Bücherverbrennung

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In München kam es zu drei Bücherverbrennungen:

  • Am 6. Mai, durch die Hitlerjugend im Rahmen eines „Tages der (bayerischen) Jugend“ an der Feldherrnhalle. Dazu hatte die Führung der HJ ihre Gliederungen aufgefordert, „in sämtlichen Orten (…) eine Verbrennung aller marxistischer, pazifistischer Schriften und Bücher“ durchzuführen.
  • 10. Mai 1933 auf dem Königsplatz. Die groß organisierte Bücherverbrennung fand im Rahmen der deutschlandweiten „Aktion wider den undeutschen Geist“ durch die NS-Studentenorganisation statt. Nach der Regierungsgewalt sollten auch die Universitäten erobert werden. An ihr nahmen leider 50.000 Schaulustige teil. Sämtliche bayerischen Rundfunksender berichteten live darüber.
  • 1934 gab es eine separate Verbrennung der Bücher von Oskar Maria Graf.

Zu den indizierten Autoren gehörten u. a. Walter Benjamin, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Max Brod, Otto Dix, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Leonhard Frank, Sigmund Freud, Iwan Goll, George Grosz, Jaroslav Hašek, Heinrich Heine, Ödön von Horvath, Heinrich Eduard Jacob, Franz Kafka, Georg Kaiser, Erich Kästner, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Siegfried Kracauer, Karl Kraus, Theodor Lessing, Alexander Lernet-Holenia, Karl Liebknecht, Georg Lukács, Rosa Luxemburg, Heinrich Mann, Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Karl Marx, Robert Musil, Carl von Ossietzky, Erwin Piscator, Alfred Polgar, Erich Maria Remarque, Ludwig Renn, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Nelly Sachs, Felix Salten, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Carl Sternheim, Bertha von Suttner, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Jakob Wassermann, Franz Werfel, Grete Weiskopf, Arnold Zweig und Stefan Zweig.

Die Feuersprüche

Hier einige Beispiele der so genannten Feuersprüche, bei denen jeweils ein weiterer Stapel Bücher auf den lodernden Haufen geworfen wurden. Zitate:

1. Rufer
Gegen Klassenkampf und Materialismus, Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Marx und Kautsky.
2. Rufer
Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
3. Rufer
Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat. Für Hingabe in Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Friedhelm Förster.
4. Rufer
Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens. Für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.
5. Rufer
Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten. Für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.

Verfolgung der Autoren

Es blieb nicht bei den Büchern und den Verkaufs- und Berufsverboten, folgende Autoren starben im Konzentrationslager an den Folgen der Haftbedingungen oder wurden ermordet: Carl von Ossietzky und Erich Mühsam, Gertrud Kolmar, Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld, Arno Nadel und Georg Hermann, Theodor Wolff, Adam Kuckhoff, Rudolf Hilferding.

Viele andere wurden ausgebürgert (wie Ernst Toller und Kurt Tucholsky), oder zur Flucht ins Exil gezwungen, wie Walter Mehring und Arnold Zweig. Wer bereits ins Ausland gelangt war, dem wurde die Staatsbürgerschaft weggenommen (aberkannt).

Aber auch die Nichtausgebürgerten litten. Erich Kästner schrieb dazu: „Man ist ein lebender Leichnam.“ Viele verzweifelten und nahmen sich in der Emigration das Leben, so Walter Hasenclever, Ernst Weiss, Carl Einstein, Walter Benjamin, Ernst Toller und Stefan Zweig.

Was steht dazu in der Stadtchronik?

Die Chronik vom 10. Mai notiert: „19.45 Uhr: Akademische Feier der NS-Revolution in der Universität. Ansprache der Rektoren Geh. Rat Prof. Dr. Leo Ritter von Zumbusch und Prof. Dr. Schacher (TH) zur Übergabe des von der Bayerischen Staatsregierung gegebenen Studentenrechts an die Führer der Studentenschaft [...]

Festrede des Kultusministers Hans Schemm über die Entwicklung und Umwandlung des vergangenen Maschinen- und Verstandszeitalters in ein ‚Seelen-, Gemüts- und Rassenzeitalter‘. Appell an das Verantwortungsbewußtsein [...]

22.30 Uhr Fackelzug der gesamten Studentenschaft vorbei an der mit einer roten Flammenkette geschmückten Feldherrenhalle zur öffentlichen Feier auf dem mit Flaggen und girlandenbekränzten Pylonen festlich ausgestatteten Königsplatz.

In Anlehnung an des ‚Wartburgfest‘ Verbrennung von volkszersetzenden Schriften kommunistischer, marxistischer, pazifistischer Haltung (vielfach aus jüdischer Feder stammend) als Symbol der Abkehr vom undeutschen Geist [...]“

Literatur

  • Ulrich Walberer (Hrsg.): 10. Mai 1933. Bücherverbrennung in Deutschland und die Folgen. Frankfurt/Main, 1983.
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Bücherverbrennung Mai 1933 – Geschichte und Wirkung,.Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 51. Jahrgang 2003.
  • Anselm Faust: Die Hochschulen und der „undeutsche Geist“. Die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 und ihre Vorgeschichte. In: Hermann Haarmann u.a. (Hrsg.), „Das war ein Vorspiel nur…“. Bücherverbrennung in Deutschland 1933: Voraussetzungen und Folgen, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Akademie der Künste vom 8. Mai bis 3. Juli 1983. Berlin, 1983.

Siehe auch

Weblinks

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