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=== Kindheit und Jugendjahre === | === Kindheit und Jugendjahre === | ||
Nach Kriegsende trennten sich die Eltern, seine Mutter liierte sich mit dem damaligen Gefängnisdirektor der [[Justizvollzugsanstalt München|Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim]].<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /> Während der Schulzeit entwickelte Staudinger erste kriminelle Energien, sein Verhalten in der Schule gestaltete sich eher schwierig, er landete im Erziehungsheim In der Großstadt der Nachkriegszeit wurde er Anhänger der {{WL2|Rock ’n’ Roll}}-Kultur und verkehrte regelmäßig in einer {{WL2|GI (Soldat)|GI}}-Bar namens „[[Tabarin]]“ im Stadtteil [[Lehel]].<ref name="Hamburger Abendblatt">[http://www.abendblatt.de/kultur-live/buecher/article1156126/Einer-von-der-Strasse.html Bücher: ''Einer von der Straße''], Hamburger Abendblatt, 26. August 2009.</ref> Er entwickelte sich rasch zum Kopf einer schlagkräftigen {{WL2|Halbstarker|Halbstarkenbande}}, die auch als „Tabarin-Bande“ bekannt war.<ref name="Stadtmagazin"> | Nach Kriegsende trennten sich die Eltern, seine Mutter liierte sich mit dem damaligen Gefängnisdirektor der [[Justizvollzugsanstalt München|Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim]].<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /> Während der Schulzeit entwickelte Staudinger erste kriminelle Energien, sein Verhalten in der Schule gestaltete sich eher schwierig, er landete im Erziehungsheim In der Großstadt der Nachkriegszeit wurde er Anhänger der {{WL2|Rock ’n’ Roll}}-Kultur und verkehrte regelmäßig in einer {{WL2|GI (Soldat)|GI}}-Bar namens „[[Tabarin]]“ im Stadtteil [[Lehel]].<ref name="Hamburger Abendblatt">[http://www.abendblatt.de/kultur-live/buecher/article1156126/Einer-von-der-Strasse.html Bücher: ''Einer von der Straße''], Hamburger Abendblatt, 26. August 2009.</ref> Er entwickelte sich rasch zum Kopf einer schlagkräftigen {{WL2|Halbstarker|Halbstarkenbande}}, die auch als „Tabarin-Bande“ bekannt war.<ref name="Stadtmagazin">Münchner Stadtmagazin, Nr. 5/1992, 19. Februar 1992, S. 28 ff.</ref> Verschiedene Straftatdelikte führten zur Anklage. Als Hauptbeschuldigter wurde der damals 16-Jährige zu einer vierjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. | ||
=== Hamburger Jahre === | === Hamburger Jahre === | ||
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=== Münchener Jahre === | === Münchener Jahre === | ||
Anlässlich der bevorstehenden [[Olympische Sommerspiele 1972|Olympischen Sommerspiele 1972]] witterte Staudinger das große Amüsiergeschäft in seiner Heimatstadt und kehrte 1971 zurück nach München. Er eröffnete das Bordell | Anlässlich der bevorstehenden [[Olympische Sommerspiele 1972|Olympischen Sommerspiele 1972]] witterte Staudinger das große Amüsiergeschäft in seiner Heimatstadt und kehrte 1971 zurück nach München. Er eröffnete das Bordell „Rotes Palais“ und übernahm zusammen mit dem Münchener Playboy James Graser das Striplokal „Moulin Rouge“ in der [[Herzogspitalstraße]], das im März 1959 schon {{WL2|Elvis Presley}} mit Vera Matson besuchte.<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /><ref>[http://www.sueddeutsche.de/muenchen/jahre-elvis-presley-in-muenchen-lang-lebe-der-koenig-1.87497 50 Jahre Elvis Presley in München Lang lebe der König!], Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.</ref> Um den Pächterwechsel im Striplokal hervorzuheben, engagierte Staudinger für eine Woche {{WL2|Anita Ekberg}}. Nahezu zeitgleich investierte er mit dem Frankfurter Bauunternehmer und Bordellkönig Willi Schütz (1920–2001) in das Eros-Center „[[Leierkasten|Leier-Kasten]]“ in der [[Zweigstraße]] in unmittelbarer Nähe zum [[München Hauptbahnhof|Hauptbahnhof]].<ref>[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13681270.html Haken aufs Herz], Der Spiegel 9/1992, 24. Februar 1992.</ref> | ||
