Konzentrationslager Theresienstadt

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Das Konzentrationslager in Terezin in der besetzen Tschechoslowakei war Zielort der meisten Züge mit MünchnerInnen jüdischen Glaubens in "den Osten“, den Judendeportationen zwischen 1941 und 1945. Das Konzentrationslager Theresienstadt, ein SS-Sammellager jüdischer Häftlinge aus ganz Westeuropa Es war als Täuschungsmanöver ein wichtiger Teil des Vernichtungsfeldzuges der Nazis gegen die jüdische Bevölkerung. Daran änderte auch nichts der beschönigende Namen "Ghetto Theresienstadt", den das KZ durch die Propaganda der Nationalsozialisten erhielt.

Ein Viertel der Gefangenen des Ghettos Theresienstadt (etwa 33.000) starben dort - vor allem wegen der von den NSlern gewollten entsetzlichen Lebensumstände. Etwa 88.000 Häftlinge wurden weiter ins Konzentrationslager Auschwitz und in andere Vernichtungslager wie Treblinka, Majdanek oder Sobibor deportiert.

Für die betroffenen Häftlinge hatte das Konzentrationslager Theresienstadt dadurch die gleiche Funktion wie die anderen "Sammellager" der Vernichtungslager der SS in Polen. Durch die US-Truppen wurden dort 1945 auch viele Münchnerinnen und Müncher befreit und somit vor dem Tod gerettet.

Geschichte

Das heutige Terezín (deutsch Theresienstadt) ist eine im 18. Jahrhundert von Österreich als KuK-Festung errichtete Stadt mit 3.018 Einwohnern (Stand 1. Jan. 2008) im Bezirk Litoměřice (dt. Leitmeritz) in der Ústecký kraj in Tschechien. Die ehemalige österreichische Garnisonsstadt wurde durch das dort eingerichtete deutsche Konzentrationslager Theresienstadt von 1940 bis 1944 weltweit bekannt.

Im Juni 1940 begannen die deutschen Besatzer der Tschechoslowakei damit, aus Terezin ein Konzentrationslager zu machen. Sie richteten in der "Kleinen Festung" am 10. Juni 1940 ein Gefängnis der Gestapo ein, in dem bis 1945 etwa 32.000 tschechische Oppositionelle, Mitglieder des Widerstandes oder dessen Verdächtigte und Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt wurden. Etwa ein Jahr später entstand in der Garnisonsstadt (der großen Festung) ein Sammel- und Durchgangslager für die gesamte jüdische Bevölkerung "Böhmens und Mährens“, das "eingedeutscht" werden sollte. Gegen Kriegsende diente Theresienstadt kurzzeitig der NS-Propaganda als „Vorzeigeghetto“, um das Rote Kreuz und damit die internationale Öffentlichkeit über die mit der „Endlösung der Judenfrage“ verbundenen Ziele zu täuschen.

Am 5. Mai 1945 flohen die SS-Wachmannschaften aus Terezin. Drei Tage später befreite die Rote Armee die überlebenden Gefangenen. Mehr als 140.000 Häftlinge hatten bis zum Mai 1945 zeitweilig im KZ gelebt. 38.000 von ihnen starben dort, fast 90.000 wurden in Vernichtungslager, vor allem Auschwitz, weitertransportiert.

Die Bestattungen, Verbrennung der Toten

Bis Herbst 1942 wurden die Toten in Massengräbern vor den Festungsmauern der Stadt verscharrt. Ende 1942 ließ die SS von der Teplicer Firma Ignis Hüttenbau A.G. ein Krematorium errichten, um die Verstorbenen dann dort zu verbrennen.

Im Lager Theresienstadt konnten die Gefangenen bis dahin zumeist die religiösen Rituale bei Bestattungen einhalten. So wurden bis zum August 1942 die Toten mit Holzsärgen in einzelnen Gräbern bestattet. Danach wurden Massengräber für jeweils 35 bis zu 60 verstorbene Häftlinge ausgehoben. Am 19. Juli begann man mit der Bestattung in Massengräbern. In diesen Gräbern wurden keine Holzsärge mehr verwendet. Die Begräbnisstätte lag im Bohusovicer Talkessel. Der Transport zum Friedhof erfolgte mit einem jüdischen Leichenwagen. Den Leichenwagen durften nachts nur ein Mitglied der Ghettowache und ein tschechischer Gendarm begleiten. Die zu dieser Zeit noch in Theresienstadt wohnende Bevölkerung sollte davon möglichst nichts wissen.

