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Dienstag 13. Mai 1913 - General Anzgeiger - Münchner Neuesten Nachrichten. | Dienstag 13. Mai 1913 - General Anzgeiger - Münchner Neuesten Nachrichten. | ||
Der Sendlingertorplatz einst und jetzt; | Der Sendlingertorplatz einst und jetzt; | ||
Wenn ein Fremdling etwa um das Jahr 1700 von Sendling herein nach München wollte, so var das keine so einfache Sache wie heutzutage, München war noch eine Festung mit all den damals üblichen Eintritts-Hinderinissen. Da wurde man, wie Dr. Karl Trautmann mitteilt, an dem Pallisaden-Zaun, der vor den hohen Erdwällen der, Festungswerke sich hinzog, zuerst von zwei Wachtposten empfangen, deren einer den Fremden durch eine zweite Schranke zum Torwärterhaus geleitete, wo der Fremde über das Woher-, und Wohin Red' und Antwort stehen mußte und die Ausweispapiere streng geprüft wurden. Dann ging's zum Wachthaus, wo man nochmals befragt wurde; und nun stand der Weg offen zum jetzigen Sendlingertor, bei dem wieder eine Wache strenge Aufsicht übte. Hatte man auch diese letzte Prüfung überstanden, konnte man ungehindert seines Weges ziehen. | |||
So war es an hellichten Tage. Wenn es aber zu dämmern begann und vom Frauenturm die Sperrglocke gellte, dann wurden die Tore zwar nicht geschlossen, aber jeer Passant mußte zwei Kreuzer Sperrgeld bezahlen. Und wer etwa mit seinem Schnauzel aus seinem Spaziergang sich verspätet hatte oder hoch zu Roß des Weges kam, der mußte noch zwei Extra-Kreuzer entrichten. Wenn es aber im Winter 9 Uhr und im Sommer 10 Uhr geschlagen, dann wurden die Tore geschlossen und es gab in der ganzen Stadtumwallung nur mehr eine Pforte, durch die man einpassieren konnte, nachdem man 2. Kreuzer Sperrgeld bezahlt hatte: diese Pforte hieß „Der Einlaß", noch heute erinnert der Name einer Straße östlich der Schrannenhalle daran. Die Torsperre wurde mit aller Strenge gehandbabt und sie galt für Jedermann, ohne Unterschied des Standes. Selbst Kurfürst Max III. Joseph mußte, als er von einer fröhlichen Jagd verspätet heimkehrte, um die Stadt herum zum Einlaß reiten und hier für sich, seine Kavaliere, Pfterde und Hunde das Sperrgeld entrichten. | |||
Wie es auf dem Sendlingertorplatz etwa um das Jahr 1760 ausgesehen haben mag, das zeigt das großes Oelgemälde des Münchner Malers Johann Zächenberger, das ehedem im Wartesaal des Standesamtes am Petersplatz hieng. Was auf der Zeichnung besonders ins Auge fällt, das ist die alte Deckung des Sendlingertores durch eine große doppelte Erdbastion, die fast die ganze Fläche des heutigen Platzes einnahm und den Namen „Die Schanz" trug, gekrönt von einem massiven hochragenden Pulverturm. Und vor diesem gewaltigen Erdhaufen jenseits des freien felds reihten sich in buntem Wechsel Städel, Gärten, Krautäcker, und die ausgedehnten Hopfenpflanzungen der Bierbrauer, wovon 16 Felder sich bereits um das Jahr 1575 vor dem Sendlingertor ausbreiteten. | Wie es auf dem Sendlingertorplatz etwa um das Jahr 1760 ausgesehen haben mag, das zeigt das großes Oelgemälde des Münchner Malers Johann Zächenberger, das ehedem im Wartesaal des Standesamtes am Petersplatz hieng. Was auf der Zeichnung besonders ins Auge fällt, das ist die alte Deckung des Sendlingertores durch eine große doppelte Erdbastion, die fast die ganze Fläche des heutigen Platzes einnahm und den Namen „Die Schanz" trug, gekrönt von einem massiven hochragenden Pulverturm. Und vor diesem gewaltigen Erdhaufen jenseits des freien felds reihten sich in buntem Wechsel Städel, Gärten, Krautäcker, und die ausgedehnten Hopfenpflanzungen der Bierbrauer, wovon 16 Felder sich bereits um das Jahr 1575 vor dem Sendlingertor ausbreiteten. | ||
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