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[[Bild:Residenz1.jpg|thumb|Der Königsbau der Residenz (Aufn. vom März 2005)]]
[[Bild:Residenz1.jpg|thumb|430px|Der Königsbau der Residenz (Aufn. vom März 2005)<br>[[Bild_Residenz|Diese Fassade in groß - h i e r]] ]]
[[Datei:Renovierte_Residenz.jpg|thumb|430px|Die wieder renovierte Residenz von oben. Links die [[Residenzstraße]]. (Luftbild: [[Karl Schillinger]], 1975) ]]
Die '''Münchner Residenz''' gilt als einer der größten und bedeutendsten Schlossbauten Deutschlands. Sie befindet sich zwischen dem [[Hofgarten]] im Norden, der [[Maximilianstraße]] im Süden, der [[Residenzstraße]] im Westen und dem [[Marstallplatz]] im Osten des Komplexes.
Die '''Münchner Residenz''' gilt als einer der größten und bedeutendsten Schlossbauten Deutschlands. Sie befindet sich zwischen dem [[Hofgarten]] im Norden, der [[Maximilianstraße]] im Süden, der [[Residenzstraße]] im Westen und dem [[Marstallplatz]] im Osten des Komplexes.


Das Hauptgebäude ist der Königsbau, der zum [[Max-Joseph-Platz]] hin ausgerichtet ist. Seine ursprüngliche Natursteinfassade besteht aus [[Regensburger Grünsandstein]]. Der Gebäudekomplex umfasst insgesamt zehn Höfe und gliedert sich in die drei Hauptkomplexe Königsbau, Maximilianische Residenz, mit der Fassade zur Residenzstraße hin und einem Großteil der inneren Trakte, und den [[Festsaalbau]] zum Hofgarten hin.
Das Hauptgebäude ist der '''Königsbau''', der zum [[Max-Joseph-Platz]] hin ausgerichtet ist. Seine ursprüngliche Natursteinfassade besteht aus [[Regensburger Grünsandstein]]. Der Gebäudekomplex umfasst insgesamt '''zehn Höfe '''und gliedert sich in die''' drei Hauptkomplexe''' Königsbau, Maximilianische Residenz, mit der Fassade zur Residenzstraße hin und einem Großteil der inneren Trakte, und den [[Festsaalbau]] zum Hofgarten hin.


Die Bauzeit erstreckt sich von circa [[1570]] bis ins späte [[18. Jahrhundert]], also von der ''[[Renaissance]]'' (Antiquarium) über die Spätrenaissance/den Früh[[barock]] (Brunnenhoftrakte, Kapellenstock und Trakte um den Kaiserhof) bis zum [[Rokoko]] (bis ca. [[1800]], [[Cuvillies-Theater]]/Reiche Zimmer).  
Die '''Bauzeit''' erstreckt sich von circa [[1570]] bis ins späte [[18. Jahrhundert]], also von der ''[[Renaissance]]'' (Antiquarium) über die Spätrenaissance/den Früh[[barock]] (Brunnenhoftrakte, Kapellenstock und Trakte um den Kaiserhof) bis zum [[Rokoko]] (bis ca. [[1800]], [[Cuvillies-Theater]]/Reiche Zimmer).  


==Vorgängerbau, Entstehung==
==Vorgängerbau, Entstehung==
An ihrem Platz stand ursprünglich die [[Neuveste]], eine Burg mit vielen Türmchen und einem Wassergraben aus dem [[Mittelalter]], die Stück für Stück von den Herzögen [[Albrecht V.]], [[Wilhelm V.]] und [[Maximilian|Maximilian I.]] ersetzt wurde. Seit dem [[16. Jahrhundert]] war München offiziell eine "Fürstliche Stadt". Die Kernbauten der Residenz, die im Anschluss an die im nordöstlichen Teil des Areals gelegene spätmittelalterliche Neuveste errichtet wurden, umringen den Kaiserhof, den Kapellenhof, den Grottenhof, den Königsbauhof, den Apothekenhof sowie den Brunnenhof.
An ihrem Platz stand ursprünglich die [[Neuveste]], eine Burg mit vielen Türmchen und einem Wassergraben aus dem [[Mittelalter]], die Stück für Stück von den Herzögen [[Albrecht V.]], [[Wilhelm V.]] und [[Maximilian|Maximilian I.]] ersetzt wurde. Im heutigen Apothekenhof ist mit weißen Pflastersteinen der Umriss des Vorgängerbaus gekennzeichnet. Seit dem [[16. Jahrhundert]] war München offiziell eine "Fürstliche Stadt". Die Kernbauten der Residenz, die im Anschluss an die im nordöstlichen Teil des Areals gelegene spätmittelalterliche Neuveste errichtet wurden, umringen den Kaiserhof, den Kapellenhof, den Grottenhof, den Königsbauhof, den Apothekenhof sowie den Brunnenhof.


