Diskussion:Maria-Theresia-Straße
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Hausnummer 28
- März 1909 ; Ein städtischer Familiensitz. Unter den vornehmen Familienhäusern aus der Höhe von Bogenhausen, die wir neulich als neu entstanden erwähnt haben, wollen wir dem Neubau Nr. 28 am Ende der Maria-Theresia-Straße, wo diese sich allmählich in das parkartige Gebiet um Neuberghausen verliert, einen intimeren Besuch abstatten. Er ist nach guten modernen Grundsätzen entworfen und ausgeführt. Nach außen ist dieser Grundsatz: eine sozusagen sozialempfundene Architektur, die sich neben, nicht über die anderen stellt, eine Individualisierung durch vornehme Zurückgezogenheit mit einfacher kräftiger Formensprache sucht. Es sind ähnliche Momente, wie wir sie auch an verschiedenen Miethäusern in Schwabing und Bogenhausen von dem nämlichen Erbauer gewahren, dem Architekten Max Langheinrich. Die äußere Erscheinung des Hauses ist im wesentlichen ein Kubus mit rings abgewalmtem Mansarddach, Dreigliederung und leichten Profilen. Die beiden Flügel nämlich, zu beiden Seiten des dreifenstrigen Mitteltraktes mit dem kräftig vorspringenden Portalsäulenbogen, sind nach vorn in leichten Vorrundungen, aparter Fensterbehandlung und flacher Bogengestaltung des Hauptgesimses erkennbar. Gegen den architektonisch behandelten, in einem symmetrisch angeordneten, offenen Gartenhaus und einem Zierbrunnen von Bildhauer Beyrer konzentrierten Garten (Anlage von Möhl und Schnitzlein) springen diese Flügel, eine kräftige Rücklage bildend, vor und vereinigen sich wit der zweitreppigen Terrasse und einem runden Verandavorbau zu einem reicher bewegten und gut zusammenhaltenden Bild. Die Steinmetz- und Bildhauer-Arbeiten wurden von M. Gasteiger ausgeführt. Im Innern finden wir eine klare Raumdisposition, indem in der Mitte des Hauses die Vorhalle mit Kleiderablage, Diele und Veranda hintereinander liegen, zur rechten das Arbeitszimmer des Herrn, die Bibliothek und das Zimmer der Dame, zur linken die Gruppe der inneren und äußeren Treppenanlage, die Nische mit dem Flügel, Serviceraum und Speisezimmer. Konzentriertes Behagen atmet die in Eiche gehaltene, schwergedeckte Diele mit dem großen eisernen Reifenlüster und der Plauderecke am Marmorkamin. Aus eine lichtere Freundlichkeit ist das Speisezimmer gestimmt, ebenfalls in Eiche: mit Zurückhaltung sind geschwungene Linien als Vertikalabschlüsse verwendet; das Büfett ist eingebaut: der bunte Eisenlüster ist zweiteilig für große und kleine Beleuchtung. Bronzearbeiten und Beleuchtungskörper wurden ausgeführt von Wilhelm & Co. und Heck und Sohn. Das Zimmer des Herrn wie der Dame, hier leichter und heller in altfranzösischem Geschmack, dort schwerer und ernster, ist in Mahagoni und grauer Wandfärbung ausgestattet. Die Bibliothek in Kirschbaum mit schwarzen Einlagen, grünen Vorhängen und drei schlanken, elektrischen Kerzenlüstern aus Messing, ein sehr eleganter Raum, hat durch Fortsetzung der Fensterpfeiler nach innen praktisch belichtete Bücherschränke erhalten. Ueber die hübsche Dielentreppe erreicht man den großen oberen Korridor, um den die Schlafzimmer, Baderäume, die Zimmer des Sohnes und der Tochter (letzteres in anmutiger Biedermeierstimmung) und die Gasträume gruppiert sind. Im Dachgeschoß wie im Untergeschoß finden sich noch große und zahlreiche zur Wohnung der Dienstleute und zu Wirtschaftszwecken dienende Räume. Durch eine Senkung der Hofeinfahrt mit Mauerabschluß gegen den Garten ist das Untergeschoß nach Norden ganz über Tag errichtet. Als Mitarbeiter des Architekten betätigte sich Herr Kohlhardt; die Rohbau arbeiten besorgten Liebergesell & Lehmann.