Anton Baumgartner

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Anton Baumgartner ( * 4. September 1761 in München; † 30. März 1831 in ebenda ) war ein Münchner Jurist, Polizeipräsident, Baubeamter und Münchner Stadtchronist.

Er studierte, als die Universität noch in Ingolstadt war.

1783 war er Auditor beim kurfürstlichen Leibregiment in München und zugleich als Assessor beim Justizdepartement im Hofkriegsrat.

Auf Veranlassung seines Gönners Benjamin Thompson, bekannter als Graf Rumford wurde Baumgartner 1790 Hofkriegsjustizrat und 1797 zusammen mit Josef Marius von BaboW und Felix Joseph von LipowskyW Oberpolizeikommissär.

Im Zuge der Organisation der Generallandesdirektion unter Herzog Maximilian I. Joseph (später König von Napoleons Gnaden), von 1799, dem Todesjahr von Karl II. bis 1805, war Baumgartner als Stadtpolizeidirektor, Vorstand der Deputation für die Polizeigeschäfte.

Durch zahreiche Polizeierlasse zur Durchführung der Säkularisation: Klosteraufhebung, Verbot der mitternächtlichen Weihnachtsmetten, der Feiertage und Wallfahrten,  machte er sich bei den Münchner Bevölkerung unbeliebt.

»Im Innern eines solchen Staates gab es tatsächlich nur Polizei und nicht mehr Politik« 

Mit Rumford tat er viel für die Armen, als Polizeidirektor von München errichte er in München ein Polizei-Versatzamt, damit Verarmte ihr Eigentum beleihen konnten. 1805 Veröffentlichte er eine Übersicht über die Münchner Polizei.

In einer Vormerkung vom 30. Juli 1805 gab er seine Selbstwahrnehmung preis:

„Hercules dürfte eine leichteres Geschäft gehabt haben, Augias Stall zu reinigen, als das Geschäft des Titl. Baumgartner ist, eine ganz in Unordnung gerathene und Jahre lang in selber erhaltene Polizey-Registratur wieder in Ordnung zu bringen.“

Als Polizeidirektor wurde er abgelöst, als der Polizei niemand mehr etwas lieferte, da er eine ausreichende Amtsverschuldung angehäuft hatte.

Anschließend wurde er als Baukommissionsrat beschäftigt und hat als solcher eine statistische Beschreibung von München verfasst.

Am 14. Januar 1823, beim Brand des Residenztheater war er vor Ort und löschte mit Bier aus dem Hofbräuhaus am Platzl.

Chronist des Schäfflertanzes

1830 brachte der Königliche Baurat Anton Baumgartner die Jahreszahl 1517 in einer stadtgeschichtlichen Broschüre ins Gespräch für den Beginn des Schäfflertanzes. Dabei knüpfte er eine Verbindung zu einem Pestbild des spätgotischen Malers Jan PollackW, das im Alten Peter hängt und auf das Jahr 1517 datiert ist.

Nicht aufgenommen hatte Friedrich Panzer in Bayerische Sagen und Bräuche, das Pestjahr 1517 unter dessen Einfluss Jan Pollack das berühmte Pestbild von St. Peter schuf. Der Münchner Stadtchronist Anton Baumgartner, der 1830 dieses Bild beschrieb, bemerkte dazu: Und so darf ich meiner bereits dargestellten Behauptung treu bleiben, daß die Schäffler diejenigen waren, welche nach der schweren Pest (7) ihre alten Handwerksgebräuche wieder hervorsuchten.

»An Berg und Thal, und die großen Ländereyen gränzen die Flüße, und alle Welttheile sind mit dem Meere umgeben. Da mag denn wohl der Erschaffer der Welt der erste Schäfflermeister gewesen sein, indem Er alle Meere zwischen die Felsen der Erde, wie ein Schäffel hinein geschüttet hat, und die Erde selbst mit ihren Flüssigkeiten, wie ein großes offenes Faß unaufhörliche so um die Sonne herumkugeln läßt, ohne einen Tropfen davon zu verschütten. ... »Das Handwerk der Schäffler ist lobenswerth, Weil von ihnen St. Florian und Korbinian wird verehrt.