Diese Kernanlagen der frühen Neuzeit glänzen mit hochrangigen Skulpturen der Spätrenaissance und des Barock. Das Antiquarium ist eines der wichtigsten Renaissance-Gebäude nördlich der [[Alpen]]. Insgesamt strahlt die Residenz durch ihre Regelmäßigkeit und die Großzügigkeit der Außenanlagen, die kunstvoll gestaltet die Wiederentdeckung der Antike kennzeichnen. In der Mitte des Hofgartens, der in Rechtecken nahezu mathematisch angelegt ist, befindet sich ein Pavillion. In einem der zahlreichen Gärten, dem sogenannten [[Finanzgarten]], sind noch Überreste einer sternförmigen Schanze zu sehen. Den Hofgarten umringen damals keine einfachen Mauern, sondern moderne Befestigungsanlagen.  
Diese Kernanlagen der frühen Neuzeit glänzen mit hochrangigen Skulpturen der Spätrenaissance und des Barock. Das Antiquarium ist eines der wichtigsten Renaissance-Gebäude nördlich der [[Alpen]]. Insgesamt strahlt die Residenz durch ihre Regelmäßigkeit und die Großzügigkeit der Außenanlagen, die kunstvoll gestaltet die Wiederentdeckung der Antike kennzeichnen. In der Mitte des Hofgartens, der in Rechtecken nahezu mathematisch angelegt ist, befindet sich ein Pavillon. In einem der zahlreichen Gärten, dem sogenannten [[Finanzgarten]], sind noch Überreste einer sternförmigen Schanze zu sehen. Den Hofgarten umringen damals keine einfachen Mauern, sondern moderne Befestigungsanlagen.  


Herzog Maximilian I. ließ sich sogar eine Privatkapelle in der Residenz einrichten und vereinheitlichte [[1610]] die gesamte Westfront mit einer durchgehenden Renaissance-Fassade in Fresko-Technik (Farben auf feuchten Putz - trocknen lassen - Dauerhaftigkeit). Die Fassade zur Stadtseite hin wurde erst im 19. Jahrhundert durch [[Leo von Klenze]] fertiggestellt.
Herzog Maximilian I. ließ sich sogar eine Privatkapelle in der Residenz einrichten und vereinheitlichte [[1610]] die gesamte Westfront mit einer durchgehenden Renaissance-Fassade in Fresko-Technik (Farben auf feuchten Putz - trocknen lassen - Dauerhaftigkeit). Die Fassade zur Stadtseite hin wurde erst im 19. Jahrhundert durch [[Leo von Klenze]] fertiggestellt.
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==Antiquarium  (Renaissance)==
==Antiquarium  (Renaissance)==
[[Bild:MucResiAntiquarium2008b.jpg|thumb|Das Antiquarium der Residenz]]
[[Bild:MucResiAntiquarium2008b.jpg|thumb|Das Antiquarium der Residenz]]
Das Antiquarium entstand 1569 – 1571 unter Herzog Albrecht V. und gehört zu den "Urbauten" der Residenz. Der profane Saalbau ist 70 Meter lang und freistehend, was den Vorteil hat, dass das im Innern liegende Tonnengewölbe von zwei Seiten beleuchtet ist. Außergewöhnlich ist, dass die Bögen der Fenster in das Tonnengewölbe einstechen (Stichkappen), was auf die sehr niedrige Raumhöhe des Saals zurückzuführen ist. [[1590]] wird der Boden etwas tiefer gelegt, da der Raum zu bedrückend wirkte.  
Das Antiquarium entstand 1569 – 1571 unter Herzog [[Albrecht V.]] und gehört zu den "Urbauten" der Residenz. Der profane Saalbau ist 70 m lang und freistehend, was den Vorteil hat, dass das im Innern liegende Tonnengewölbe von zwei Seiten beleuchtet ist. Außergewöhnlich ist, dass die Bögen der Fenster in das Tonnengewölbe einstechen (Stichkappen), was auf die sehr niedrige Raumhöhe des Saals zurückzuführen ist. [[1590]] wird der Boden etwas tiefer gelegt, da der Raum zu bedrückend wirkte.  


