Regierung in Bamberg

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Für das Amt des Ministerpräsidenten kam 1919 als einziger der bisherige Kultusminister und stellvertretende Ministerpräsident Johannes Hoffmann (1867-1930) in Frage, da er Mehrheitssozialist war, dabei als Vertreter des linken Flügels eingeschätzt wurde, gleichzeitig jedoch strikter Anhänger des Parlamentarismus war.

Am 10. März legten die Vertreter der an der Regierungsbildung beteiligten Parteien zusammen mit dem Aktionsausschuss die Ministerliste endgültig fest, die aus vier Mehrheitssozialdemokraten, zwei Unabhängigen Sozialdemokraten und zwei Fachministern bestehen sollte.


Letztere waren unstrittig der auch vom Rätekongress vorgesehene parteilose Heinrich von Frauendorfer (1855-1921) als Verkehrsminister sowie ein vom Bauernbund zu benennender Vertreter als Landwirtschaftsminister.


Von den Unabhängigen kamen als Minister in erster Linie Josef Simon (1865-1949) und Hans Unterleitner (1890-1971) in Frage, die zu den wichtigsten Vertretern ihrer Partei gehörten: Ersterer stand als ehemaliger Reichs- und Landtagsabgeordneter sowie in der Gewerkschaftsbewegung an prominenter Stelle, letzterer hatte bereits unter Eisner amtiert.


Von den Mehrheitssozialdemokraten war der Würzburger SPD-Vorsitzende Fritz Endres (1877-1963) schon bei den Diskussionen im Rätekongress umstandslos als Justizminister genannt und allseits akzeptiert worden. Der künftige Minister für soziale Angelegenheiten Martin Segitz war einer der profiliertesten Mehrheitssozialdemokraten, der sich als Staatskommissar für Demobilmachung breiten Respekt verschafft hatte und in keiner der in diesen Tagen kursierenden Namenslisten fehlte.


Damit stand das Kabinett von vornherein weitgehend fest. Für weitere SPD-Vertreter, die grundsätzlich als ministrabel galten, war unter diesen Voraussetzungen kein Ressort mehr frei. Wirklich umstritten war nur die Besetzung des Ministeriums für militärische Angelegenheiten. Der vom Rätekongress ausersehene und faktisch amtierende Richard Scheid (1876-1962) kam als USPD-Mitglied nicht mehr in Frage. Schon der Zentralrat hatte dem Rätekongress Ernst Schneppenhorst (1881-1945) vorgeschlagen, der zu den führenden Nürnberger Mehrheitssozialdemokraten gehörte. Obwohl er bei vielen Rätevertretern für einen Vorreiter der Gegenrevolution gehalten wurde, hielt die SPD-Führung starr an ihm fest.

Entscheidend dafür waren der starke Rückhalt Schneppenhorsts bei den Nürnberger Soldatenräten und die notwendige Berücksichtigung der Parteihochburg Nürnberg.


Nach der Ausrufung der Räterepublik verließen die USPD-Mitglieder Simon und Unterleitner das Kabinett, das mit Hoffmann seinen Sitz nach Bamberg verlegte und dort erstmals am 12. April tagte. Der Finanz- und Beamtenminister Karl Neumaier (1873-1947), der in München blieb, wurde kommissarisch durch einen SPD-Vertreter ersetzt.


Quelle: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kabinett_Hoffmann_I,_1919