen Sakramente zu errichten. In einer Zeit, in der die Moderne für Architekten nicht mehr wegzudenken ist und jeder Versuch etwas schon Dagewesenes nachzuahmen, unter Architekten als Sünde gilt. Doch die Architekten der Gruppe Allmann Sattler Wappner haben es geschafft, das scheinbar Unmögliche miteinander zu vereinbaren, nämlich im erzkonservativen München ein Projekt durchzusetzen, das beispielhaft beweist, dass auch in streng römisch-katholischer Umgebung Platz für Erneuerung und Fortschritt ist. Sie haben es geschafft, die Gemeinde von Neuhausen, einem gutbürgerlichen Stadtteil Münchens, davon zu überzeugen, dass ein moderner Kirchenbau den gleichen Ansprüchen genügen kann, wie ein traditioneller Bau á la Frauenkirche. Dies scheint in beider Hinsicht gelungen, im Leben wie in der Architektur. Auf dem Kirchplatz am Tag der Weihe der umstrittenen und viel diskutierten Herz-Jesu-Kirche waren sogar Stimmen zu vernehmen, „man würde sich lieber in diesem hellen, offenen Haus Gott anvertrauen, als in einem dieser alten dunklen Steinhöhlen“.

Die Gemeinde um die Herz-Jesu-Kirche hat eine holprige Geschichte hinter sich bis sie endlich zu ihrer endgültigen Kirche kam, die im November 2000 eingeweiht wurde. Diese ist dem „glücklichem“ Umstand zu verdanken, dass am 26. November 1994 die alte, provisorische Kirche abbrannte. Ein Provisorium deshalb, weil die alte Kirche ursprünglich das ehemalige Kino der Wachmannschaften Adolf Hitlers am Obersalzberg war. Eine Holzkonstruktion, die 1949 von dort nach München gebracht wurde. Nachdem diese komplett ausgebrannt war, musste natürlich ein neuer Bau her. So wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen, an dem sich 158 Büros beteiligten, darunter auch renommierte Kirchenbauspezialisten, unter anderem der TU-München. Allmann Sattler Wappner, eigentlich Laien auf diesem Gebiet, konnten sich letztendlich mit Ihrem Entwurf bei der Jury durchsetzen, die teils aus Kirchenmännern, wie auch Beauftragten des Stadtbauamts Münchens bestand. Doch die Kirchengemeinde wollte diesen „modernen Glaskasten“, rund 50m lang und 16m hoch, zunächst nicht einfach so hinnehmen und ein Kampf der Prinzipien um das Wohl der Kirche begann. Es wurde hin und her diskutiert und gestritten, bis sich die Architekten durch Öffentlichkeitsarbeit, einer Info-Box und wöchentlichen Fragestunden der Gemeinde annäherten. Spätestens als der Bau vollendet war, hatten sie auch die letzten Zweifler überzeugt. Dabei behilflich war sicher auch ihr einfaches und eingängiges Konzept.

Beim Entwurf legten sie sich zunächst auf 3 Leitmotive „Images“ fest, auf die sie den gesamten Bau gründeten. Seine äußere Haut besteht aus einem Stahlgerüst das komplett mit Glas ausgekleidet ist. Sie symbolisiert die Transzendenz, dem Übergang vom Himmel zur Erde, also von Gott zu den Menschen. Hierbei wurde versucht, durch Veredelung des Glases, die Struktur eines Bergkristalls nachzuahmen. Das einfallende Licht sollte sich außen brechen, und innen gebündelt den Raum erhellen.

Das 2. Motiv ist der riesige „Cristo Redentor“ (Christus der Erlöser), der in Rio de Janeiro auf dem Berg „Corcovado“ thronend, schützend seine Arme über der Bucht ausbreitet. Er spiegelt sich wieder in dem etwa 16m hohen Tor an der kurzen Seite des Gebäudes, das bei Bedarf mittels Hydraulik-Antrieb zum Kirchplatz hin geöffnet werden kann. Bei diesem Spektakel teilt sich die komplette Seite in zwei Teile. Je ein Drittel schwenkt nach Innen, zwei Drittel strecken sich einladend nach Außen zu den Kirchenbesuchern hin. Als drittes Leitbild diente die Arche Noah. Sie entspricht der 2. Haut des Gebäudes, die den gesamten Innenraum der Kirche umschließt, und das Gefühl der Geborgenheit vermitteln soll. Eine Holzkonstruktion bestehend aus quadratischen Rahmen, in denen sich quergestellte Lamellen aus unbehandeltem Ahornholz befinden, leitet geschickt das von außen einfallende Licht ins Innere. Dabei haben es die Architekten geschafft, den Lichteinfall so zu steuern, dass er von hinten zum Altar hin immer intensiver, also heller wird. Diese Veränderung von dunkel nach hell spielt beim Gesamtkonzept der Architekten eine wichtige Rolle.

So ist zum Beispiel auch der Boden der Kirche einer Veränderung im Erscheinungsbild unterworfen. Geht man vom Kirchhof Richtung Altar, ist der Stein erst dunkel und wird dann Zone für Zone heller bis er dann, beim Altar angelangt, fast schneeweiß leuchtet. Dieser Effekt wurde durch eine unterschiedliche Behandlung ein und desselben Steins erzielt. So ist der Stein heller, wenn er unbehandelt, also ursprünglich ist und wird dunkler je gründlicher man ihn abschleift und veredelt.

Bemerkenswert ist auch die Sichtbetonkonstruktion auf der die mächtige Orgel ruht. Zwischen den breiten, sehr niedrigen Säulen entsteht ein fast beengender Raum durch den man ins Innere der Kirche gelangt. Ein dünner Betonstreifen sowie eine Ebene aus schwarzem Stoff bilden einen kontrastreichen Rahmen zu den silbern leuchtenden Pfeifen, die ein wenig an Darth Vader erinnern. Beim Verlassen der Kirche erscheint einem der ein paar Meter entfernte Kirchturm und seine Konstruktion aus Stahl und Draht wie alleingelassen, doch auch losgelöst von dem insgesamt eindrucksvollen Sakral-Bau. Seine leicht wirkende, stützenfreie Konstruktionsweise und der weite und offene Innenraum wirken durchdacht und bieten dem Kirchenbesucher eine gute Alternative zu den altehrwürdigen Gotteshäusern. Durch die Verwendung edler Materialien und die gelungene Steuerung der Lichtverhältnisse haben die Architekten es geschafft, sich von den teilweise katastrophalen Kirchenbauten der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts abzuheben und einen beispielhaften Bau für die Kirche der Zukunft entwickelt. --flol


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