In den Gewölben sind großflächig Allegorien und Bilder der wichtigsten Städte Bayerns angebracht. Die Namen der abgebildeten Städte sind, beginnend vom Eingang, '''rechte Seite''': 1.) Abensberg, [[Grünwald]], Bruck. 2.) Moosburg, Vohburg, Kranzberg. 3.) [[Landshut]], Kraiburg, Esch. 4.) Furth, Nannhofen, Geisenhausen. 5.) Gravenau, Craisbach, Wartenberg. 6.) Dietfurt, Neu Rambsberg, Kamerau. 7.) Burghausen, Kirchberg, Natternberg. 8.) Straubing, Biburg, Mainburg. 9.) [[Ingolstadt]], Aibling, Hals. 10.) Wasserburg, Schwindegg, Auerburg. 11.) Landsberg, Teisbach, Schwaben. 12.) Scherding, Haiden, Deissenstein. 13.) Reichenhall, Triburg, Waldshut. 14.) Braunau, Haiden, Deissenstein. 15.) Dingolfing, Viechtach, Wolnzach. 16.) Schongau, Henersberg, Kötzting. 17.) Friedberg, Barnstein, Regen.  
In den Gewölben sind großflächig Allegorien und Bilder der wichtigsten Städte Bayerns angebracht. Die Namen der abgebildeten Städte sind, beginnend vom Eingang, '''rechte Seite''': 1.) Abensberg, [[Grünwald]], Bruck. 2.) Moosburg, Vohburg, Kranzberg. 3.) [[Landshut]], Kraiburg, Esch. 4.) Furth, Nannhofen, Geisenhausen. 5.) Gravenau, Craisbach, Wartenberg. 6.) Dietfurt, Neu Rambsberg, Kamerau. 7.) Burghausen, Kirchberg, Natternberg. 8.) Straubing, Biburg, Mainburg. 9.) [[Ingolstadt]], Aibling, Hals. 10.) Wasserburg, Schwindegg, Auerburg. 11.) {{WL2|Landsberg am Lech|Landsberg}}, Teisbach, Schwaben. 12.) Scherding, Haiden, Deissenstein. 13.) Reichenhall, Triburg, Waldshut. 14.) Braunau, Haiden, Deissenstein. 15.) Dingolfing, Viechtach, Wolnzach. 16.) Schongau, Henersberg, Kötzting. 17.) Friedberg, Barnstein, Regen.  


Auf der '''linken Seite''': 1.) Neu-Oetting, [[Dachau]], [[Wolfratshausen]]. 2.) Stadt am Hof, Riedenburg, Geisenfeld. 3.) München, Abbach, Kling. 4.) [[Weilheim]], Leonsberg, Mering. 5.) Osterhofen, [[Valley]], Mauerkirchen. 6.) Deggendorf, Perlstein, Schönberg. 7.) Schrobenhausen, Rauh-Lechsberg, Frontenhausen. 8.) [[Erding]], Marquartstein, Menzing. 9.) [[Kelheim]], [[Bad Tölz|Tölz]], Trostberg. 10.) Neustadt, Rottenburg, Griesbach. 11.) Aichach, Hohenheim, Neumarkt. 12.) Traunstein, Eggenfelden, Donaustauf. 13.) Rain, Hohenschwangau, Eggmühl. 14.) Landau, Mermoos, Pähl. 15.) Vilshofen, Murnau, Mitternfels. 16.) Wemding, Haag, Uttendorf. 17.) Pfaffenhofen, [[Starnberg]], Isareck.  
Auf der '''linken Seite''': 1.) Neu-Oetting, [[Dachau]], [[Wolfratshausen]]. 2.) Stadt am Hof, Riedenburg, Geisenfeld. 3.) München, Abbach, Kling. 4.) [[Weilheim]], Leonsberg, Mering. 5.) Osterhofen, [[Valley]], Mauerkirchen. 6.) Deggendorf, Perlstein, Schönberg. 7.) Schrobenhausen, Rauh-Lechsberg, Frontenhausen. 8.) [[Erding]], Marquartstein, Menzing. 9.) Kelheim, [[Bad Tölz|Tölz]], Trostberg. 10.) Neustadt, Rottenburg, Griesbach. 11.) Aichach, Hohenheim, Neumarkt. 12.) Traunstein, Eggenfelden, Donaustauf. 13.) Rain, Hohenschwangau, Eggmühl. 14.) Landau, Mermoos, Pähl. 15.) Vilshofen, Murnau, Mitternfels. 16.) Wemding, Haag, Uttendorf. 17.) Pfaffenhofen, [[Starnberg]], Isareck.  