»Schon seit den ältesten Zeiten, besonders seit den Zeiten der Römer war man immer darauf bedacht, die über eine Stadt hereingebrochenen mannigfaltigen Unglücksfälle durch öffentliche Festlichkeiten wieder in etwas zu mildern. Dieses habe ich in meiner in den Druck gelegten Beschreibung der Gelegenheit des Metzgersprunges in den Fischbrunnen 1826 deutlich auseinandergesetzt, wo ich durch diese Lustbarkeit von der Pest befreyen, sondern lediglich, daß sie nach der Pest das Publikum wieder zutraulich machen, und ergötzen wollten. Herr Zentralrath von Lipowsky hat in seiner Beschreibung des Schäflertanzes bey Gelelgenheit des Bildes, welches in der Herrmannischen und Barthildischen Kunsthandlung den geschmackvollen bayerischen National-Kostüms beygelegt worden ist, einer Pest unter dem Könige Ruma Pompilius in Rom erwähnt, worauf die öffentlichen Tänze der Salischen Jungfrauen erfolgt sind, unt das Publikum wieder zu ermuthigen. - Und so darf ich denn meine bereits dargestellten Behauptung getreu bleiben, daß die Schäffler diejenigen waren, welche nach der schweren Pest (7) ihre alten Handwerksgebräuche wieder hervorsuchten, um nebst den Metzgern das durch den langen Sterb noch übrig gebliebene ganz in Schrecken gejagte Publikum wieder aus den Häusern hervorzulocken, und einander zutraulicher zu machen. Die alte Urkunde, welche die bürgerl. Metzger darüber besassen, haben dieselben Seiner Majestät dem Könige Maximilian Joseph eingeliefert. - Nach und nach wurde die Verfügung getroffen, daßdiesr belustigende Schäfflertanz alle 7 Jahre gehalten werden soll. Besonders merkwürdig war dieser Tanz im Jahre 1795 den 9. Febr. Am vorabende, adl Churfürst Carl Theodor den 10. darauf zu seiner zweyten Vermählung nach Innsbruck abreiste, indem der damalige erste Reifenschwinger Sebastian Zahler gegenwärtig bürgerl. Kassetier die Gesundheit af Karl Theodor durchlauchtigste Braut, die k.k. Erzherzoginn Leopoldina zum allgemeinen Vergnügen ausbrachte. Seit dieser Zeit ist diese Volkslustbarkeit in diesem Jahrhunderte 1802-1809-1816 und 1823 von Ihre Maj., König Maximilian Joseph und der Frau Königin Carolina auf das huldreichste aufgenommen worden, und mit der größten Zufriedenheit des Publikums vor sich gegangen; und mehren gegenwärtigen Herren Meistern ist es noch auf den heutigen Tag ein Genuß, damals als Gesellen den Reifen geschwungen zu haben. Se. Maj. Unser hochherziger König Ludwig, welcher das Alterthümliche in so ferne es dem gemeinen Wesen einigermassen nützlich ist, seines erhabenen Schutzes auf das großmütihigste würdiget, hat den dessen höchsterfreulicher Anwesenheit in Augburg 1829 alle Zunft-Gebräuche vorüberpassieren, und auch den gemüthlichen Schäfflertanz mitten unter dem zahlreichen Publikum auf dem Frohnhofe vor seinem allerhöchsten Augen aufführen lassen. 8) So wagen es denn die Schäffler heuer als am sibten Jahre wieder, den ersten ihrer Züge nach erfolgter allerhöchster Erlaubniß unter Ludwigs huldreichsten Regierung vor Ihm aufzuführen, und während der letzten Wochen des Karnevals in der Stadt damit fortzufahren.«

Was aber machte die Schäfflerzunft so bedürftig für diese Konfliktkommunikation? Ein ein Geschäftsmodell, das die schmiedeeisenen teuren Reifen der Weißgeschirrschäfler im Eigentum der Schäffler blieben und für sieben Jahre geleast waren und siebenjährlich die Schäfflergesellen razziaartig alle Straßen innerhalb des Burgfriedens durchzogen und die Reifen von den Schaffeln schlugen und einsammelten. Der Tanz ist vollbracht der Reifen hat gekracht.

Weblinks

Werke

  • Polizey-Uebersicht von München: vom Monat Dezember 1804 bis zum Monat April 1805. Nebst 52 Kupferstichen mehrere Kirchen, Gebäude, Nationalgebräuche und Gewerbe vorstellend und beschreibend von Anton Baumgartner königlich-bayrischer wirklichem Rathe.] München 1805 verlegt bey Joseph Zängl, bürgerlichem stadtbuchdrucker auf dem Färbergraben Hs° 111. (Eine Übersicht bis hin zur Retirade mit Detailkenntnis, die erst wieder mit der Rabatdatenbank erreicht wurde.)
  • Ansichten und Empfindungen bey Gelegenheit der baierischen Oktober-Nationalfeste in München, 1812, gedruckt in der Lindauerschen Buchdruekrey
  • Nekrolog auf Heinrich Karl von Fischer, k. b. Baurath und Professor 1820
  • Beschreibung der Fronleichnams Procession in der königl. Baier. Haupt- und Residenz-Stadt München, dann der bürgerlichen Estandarten, und Bruderschaften, welche sie begleiten, nebst mehrer ihrer historischen Notitzen. 1822, Gedruck und zu haben bey Ignatz Joseph Leutner.
  • Ehren-Gedächtniß für den verstorbenen Buchdrucker Franz Seraph, 1822
  • Beschreibung des Brandes im königlich-baierischen großen Hof- und Nationaltheater den 14. Jänner 1823 nebst der Darstellung der Mittel, welche zur Rettung der Umgebungen ergriffen sind, mit einem Situationsplane von dem königlich bayrischen Baurathe Anton Baumgartner, München gedruckt bey Franz Seraphim Hübschmann. 1823
  • Feyerliches Leichenbegängniß Seiner Königlichen Hoheit des den 21. Februar 1824 verstorbenen Herzogs Eugen von Leuchtenberg Fürstens zu Eichstädt, nebst den wichtigsten Momenten seines Lebens, und Nachrichten über die in der Fürstengruft der St. Michaels = Hofkirche beygesetzten fürstlichen Leichen. Eugène de Beauharnais