Bücherverbrennung: Unterschied zwischen den Versionen

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In [[München]] kam es zu drei '''Bücherverbrennungen''':
#redirect[[Bücherverbrennung durch die Nazis 1933]]
* Am 6. Mai, durch die [[NSDAP|Hitlerjugend]] im Rahmen eines „Tages der bayerischen Jugend“. Dazu hatte die Führung der HJ ihre Gliederungen aufgefordert, „in sämtlichen Orten (…) eine Verbrennung aller marxistischer, pazifistischer Schriften und Bücher“ durchzuführen.
 
* 10. Mai 1933 auf dem [[Königsplatz]]. Die groß organisierte Bücherverbrennung fand im Rahmen der deutschlandweiten „Aktion wider den undeutschen Geist“ durch die NS-Studentenorganisation statt. Nach der Regierungsgewalt sollten auch die Universitäten erobert werden. An ihr nahmen leider 50.000 Schaulustige teil. Sämtliche bayerischen Rundfunksender berichteten live darüber.
* [[1934]] gab es eine separate Verbrennung der Bücher von [[Oskar Maria Graf]].
 
Zu den indizierten Autoren gehörten u. a. Walter Benjamin, Ernst Bloch, [[Bertolt Brecht]], Max Brod, Otto Dix, Alfred Döblin, [[Albert Einstein]], [[Lion Feuchtwanger]], [[Marieluise Fleißer]], [[Leonhard Frank]], Sigmund Freud, Iwan Goll, George Grosz, Jaroslav Hašek, [[Heinrich Heine]], Ödön von Horvath, Heinrich Eduard Jacob, [[Franz Kafka]], Georg Kaiser, [[Erich Kästner]], Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Siegfried Kracauer, Karl Kraus, Theodor Lessing, Alexander Lernet-Holenia, Karl Liebknecht, Georg Lukács, Rosa Luxemburg, [[Heinrich Mann]], [[Klaus Mann]], Ludwig Marcuse, Karl Marx, Robert Musil, [[Carl von Ossietzky]], Erwin Piscator, Alfred Polgar, Erich Maria Remarque, Ludwig Renn, [[Joachim Ringelnatz]], Joseph Roth, Nelly Sachs, Felix Salten, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Carl Sternheim, Bertha von Suttner, [[Ernst Toller]], [[Kurt Tucholsky]], Jakob Wassermann, Franz Werfel, Grete Weiskopf, Arnold Zweig und [[Stefan Zweig]].
 
==Die Feuersprüche==
Hier einige Beispiele der so genannten ''Feuersprüche,'' bei denen jeweils ein weiterer Stapel Bücher auf den lodernden Haufen geworfen wurden. Zitate:
 
;1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Marx und Kautsky.
;2. Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
;3. Rufer: Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat. Für Hingabe in Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Friedhelm Förster.
;4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens. Für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.
;5. Rufer: Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten. Für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.
 
== Verfolgung der Autoren ==
Es blieb nicht bei den Büchern und den Verkaufs- und Berufsverboten, folgende Autoren starben im Konzentrationslager an den Folgen der Haftbedingungen oder wurden ermordet: [[Carl von Ossietzky]] und [[Erich Mühsam]], Gertrud Kolmar, Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld, Arno Nadel und Georg Hermann, Theodor Wolff, Adam Kuckhoff, Rudolf Hilferding.
 
Viele andere wurden ausgebürgert (wie [[Ernst Toller]] und [[Kurt Tucholsky]]), oder zur Flucht ins Exil gezwungen, wie Walter Mehring und Arnold Zweig. Wer bereits ins Ausland gelangt war, dem wurde die Staatsbürgerschaft weggenommen (aberkannt).
 
Aber auch die Nichtausgebürgerten litten. [[Erich Kästner]] schrieb dazu: „Man ist ein lebender Leichnam.“ Viele verzweifelten und nahmen sich in der Emigration das Leben, so Walter Hasenclever, Ernst Weiss, Carl Einstein, Walter Benjamin, Ernst Toller und [[Stefan Zweig]].
 
==Literatur==
* Ulrich Walberer (Hrsg.): ''10. Mai 1933. Bücherverbrennung in Deutschland und die Folgen.'' Frankfurt/Main, 1983.
* Wolfgang Benz (Hrsg.): ''Bücherverbrennung Mai 1933 – Geschichte und Wirkung,.''Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 51. Jahrgang 2003.
* Anselm Faust: ''Die Hochschulen und der „undeutsche Geist“. Die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 und ihre Vorgeschichte.'' In: Hermann Haarmann u.a. (Hrsg.), ''„Das war ein Vorspiel nur…“. Bücherverbrennung in Deutschland 1933: Voraussetzungen und Folgen, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Akademie der Künste vom 8. Mai bis 3. Juli 1983.'' Berlin, 1983.
 
==Siehe auch==
* die Ausstellung (Anprangerung) von den Nazis herabgesetzter [[Entartete Kunst|"entarteten Kunst"]]
 
== Weblinks ==
* [http://www.dhm.de/ausstellungen/holocaust/r2.htm Rundfunkübertragung Berliner Opernplatz] (Deutsches Historisches Museum)
* [http://www.hdbg.de/gfh/geschichte-frei-haus_themen_buecherverbrennung.php Artikel bei "Haus der Bayerischen Geschichte"]
* [http://www.verbrannte-buecher.de/t3/index.php?id=54 Ausführliche Dokumentation] (Moses Mendelssohn Zentrum)
 
{{Wikipedia-Artikel|Bücherverbrennung 1933 in Deutschland}}
 
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Nationalsozialismus]]

Aktuelle Version vom 11. Juni 2023, 23:15 Uhr