Am 6. Oktober 1942 fand die letzte Beisetzung in einem Massengrab statt. In 1.250 Einzelgräbern und 270 Massengräbern des Jüdischen Friedhofes wurden zwischen Dezember 1941 und Oktober 1942 8.903 Opfer der Nazis begraben.

Die Totenkammern

Zwei Kammern, in denen die Toten aufgebahrt wurden, befanden sich innerhalb der Wälle am südöstlichen Stadtrand am Weg zum Friedhof. Eine diente den jüdischen Verstorbenen, die andere den Verstorbenen, die einen anderen Glauben hatten. Das erste gemeinsame Gebet musste in der Regel direkt an der Todesstelle stattfinden.

Die höchste Sterblichkeitsquote weist die Lagerstatistik für den Herbst 1942 aus, als täglich mehr als 100 Menschen starben.

Das Krematorium

Bis Herbst 1942 wurden die Toten in Massengräbern vor den Schanzen der Stadt bestattet. Etwa 9.000 Opfer wurden auf diese Weise begraben. Ende 1942 ließ die Lagerleitung von der TepliceWr Firma Ignis Hüttenbau A.G. ein Krematorium errichten, um die Verstorbenen aus der Garnisonsstadt und der Kleinen Festung - später auch aus dem AußenlagerWRichardW“ des KZ FlossenbürgW in LeitmeritzW - dort zu verbrennen.

Den Mittelteil des Gebäudes nahmen vier Verbrennungsöfen ein, die mit Dieselöl beheizt wurden. Der vordere Raum diente dem Abstellen der Särge mit den Toten, daneben befand sich der Obduktionsraum. Im Anbau an das Hauptgebäude waren die notwendigen Nebenräume für die Wachmannschaft, die hier ständig Dienst versah, und für die Arbeiter des Krematoriums untergebracht. Zur Zeit der größten Sterblichkeit arbeiteten hier bis zu 18 Personen, die sich in ununterbrochenem Schichtdienst Tag und Nacht ablösten. Als die Zahl der Toten zurückging, konnte diese Arbeit von vier Heizern bewältigt werden. Oft überwachte SS-Scharführer Heindl, ein Mitglied der SS-Kommandantur, den Betriebsablauf. Auch die Kommandanten selbst führten Kontrollen durch.

Die Diensthabenden schoben den Leichnam ohne Sarg bzw. ohne dessen Oberteil in den Verbrennungsofen. Er verbrannte nur mit dem Brett, auf dem er befestigt war. Der Rest des Sargs konnte aus Sparsamkeitsgründen mehrmals verwendet werden. Mit einiger Verspätung gelangten jene Toten zur Einäscherung, für die eine Obduktion angeordnet worden war. Durch das Öffnen des Leichnams konnten die hier inhaftierten Ärzte vor allem in nicht ganz eindeutigen Fällen die Todesursachen feststellen.

Das an den Öfen diensthabende Personal bemühte sich, die sterblichen Reste jedes Eingeäscherten gesondert aus dem Ofen zu schüren, damit sie in einem individuellen Behältnis geborgen werden konnten. Dabei mussten sie die Asche nach Goldbruchstücken (Zahnkronen und Prothesen) durchsuchen, diese aussammeln und der SS-Kommandantur übergeben.

Über den Ablauf der Verbrennung in den einzelnen Öfen wurden Tagesprotokolle geführt. Auch jede Urne mit der Asche eines Häftlings wurde mit den wichtigsten Angaben über den Eingeäscherten versehen. Sie wurden von den Zetteln abgeschrieben, die man an den Beinen der Toten befestigt hatte, und enthielten den Namen mit der Transportbezeichnung und die entsprechende Verbrennungsnummer. Dann durften die Urnen, sie bestanden zumeist aus Pappe, im KolumbariumW eingelagert werden. Das Kolumbarium befand sich im Festungswall. Hier standen bis Ende 1944 in Holzregalen Tausende Urnen gedrängt nebeneinander und die Häftlinge nahmen an, dass man sie nach dem Krieg würdig begraben werde. Doch als die Nationalsozialisten damit begannen, die Spuren ihrer Verbrechen in Theresienstadt zu beseitigen, ordnete im November 1944 die Lagerleitung an, die Asche von 22.000 Häftlingen in die EgerW zu werfen.

