Die Pest in München von 1634

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Die Pest vom Juli 1634 bis 12. Januar 1636 war die Epedemie, welche die höchte Todesrate in der Geschichte der Bevölkerung Münchens hatte.

Verlauf

Im Juli 1634 wurden, um die Stadt vor einem befürchteten Angriff der Schweden zu schützen, aus Weilheim und Tölz etwa 4.000 Spanier nach München verlegt, die neben weiteren Belastungen durch Einquartierung und Verpflegung auch Krankheiten brachten. Während ihres kurzen Aufenthalts in Müchen verstarben 150 der Soldaten. Bei der durch die Entbehrungen der letzten Zeit geschwächten Bevölkerung fanden die Erreger keinen nennenswerten Widerstand vor, so dass sich erneut die Pest in München ausbreitete, diesmal mit ungebremster Kraft.

Verordnung dies Stadtrats zu Abwehr der »abschewlichen Sucht der Pestilenz«

Eine Verordnung dies Stadtrats zu Abwehr der »abschewlichen Sucht der Pestilenz« die vor allem dazu aufrief, dass Mänligklich und ein jeder insonderheit von Sünden absehe, sich mit demütigem Hertzen und andächtigem Gebett zu Gott bekehre, sein Gewissen erforsche, die Sünd beicht und büsse«[1]an sonsten hygienische Verhältnisse herstellen und die Ansteckunggsgefahr vermindern wollte, hatte der Ausbreitung der Seuche trotz der Androhung empfindlicher Strafen bei Zuwiederhandlung wenig entgegenzusetzen.

Maximilian I. (Herzog) zog es deshalb vor, den Hof vorübergehend nach Braunau am Inn zu verlegen.

Am 16. September 1634 wurde ein Lazarett vor dem Sendlinger Tor an der Isar zur Aufnahme der Erkrankten eröffnet. Im Oktober mussten insgesammt vier weitere Pestlazarette eingerichtet werden, in denen sich zeitweise über 60 Helfer um die Pestkranken kümmerten[2].

Annäherung an die Todesrate

Um die dadurch auflaufenden Ausgaben überhaupt finanzieren zu können, mußte die Stadt wiederholt Haussammlungen durchführen. In der ersten Novemberhälfte 1634 erreichte die Seuche ihren Höhepunkt. Bis zu 250 Haushalte wurden in dieser Zeit pro Woche unter Quarantäne gestellt, um Ansteckungen durch die dort Erkrankten zu verhindern. Bis zum Frühjahr 1635 flauten die Pestfälle dann allmählich ab. Im April 1635 konnten die Lazarette wieder geschlossen werden. Im Herbst flackerte die Seuche noch einmal auf, so dass am 7. September die ersten vier Pestfälle in das wiedereröffnete Lazarett eingewiesen wurden. Diesmal hielt sich die Zahl der Erkrankten je doch in Grenzen, so dass keine weiteren Krankenhäuser eingerichtet werden mussten. Bereits am 12. Januar 1636 konnte das Lazarettpersonal wieder entlasen werden  [3]. Anhand der KameralistikW der Stadtkasse kann die Todesrate abgeschätzt werden, die Bevölkerung Münchens wurde so dezimiert, dass sie erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Niveau vor dem Dreißigjährigen Krieg erreichte. Die städtischen Rechnugen verzeichnen für die Gesamtdauer der Epedemie in den Lazaretten unter den Armen 1160 Tote. Die Zahl der in ihren Häusern verstorbenen und nicht auf städtische Kosten bestatteten Seuchenopfer dürfte eine Vielfaches davon betragen haben. Eine Schätzung geht von etwa 7 000 Pesttoten aus, bei einer Einwohnerzahl von etwa 23 000 bedeutete dies, dass 1634 fast jeder dritte Münchner der Pest zum Opfer fiel[4].

Fußnoten

  1. Pestordung der Stadt München v. 30. Oktober 1634, Stadtarchiv München, Gesundheitsamt 103
  2. Kammerrechnung 1634, fol. 158, Stadtarchiv München, Kämmerei 1/243
  3. Rechung. Was der Statt München abermaln über das Infectionwesen auffgeloffen. Vom 17. Februario Anno 1635 bis auf den 1. Martini Anno 1636, Stadtarchiv München, Gesundheitsamt 107
  4. Hans RostW, Bevölkerungs- und Gewerbestatistik München, im 17. Jahrhundert, Wörishofen 1902 (Dis. rer oec. München) S. 26 f.; die in der Vergangenheit immer wieder genannte Zahl von 150 000 Pesttoten, vgl. Georg Karl von SutnerW, München während des dreyßigjährigen Krieges, Eine Rede an dem höchsterfreulichen Geburtstagsfeste Sr. Churfürstl. Durchlaucht u.u. Carl Theodor in eine öffentlichen akademischen Versammlung auf dem Churfl. Bibliothekssaale abgelesen, München, 1796, S. 37 f., ist sicher zu hoch gegriffen.