In den Bögen des Gewölbes befinden sich zusammengefügte Elemente, genannt ''Grotesken''. An den Säulensockeln befinden sich in {{WL2|de:Scagliola|Scagliola-Technik}} Mosaike aus Stuckmarmor. Anfangs zur Aufbewahrung der bedeutenden Antikensammlung vorgesehen, wurde das Antiquarium später umgebaut, um auch als höfischer Festsaal benutzt zu werden.  
In den Bögen des Gewölbes befinden sich zusammengefügte Elemente, genannt ''Grotesken''. An den Säulensockeln befinden sich in {{WL2|de:Scagliola|Scagliola-Technik}} Mosaike aus Stuckmarmor. Anfangs zur Aufbewahrung der bedeutenden Antikensammlung vorgesehen, wurde das Antiquarium später umgebaut, um auch als höfischer Festsaal benutzt zu werden.  
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[[Bild:German postcard - 062.jpg|thumb|Der Festsaalbau (Postkarte um 1900)]]
[[Bild:German postcard - 062.jpg|thumb|Der Festsaalbau (Postkarte um 1900)]]
[[Bild:Mueklenzefestsaal2011a.jpg||thumb|Der Festsaalbau (Fotogr. von 2011)]]
[[Bild:Mueklenzefestsaal2011a.jpg||thumb|Der Festsaalbau (Fotogr. von 2011)]]
Festsaalbau von Leo von Klenze ist der in den Jahren von 1832 bis 1842 in Anlehnung an Palladio entstandene Komplex. Die zum Hofgarten gelegene Fassade zeigt auf halber Länge des Bauwerks einen beachtlichen Vorbau, der aus einer doppelt übereinander gebauten Arkade mit jeweils 9 Bögen besteht. Vom Boden an mit drei Portalen, die auf starken Rundpfeilern stehen, erhebt sich der obere Balkon, der mit 10 ionischen Säulen bekrönt ist. Auf diesem Gesims, flankiert von je einem Löwen zur rechten- und linken Seite, stehen 8 aus Marmor gefertigte Figuren die die Allegorien der Bundesländer, damals "Provinzen" des Königsreichs darstellen.
Festsaalbau von Leo von Klenze ist der in den Jahren von 1832 bis 1842 in Anlehnung an Palladio entstandene Komplex. Die zum Hofgarten gelegene Fassade zeigt auf halber Länge des Bauwerks einen beachtlichen Vorbau, der aus einer doppelt übereinander gebauten Arkade mit jeweils 9 Bögen besteht. Vom Boden an mit drei Portalen, die auf starken Rundpfeilern stehen, erhebt sich der obere Balkon, der mit 10 ionischen Säulen bekrönt ist. Auf diesem Gesims, flankiert von je einem Löwen zur rechten- und linken Seite, stehen 8 aus Marmor gefertigte Figuren die die Allegorien der Regierungsbezirke, damals "Provinzen" des Königsreichs darstellen.


Die von [[Ludwig von Schwanthaler]] modellierten Figuren, von der linken Seite beginnend:
Die von [[Ludwig von Schwanthaler]] modellierten Figuren, von der linken Seite beginnend:
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;Der Untermainkreis:Wein und Getreideanbau, wiederholt eine weiblich anmutende Figur mit Garbe und Weintrauben.
;Der Untermainkreis:Wein und Getreideanbau, wiederholt eine weiblich anmutende Figur mit Garbe und Weintrauben.
;Der Rheinkreis:Ackerbau, Fischerei und die Schifffahrt, eine männliche Figur mit Spaten.
;Der Rheinkreis:Ackerbau, Fischerei und die Schifffahrt, eine männliche Figur mit Spaten.
Die Bronzelöwen in der Residenzstraße repräsentieren die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit. Sie wurden 1595 geschaffen. Ihnen über die blanke Schnauze zu streifen, soll Glück bringen<ref>[[Abendzeitung]], 28. Dezember 2024: [https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/zamperl-parade-und-ko-tropfen-im-bier-kennen-sie-diese-muenchen-geschichten-art-1026179 K.o.-Tropfen im Bier und eine Zamperl-Parade: Kennen Sie diese München-Geschichten?]</ref>. Dieser Brauch ist bei Studenten vor dem Examen verbreitet, obwohl die Wirkung alles andere als erwiesen ist.


