Atelier Josef Thorak

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In der Waldstraße 17 in Baldham, einem Ortsteil von Vaterstetten, im Osten Münchens ließ Albert Speer zwischen 1938 und 1941 ein Staatsatelier für Josef ThorakW errichten. Thorak war neben Arno Breker einer der prominenten Bildhauer des Nazi-Reiches. Von ihm stammten u.a. die Skulpturen des Olympiageländes in Berlin und die Plastiken des deutschen Pavillons auf der Weltausstellung 1937 in Paris und noch 1944 ein Hitler-Kopf für die SS. „Eines der dunkelsten Kapitel war Thoraks Funktion als künstlerischer Berater der SS-eigenen Porzellanmanufaktur Allach auf dem Gelände des Konzentrationslagers Dachau, wo er persönlich die KZ-Häftlinge bei ihrer Arbeit in der Fabrik inspizierte“, sagt die Salzburger Wissenschaftlerin und Autorin Susanne Rolinek, die das erst vor einigen Jahren herausgefunden hat. Thorak überstand die Entnazifizierung nach dem Krieg fast unbehelligt: Die Spruchkammer München sprach ihn im Mai 1948 als „nicht betroffen“ praktisch frei. Zwei Berufungsverfahren dagegen, die 1949 und 1951 angestrengt wurden, endeten mit demselben Urteil.

Das Atelier besteht aus einem zentralen Baukörper mit einer Höhe von 16 Meter und einer Grundfläche von 700 m². An der Frontseite öffnen sich drei gewaltige Tore, die für Monumentalstatuen Durchlass ermöglichen sollten.

Die drei anderen Seiten der Werkhalle sind von einem niedrigen Anbau umschlossen.

Im großen Park der Anlage befanden sich neben dem Wohnhaus des NS-"Staatskünstlers" Unterkünfte für die Angestellten und Stallungen für die Pferde, die dem Künstler als Modelle dienten.

Kapitulationssaal

In dem Anbau befindet sich auch der so genannte "Kapitulationssaal", in dem 1945 die Kapitulationsverhandlungen der Wehrmachts-Heeresgruppe G geführt wurden. Am 5. Mai 1945 trafen sich nach Hitlers Selbsttötung hier die Delegationen der deutschen Wehrmacht und der 7. US-Armee, um über die Kapitulation der 200.000 deutschen Soldaten in Süddeutschland noch vor der Gesamtkapitulation zu verhandeln.

Die Unterzeichnung dieser Teilkapitulation erfolgte dann in einem Gebäude der Hitlerjugend in Haar (heute von der Konradschule genutzt).

Nach 1945

Nach 1945 diente das Gebäude den Amerikanern als Garage und Offizierskasino und bekam wegen Thoraks Pferdeskulpturen den Beinamen „White Horse Inn“. Die Skulpturen hatten die Amerikaner im Park aufgestellt und bei ihrem Abzug 1947 zerschossen.

Anschließend war bis 1954 die Baldhamer Waldschule untergebracht. Dann nutzte die Divina Filmgesellschaft das Gelände für Dreharbeiten. Von 1963 bis 1983 nutzte die Bayerische Staatsoper das Gelände als Kulissenlager.

1989 übernahm das Denkmalamt das Gebäude als Depot. Es steht unter Denkmalschutz.

2020 klagt die Bundesrepublik Deutschland gegen einen Unternehmer in der pfälzischen Stadt Bad Dürkheim auf Herausgabe von zwei Bronze-Pferden und vier Bronzeskulpturen des Künstlers Josef Thorak beim Landgericht Frankenthal. Die Bundesrepublik berufe sich darauf, dass die Skulpturen bei der Wiedervereinigung durch den Einigungsvertrag Bundeseigentum geworden seien. Es geht um 2015 in einer Lagerhalle in Bad Dürkheim entdeckte NS-Kunst. Sie war seinerzeit bei einer Razzia wegen des Verdachts der Hehlerei an rechtswidrig erlangtem Bundesvermögen gefunden worden. Die überlebensgroßen Bronze-Pferde „Schreitenden Pferde“ standen einst vor der Reichskanzlei Hitlers in Berlin. Gefunden wurden in Bad Dürkheim auch Werke der NS-Bildhauer Arno Breker und Fritz Klimsch.

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