Hans Goltz

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Der Buchhändler Hans Goltz (* 11. August 1873 in Elbing; † 21. Oktober 1927 in Baden-Baden) war ein Münchner Kunsthändler. 1910 übernahm er in München die Buch- und Kunsthandlung Ulrich Putze in der Brienner Straße 8, die er selbständig als Buch- und Kunsthandlung weiterführte und die sich im Laufe der Jahre zu einem Aufsehen erregenden Kunstzentrum entwickelte. Einen guten Ruf als Kunstkenner erwarb er sich mit den im eigenen Verlag herausgegebenen „Goltz-Bänden“, Büchern in Kleinstauflage und in von Künstlern handbemalten Einbänden der Kunstbuchbinder Carl Herkomer und Carl Sonntag jun.[1]

Vom 2. Februar bis zum 18. März 1912 fand hier die zweite, in der gehobenen Münchener Bevölkerung kontrovers aufgenommene, Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter unter dem Titel „Die zweite Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter Schwarz-Weiss“ statt. Franz Marc und Wassily Kandinsky waren zuvor aus der "Neuen Künstlervereinigung München" ausgetreten.[2]


Mit der Gründung der Galerie Neue Kunst – Hans Goltz in bester Lage,am Odeonsplatz unternahm Goltz im September 1912 den Schritt in den Kunsthandel. In mehr als 160 Ausstellungen versuchte Goltz in der Folgezeit, das Münchner Publikum mit der modernen Kunst des In- und Auslandes bekannt zu machen und präsentierte Gemälde, Grafiken, Skulpturen und Kunsthandwerk des Fauvismus, Kubismus und Expressionismus. Die fast unüberschaubare Anzahl der Künstler der Avantgarde reicht dabei in der alphabetischen Aufzählung von Hans Arp bis Emil Zoir.

Zahlreiche druckgrafische Mappenwerke, die bei ihm im Eigenverlag erschienen sind, sollten für die zusätzliche Verbreitung zeitgenössischer Kunst sorgen. Es fanden neben Ausstellungen auch Vorträge über neue Literatur statt. Else Lasker-Schüler und Franz Kafka zählten zu den Vortragenden. Kafka trug in der Buchhandlung Goltz seine einzige Lesung außerhalb Prags vor.

Nachwirkungen

Nach seinem Tod 1927 wurde die Firma von seiner Witwe Gertrud und seinem Sohn Hans-Joachim fortgeführt. Sie zogen 1928 wieder in die Brienner Straße 55 um und eröffneten dort das Goltz-Eck.

Der bayerische Schriftsteller Oskar Maria Graf hat ihm in seiner letzten Autobiografie „Gelächter von außen“ so geehrt: er sei der „berühmteste Pionier der modernen Kunst“.

In der Türkenstraße existierte bis Januar 2013 die Kunstbuchhandlung Goltz, die im Besitz seiner Familie war.[3]

Weblinks, Anmerkungen


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  1. Hans von Weber: Sortimenterbände. In: Der Zwiebelfisch, III. Jahrgang, Heft 2, Juni 1911, S. 69 f.
  2. Hans Goltz auf bad-bad.de
  3. siehe Franziska Hein: Ein Ort der Geschichten : Kafka hielt in der Buchhandlung Goltz seine einzige Lesung außerhalb Prags, auch Thomas Mann las dort auch seinen Werken vor - doch im Januar muss der Laden nach 150 Jahren schließen. Beim Inhaber hält sich die Wehmut in Grenzen. in: Süddeutsche Zeitung vom 12. Dezember 2012, Seite R 4