===Thronsaal des Königs - Herkulessaal===
===Thronsaal des Königs - Herkulessaal===
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Die Ausstattung des zum Neubau des Festsaalbaus gehörige Thronsaal wurde im [[Zweiter Weltkrieg|zweiten Weltkrieg]] völlig zerstört. Sie gehörte zum Feinsten, was Leo von Klenze für die Erweiterung der Residenz geschaffen hatte. Die Figuren konnten gerettet werden und bilden einen schönen Rahmen im Eingangsbereich des neuen Konzertsaals, der in den Jahren 1951 bis 1958 nach den Plänen von {{WL2|de:Rudolf_Esterer|Rudolf Esterer}} aus den vormaligen Ballsaal, Thronsaal und Kaisersaal entstand. Der Name Herkulessaal leitet sich von einer Folge von Wandteppichen ab, die Herzog Albrecht V. 1565 in Auftrag gegeben hatte und die die Herkules-Sage bildlich darstellen. Die Wandteppiche hängen heute in diesem Saal. Um Verwechslungen vorzubeugen, wurde der "Alte Herkulessal" südlich des Kaiserhofes in "Max-Josef-Saal" umbenannt.
Die Ausstattung des zum Neubau des Festsaalbaus gehörige Thronsaal wurde im [[Zweiter Weltkrieg|zweiten Weltkrieg]] völlig zerstört. Sie gehörte zum Feinsten, was Leo von Klenze für die Erweiterung der Residenz geschaffen hatte. Die Figuren konnten gerettet werden und bilden einen schönen Rahmen im Eingangsbereich des neuen Konzertsaals, der in den Jahren 1951 bis 1958 nach den Plänen von {{WL2|de:Rudolf_Esterer|Rudolf Esterer}} aus den vormaligen Ballsaal, Thronsaal und Kaisersaal entstand. Der Name Herkulessaal leitet sich von einer Folge von Wandteppichen ab, die Herzog Albrecht V. 1565 in Auftrag gegeben hatte und die die Herkules-Sage bildlich darstellen. Die Wandteppiche hängen heute in diesem Saal. Um Verwechslungen vorzubeugen, wurde der "Alte Herkulessal" südlich des Kaiserhofes in "Max-Josef-Saal" umbenannt.
==Die Reichen Zimmer (Rokoko)==
Sie entstanden nach einem Brand in den Jahren 1730–37 im Auftrag von Kurfürst [[Karl Albrecht]] durch [[François de Cuvilliés]]. Sie waren das repräsentative Herzstück der Residenz im [[18. Jahrhundert]]. Vorbild für die Räume war die französische Prunkentfaltung. Die Räume sind im sogenannten ''Régence-Stil'' gestaltet. Die Zimmer dienten als Vor- und Audienzzimmer. Sie repräsentierten auch die Herrschaft des Kaisers des [[Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation]], der Karl Albrecht  von 1742–45 war. Der Stuckateur war [[Johann Baptist Zimmermann]], die Holzvertäfelungen stammen von Joachim Dietrich, Wenzelslaus Miroffsky und Adam Pichler, die Gemälde unter anderem von [[Joseph Vivien]] und [[Peter Candid]].
1944 fielen die Reichen Zimmer den Bomben zum Opfer konnten aber wieder weitgehend rekonstruiert werden, vor allem weil die meisten Möbel, Gemälde und Wandvertäfelungen der Residenz noch rechtzeitig vor dem Bombenhagel ausgelagert werden konnten.
==Grüne Galerie (Rokoko)==
Die Grüne Galerie wurde ebenfalls 1730–37 von Cuvilliés errichtet. Sie diente als Bildergalerie und als prunkvoller Gesellschaftsraum für höfische Feste. An den Wänden hängen Werke italienischer und niederländischer Meister. Der heutige Raum ist nur noch der nördliche Teil der Galerie. Wegen der Erweiterungsbauten durch König [[Ludwig I.]] 1826 wurde der südliche Teil abgebrochen. Der heutige Teil blieb auf seinen Wunsch erhalten. Auch das Treppenhaus, über das die Grüne Galerie ursprünglich zugänglich war, ist nicht mehr erhalten. Die aufwändig gearbeiteten Spiegel lassen den Raum scheinbar größer wirken, eine beliebte Gestaltungsvariante im Rokoko. Auch sollten sie das Licht der Kerzen der prunkvollen Kronleuchter durch die Reflexion verbessern, denn die Kronleuchter selbst hatten trotz vieler Kerzen nur eine geringe Lichtausbeute.
Das Deckenfresko stammt von Giovanni Antonio Pellegrini. An der Ausgestaltung der Räume wirkten der Stuckateur Johann Baptist Zimmermann, Joachim Dietrich und Wenzelslaus Miroffsky an den Schnitzereien mit. 1944 wurde die Grüne Galerie zerstört. 1973 konnte der rekonstruierte Raum wieder für Besucher geöffnet werden. 2011 wurden 72 Bilder von insgesamt 160 Bildern, die 1748 hier hingen, wieder aufgehängt. Die anderen sind weiterhin in der [[Alte Pinakothek|Alten Pinakothek]] zu sehen.


