Emil Julius Gumbel: Unterschied zwischen den Versionen

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Person
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== Familie ==
== Familie ==
Emil Julius Gumbel wurde als Sohn von Hermann (Privatbankier, ab 1887 in München) und Flora Gumbel geboren. Sein Großvater war Isaak Gumbel (* 15. Dezember 1823 in Stein am Kocher; † 15. Januar 1891 in Heilbronn)∞ Güta, geborene Stern (* 15. Januar 1829, † 16. September 1897 in Heilbronn). Er heiratete 1930 Marieluise, geborene von Czettritz, geschiedene Solscher (* 1891/92 in Hau; † 1952 in New York City).(1)
Emil Julius Gumbel wurde als Sohn von Hermann (Privatbankier, ab 1887 in München) und Flora Gumbel geboren. Sein Großvater war Isaak Gumbel (15. Dezember 1823 in Stein am Kocher 15. Januar 1891 in Heilbronn)∞ Güta, geborene Stern (15. Januar 1829 16. September 1897 in Heilbronn). Er heiratete 1930 Marieluise, geborene von Czettritz, geschiedene Solscher (1891/92 in Hau 1952 in New York City).(1)


== Leben==
== Leben==
Nach dem Abitur 1910 am [[Wilhelmsgymnasium]] München [[LMU|studierte]] Gumbel in München Nationalökonomie und promovierte am 28. Juli 1914 zum Dr.oec.publ. mit der Arbeit ''Über die Interpolation des Bevölkerungszustandes''.(2)  Wenige Tage später meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, doch die reale Erfahrung des Krieges machte ihn bald zum Pazifisten. Unter einem Vorwand ließ sich Gumbel im Frühjahr 1915 vom Kriegsdienst freistellen. Im Herbst 1915 trat er dem pazifistischen [[Bund Neues Vaterland]] bei, der sich 1922 in Deutsche Liga für Menschenrechte umbenannte. Bis zum Kriegsende arbeitete er bei der Flugzeugmeisterei am Flugplatz Johannisthal, danach, unterstützt durch Georg Graf von Arco vom Bund Neues Vaterland bei Telefunken. Nebenbei betätigte er sich politisch. Er war 1917 der USPD beigetreten, mit deren (nach einer ersten Abspaltung des linken Flügels im Jahr 1920) verbliebenen Mehrheit er 1922 in die [[SPD]] wechselte.(2)   
Nach dem Abitur 1910 am [[Wilhelmsgymnasium]] München [[LMU|studierte]] Gumbel in München Nationalökonomie und promovierte am 28. Juli 1914 zum Dr. oec.publ. mit der Arbeit ''Über die Interpolation des Bevölkerungszustandes''.(2)  Wenige Tage später meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, doch die reale Erfahrung des Krieges machte ihn bald zum Pazifisten. Unter einem Vorwand ließ sich Gumbel im Frühjahr 1915 vom Kriegsdienst freistellen. Im Herbst 1915 trat er dem pazifistischen [[Bund Neues Vaterland]] bei, der sich 1922 in [[Deutsche Liga für Menschenrechte]] umbenannte. Bis zum Kriegsende arbeitete er bei der Flugzeugmeisterei am [[Flugplatz Johannisthal]], danach, unterstützt durch Georg Graf von Arco vom Bund Neues Vaterland bei Telefunken. Nebenbei betätigte er sich politisch. Er war 1917 der USPD beigetreten, mit deren (nach einer ersten Abspaltung des linken Flügels im Jahr 1920) verbliebenen Mehrheit er 1922 in die [[SPD]] wechselte.(2)   


Zu einem Thema wurden die zahlreichen politischen Morde in den Wirren der Nachkriegszeit. In zwei Publikationen wies er mit statistischen Methoden die Einäugigkeit der Justiz in der Weimarer Republik nach, die Mörder aus dem linken Lager mit äußerster Strenge, Mörder aus dem rechten Lager aber mit großer Nachsicht behandelte und viele Morde dabei gänzlich ungesühnt ließ. Als Statistiker ließ er dabei Zahlen für seine These sprechen. Trotzdem erreichten seine Publikationen recht hohe Auflagen und führten sogar zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Preußischen Landtag, nachdem die Ergebnisse von Gumbels Buch Vier Jahre politischer Mord in einer vom Reichsjustizminister Gustav Radbruch in Auftrag gegebenen Studie bestätigt wurden. Wohl infolge der Analysen politischer Morde wurde Gumbel auch ein Fachmann für nationalistische Geheimorganisationen, die sich aus den Freikorps entwickelten, und für viele Morde aus dem rechten Spektrum verantwortlich waren. Insbesondere Fememorde waren durch diese Organisationen zeitweise an der Tagesordnung.   
Zu einem Thema wurden die zahlreichen politischen Morde in den Wirren der Nachkriegszeit. In zwei Publikationen wies er mit statistischen Methoden die Einäugigkeit der Justiz in der Weimarer Republik nach, die Mörder aus dem linken Lager mit äußerster Strenge, Mörder aus dem rechten Lager aber mit großer Nachsicht behandelte und viele Morde dabei gänzlich ungesühnt ließ. Als Statistiker ließ er dabei Zahlen für seine These sprechen. Trotzdem erreichten seine Publikationen recht hohe Auflagen und führten sogar zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Preußischen Landtag, nachdem die Ergebnisse von Gumbels Buch Vier Jahre politischer Mord in einer vom Reichsjustizminister Gustav Radbruch in Auftrag gegebenen Studie bestätigt wurden. Wohl infolge der Analysen politischer Morde wurde Gumbel auch ein Fachmann für nationalistische Geheimorganisationen, die sich aus den Freikorps entwickelten, und für viele Morde aus dem rechten Spektrum verantwortlich waren. Insbesondere Fememorde waren durch diese Organisationen zeitweise an der Tagesordnung.   
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# Jahresbericht vom K. Wilhelms-Gymnasium zu München. ZDB-ID 12448436, 1909/10
# Jahresbericht vom K. Wilhelms-Gymnasium zu München. ZDB-ID 12448436, 1909/10
# Gustav Radbruch: Gesamtausgabe, Band 19: Reichstagsreden; C.F. Müller-Verlag, Heidelberg 1998, ISBN 3-8114-6698-4, S. 182
# Gustav Radbruch: Gesamtausgabe, Band 19: Reichstagsreden; C.F. Müller-Verlag, Heidelberg 1998, ISBN 3-8114-6698-4, S. 182
# Benjamin Lahusen: Das rechte Auge. In: Die ZEIT. 9. Februar 2012.
# Benjamin Lahusen: [https://www.zeit.de/2012/07/Gumbel/komplettansicht ''Das rechte Auge''.] In: Die ZEIT vom 9. Februar 2012.


{{Wikipedia}}::(Stand: 18. Februar 2012)
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[[Kategorie:Mathematiker]]
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[[Kategorie:Hochschullehrer]]
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[[Kategorie:Mann]]
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