In den Jahren 1944 und 1945 wurden in dem Krematorium des KZ Theresienstadt auch die Toten aus dem Lager in Litomerice eingeäschert. Dort erreichte die Sterblichkeit infolge von unerträglichen Arbeitsbedingungen und Epidemien enorme Ausmaße. Bevor es diesem Lager gelang, ein eigenes Krematorium in Betrieb zu nehmen (Anfang April 1945), brachten die Fuhrwerke die toten Häftlinge nach Theresienstadt.

Das von den Angestellten, die im Krematorium Dienst taten, sorgfältig angelegte Register verzeichnete ungefähr 30.000 Opfer, die dort während der Jahre von 1942 bis 1945 eingeäschert wurden.

Das Kolumbarium

In der Nähe der Totenkammern wurden 1942 Räume zur Aufbewahrung der Asche der Verstorbenen eingerichtet. Hier wurden Tausende von Büchsen gelagert. Nach der Einäscherung wurde die Asche eingesammelt und statt in den üblichen Aschenkrügen in einfachen Büchsen aus Pappe verwahrt, die mit den Namen und den Registrationsnummern der Verstorbenen versehen waren. Tagtäglich brachte man diese Büchsen aus der Totenkammer in das Kolumbarium. „Zwei Ghettohäftlinge besorgten hier die Aufbewahrung der Büchsen in ihrer genauen Reihenfolge, so dass man eine jede ausfindig machen konnte. Diese zwei Häftlinge arbeiteten hier ungefähr zwei Jahre. Bis 1944 sind im Kolumbarium mehr als 20.000 solcher Aschenbehälter eingelagert worden (vgl. Drori/Huppert).

Im Oktober 1944 erschienen Traktoren vor dem Kolumbarium. Gruppen von Häftlingen bildeten Ketten, um die Büchsen aufzuladen, die dann an das Ufer der Eger gebracht wurden. Die Häftlinge mussten unter scharfer Bewachung die Asche in den Fluss schütten. Beim nordöstlichen Ausgang aus der Stadt, am Flussufer, wo die Asche der Verstorbenen im Wasser versenkt wurde, steht heute ein Asche-Denkmal.


Wikipedia.png Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Theresienstadt#Das Bestattungswesen aus KZ Theresienstadt in der deutschsprachigen Wikipedia.
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Die NS-Terminologie, die Beraubung, Kinder

Die erste nachweisbare Erwähnung der Idee, dass in Terezin neben dem Sammel- und Durchgangslager für die Juden der Tschechoslowakei auch ein Lager für ausgesuchte "reichsdeutsche" Juden werden sollte, kann man dem Tagebucheintrag von Joseph Goebbels vom 18. November 1941 entnehmen: „Heydrich berichtete mir über seine Absichten bezüglich der Abschiebung der Juden aus dem Reichsgebiet. Die Frage läßt sich schwieriger an als wir zuerst vermutet hatten. 15.000 Juden müssen sowieso in Berlin bleiben, da sie bei kriegswichtigen und gefährlichen Arbeiten beschäftigt sind. Auch eine Reihe von alten Juden können nicht mehr nach dem Osten abgeschoben werden. Für sie soll ein Judenghetto in einer kleinen Stadt im Protektorat eingerichtet werden.“ Dem entsprechend gab es bei der Wannsee-KonferenzW der NS-Führung in Berlin vom 20. Januar 1942 eine Regelung.

Gefangenen oder verfolgten Juden wurden Heimeinkaufsverträge angeboten, in denen ihnen Unterbringung, Verpflegung und ärztliche Versorgung zugesichert wurden. Das Reichssicherheitshauptamt brachte dadurch das Vermögen der Gefangen bzw. Deportierten an sich, für die SS selbstverständlich, ohne ihnen die zugesagten Leistungen zu erbringen.

Unter den Häftlingen in Terezin befanden sich etwa 15.000 Kinder, die in „Kinderheimen“ genannten ehemaligen Kasernen nach Geschlechtern und Jahrgängen getrennt gefangengehalten wurden. Von den Kindern, von denen ebenfalls die meisten von der SS in die Vernichtungslager geschickt wurden, überlebten nur etwa 150 das Kriegsende.

Weblinks

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Literatur, Quellen