==Sonstige==
==Sonstige==
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== Begrifflichkeit Residenz==
== Begrifflichkeit Residenz==
Das Wort Residenz kann nicht nur ein bestimmtes Gebäude / Schlossanlage meinen, es steht auch für alle Schlösser, die ein Fürst abwechselnd nutzt, um deren landwirtschaftliche Produktion zum Unterhalt seiner Hofhaltung zu nutzen. Vergleiche auch den alten Begriff der Pfalzen.  
Das Wort ''Residenz'' kann nicht nur ein bestimmtes Gebäude / eine Schlossanlage meinen, es steht auch für alle Schlösser (Residenzen), die ein Fürst abwechselnd nutzt, um deren landwirtschaftliche Produktion zum Unterhalt seiner Hofhaltung zu nutzen. Vergleiche auch den alten Begriff der Pfalzen.  
* Als Sommerresidenzen wurden von Wittelsbachern gebaut:  
* Als ''Sommerresidenzen'' wurden von Wittelsbachern gebaut:  
**[[Schloss Nymphenburg|Nymphenburg]]
**[[Schloss Nymphenburg|Nymphenburg]]
**[[Jagdschloss Neudeck]]
**[[Jagdschloss Neudeck]]
**[[Neues_Schloss_Schleißheim|Schleißheim]]
**[[Neues_Schloss_Schleißheim|Schleißheim]]
**[[Villa Ludwigshöhe]]
**[[Villa Ludwigshöhe]]
== Siehe auch==
* [[Johann Andreas Wolff]], Maler im 17. Jahrhundert
* Beispiele von Türen o. Portalen in der [[Ausstellung_-_München_Stadt_der_Eingänge|Online-Ausstellung — München - Stadt der Eingänge]] (A. Bohnenstengel)


==Literatur==
==Literatur==
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* [http://www.stbam1.bayern.de/hochbau/projekte/ResidenzKoeningsbau.php Residenz München - Die Teilmaßnahme der Renovierung des westlichen Königsbau] (Staatliches Bauamt München)
* [http://www.stbam1.bayern.de/hochbau/projekte/ResidenzKoeningsbau.php Residenz München - Die Teilmaßnahme der Renovierung des westlichen Königsbau] (Staatliches Bauamt München)
* {{WL2|Antiquarium (München)|Antiquarium bei Wikipedia}}
* {{WL2|Antiquarium (München)|Antiquarium bei Wikipedia}}
* [[Anne-Sophie Mutter]] zur Konzertsaaldebatte: [http://www.sueddeutsche.de/muenchen/violinistin-im-sz-interview-anne-sophie-mutter-fordert-neues-konzerthaus-1.2290211 "Jetzt ist wirklich die Zeit gekommen, etwas Neues zu bauen."] In der [[SZ]] vom 3. Januar 2015 zur Diskussion um den Herkulessaal
* [[Süddeutsche Zeitung]], 3. Januar 2015: [http://www.sueddeutsche.de/muenchen/violinistin-im-sz-interview-anne-sophie-mutter-fordert-neues-konzerthaus-1.2290211 "Jetzt ist wirklich die Zeit gekommen, etwas Neues zu bauen."] [[Anne-Sophie Mutter]] zur Konzertsaaldebatte um den Herkulessaal
 
== Einzelnachweise ==
<references/>


{{Wikipedia-Artikel|Münchner_Residenz|Residenz}}
{{Wikipedia-Artikel|Münchner_Residenz|Residenz}}
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