Villa Bechtolsheim
Das als Villa Bechtolsheim bekannt gewordene Wohnhaus an der Maria-Theresia-Straße 27 in Bogenhausen ist vermutlich der älteste noch erhaltenen Jugendstilbau in München.
Das Wohnhaus wurde 1896 bis 1898 für Freiherr Clemens von Bechtolsheim nach Planung und Entwurf durch den Architekten Martin Dülfer auf damals ausgeschriebenem Bauland errichtet. Das Dekor der Fassade, Gitter und Geländer entstand nach Entwürfen von Richard Riemerschmid. Die Gitter- und Kunstschlosserarbeiten entstanden im Betrieb des Friedrich Grohmann an der Schießstättstraße, die Stuckarbeiten führte der im Jahr 1900 in Liquitation geratene Guss-Stuckspezialbetrieb, Alfred Völker von der Plinganserstraße durch. Im November 1898 unternahmen über 50 Mitglieder des Kunstgewerbevereins unter der Leitung von Paul Pfann, Günther Blumentritt und dem Architekten Martin Dülfer eine Führung durch das neu erbaute Haus.
Da das Bauwerk einen in Stampfbeton ausgeführten Hochkeller besitzt, deren Kellerfenster sich über dem Niveau des Gartens befinden, ergibt sich ein Hochparterre. Von hier geht es zu allen Gesellschaftsräumen von einer achteckigen, zentralen Halle aus, deren abgeschrägte Ecken als Verteilerräume oder als Zugänge zu den Salons genutzt werden. Durch Entfernung von nur zwei Glastrennwänden konnte das Treppenhaus mit der Halle und dem Wintergarten zu einem Raum von etwa 15 m Länge verbunden werden. Im Obergeschoss befanden sich die Schlafräume und im Dachgeschoss die Dienstbotenzimmer. Das Turmzimmer bietet Ausblick auf die Maximiliansanlagen. In den schmiedeeisernen Geländern an den Balkonen und den Stukkaturen finden sich die Blumenornamente des Jugendstils. Das Dach war bis auf die Haube des ovalen Turms mit roten Ziegeln gedeckt. Nach 1973 wurden die Dachplatten an den unteren, sehr steil abfallenden Passagen, durch gestrichene Blechtafeln ersetzt.
In den 1950er-Jahren wohnte im Erdgeschoss der Dirigent Hans Knappertsbusch.
Die Restaurierung der Villa nach 1970 orientierte sich weitgehend am Originalzustand und erhielt damals einen der ersten Fassadenpreise der Stadt. Die Villa steht heute unter Denkmalschutz. Der sich an der Straße entlangziehende, zwischen den hoch aufragenden Betonstützen befestigte und aus Metall gefertigte Zaun, war mit auf den Füllstäben montierten in Jugendstilformen geschwungenen Rankwerk ausgekleidet. Diese sind nicht erhalten. Ab dem Jahr 2022 wurde das Gebäude renoviert und der Garten neu angelegt. Die Arbeiten waren im Herbst 2025 abgeschlossen. Das ehemals als Einfamilienhaus geplante und ausgeführte Bauwerk wird nur mehr als Prestige-Bürozentrale genutzt, einen richtigen Anwohner gibt es nicht mehr. Das im 2. Weltkrieg nicht zerstörte Nachbarhaus, Maria-Theresia-Straße 26, wurde im Jahr 1969 abgetragen, und nachmals durch ein mehrstöckiges, in Betonplattenbauweise ausgeführtes Mietshaus ersetzt.
Quellen und Literatur
- Dieter Klein, Petzet, Hemmeter: Martin Dülfer - Wegbereiter der Deutschen Jugendstilarchitektur. Arbeitsheft 8 des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege, München Lipp Verlag, (Auflagen - 1981, 1993, 2000, 2008 (S. 109-112)
- Münchner Architektur - Das Werk des Architekten Martin Dülfer. in Oberbayerisches Archiv, 109. Band, 2. Heft, München, 1984
- Architektonische Rundschau - Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 18 - 1902. Heft 2, S. 14, Fotos, Beschreibung des Baus.