Ein bundesweites Medienecho rief 1972 der sogenannte „Dirnen-Krieg“ um den Leier-Kasten hervor. Da der [[Freistaat Bayern]] wie auch die Stadt befürchteten, dass mit der Ansiedelung der Rotlicht-Etablissements die Kriminalitätsrate in der Innenstadt ansteigen würde, wurden in Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele der Leier-Kasten und ein paar weitere Lokale am Abend des 10. April 1972 von der [[Polizei]] besetzt, nachdem zwei Tage zuvor die Innenstadt zum erweiterten [[Sperrbezirk]] erklärt worden war. Den Prostituierten wurde untersagt, nachts in diesen Lokalen ihrem Gewerbe nachzugehen.<ref>[http://media1.abendzeitung-muenchen.de/media.media.7f4af9e3-025d-4304-8c75-35204da5e18b.normalized.jpeg „Wir werden die Damen aushungern“], AZ-Archiv.</ref> In Folge begehrten die Prostituierten des Hauses auf und erhielten spontan Unterstützung hunderter Bürger. Kurze Zeit später stürmten die Freier das Bordell, die Polizei zog ab. Bereits am Freitag der gleichen Woche schloss man einen außergerichtlichen Kompromiss.<ref>[http://www.ag-fitel.org/admin/pdf2/AGFITEL_Expres_Espanol_1972_197207%20-%2000030.pdf La „guerra de las prostitutas" de Munich] (spanisch), Expres Español, AG Fitel, Juli 1972.</ref><ref name="Pause für die Puppen">[http://www.zeit.de/1972/16/pause-fuer-die-puppen Pause für die Puppen: Münchner Polizei zog im Dirnenkrieg den kürzeren], Die Zeit, 21. April 1972.</ref><ref>[http://www.abendzeitung-muenchen.de/gallery.baustelle-im-bordell-der-leierkasten-ist-dicht-param~7~6~0~14~false.05d9a63c-c913-4fa9-9915-33bd64b3d5fb.html Prostituierte auf dem Dach des Leier-Kastens im sogenannten „Dirnenkrieg“], Foto aus dem AZ-Archiv, München 1972.</ref> | Ein bundesweites Medienecho rief 1972 der sogenannte „Dirnen-Krieg“ um den Leier-Kasten hervor. Da der [[Freistaat Bayern]] wie auch die Stadt befürchteten, dass mit der Ansiedelung der Rotlicht-Etablissements die Kriminalitätsrate in der Innenstadt ansteigen würde, wurden in Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele der Leier-Kasten und ein paar weitere Lokale am Abend des 10. April 1972 von der [[Polizei]] besetzt, nachdem zwei Tage zuvor die Innenstadt zum erweiterten [[Sperrbezirk]] erklärt worden war. Den Prostituierten wurde untersagt, nachts in diesen Lokalen ihrem Gewerbe nachzugehen.<ref>[http://media1.abendzeitung-muenchen.de/media.media.7f4af9e3-025d-4304-8c75-35204da5e18b.normalized.jpeg „Wir werden die Damen aushungern“], AZ-Archiv.</ref> In Folge begehrten die Prostituierten des Hauses auf und erhielten spontan Unterstützung hunderter Bürger. Kurze Zeit später stürmten die Freier das Bordell, die Polizei zog ab. Bereits am Freitag der gleichen Woche schloss man einen außergerichtlichen Kompromiss.<ref>[http://www.ag-fitel.org/admin/pdf2/AGFITEL_Expres_Espanol_1972_197207%20-%2000030.pdf La „guerra de las prostitutas" de Munich] (spanisch), Expres Español, AG Fitel, Juli 1972.</ref><ref name="Pause für die Puppen">[http://www.zeit.de/1972/16/pause-fuer-die-puppen Pause für die Puppen: Münchner Polizei zog im Dirnenkrieg den kürzeren], Die Zeit, 21. April 1972.</ref><ref>[http://www.abendzeitung-muenchen.de/gallery.baustelle-im-bordell-der-leierkasten-ist-dicht-param~7~6~0~14~false.05d9a63c-c913-4fa9-9915-33bd64b3d5fb.html Prostituierte auf dem Dach des Leier-Kastens im sogenannten „Dirnenkrieg“], Foto aus dem AZ-Archiv, München 1972.</ref> | ||
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Zunehmend baute Staudinger in Folge seine Beziehungen zur städtischen Politik und zum [[Kreisverwaltungsreferat]] aus und bekam zunehmend mehr Einfluss, nicht zuletzt geschuldet der Tatsache, dass er bekanntere Politiker, Direktoren, Rechtsanwälte, usw. von ihren Bordellbesuchen her kannte. So konnte er sein Bordell-Imperium weiter ausbauen.<ref name="Stadtmagazin" /> Ein Klinik-Chef wollte ihn als Schläger anheuern und Arndt von Bohlen und Halbach kaufte sich bei ihm Sicherheit.<ref name="Spiegel 8/1992" /> Dennoch legte er Wert darauf, als graue Eminenz im Hintergrund zu bleiben. Die Polizei konnte ihm keine Straftatdelikte nachweisen.<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /> Auch im Rahmen der Ermittlungen zur Entführung des Unternehmersohns {{WL2|Richard Oetker}} im Dezember 1976 ließ ihn die Polizei zum Stimmenvergleich den telefonischen Erpressertext ergebnislos nachsprechen.<ref name="Spiegel 8/1992" /> | Zunehmend baute Staudinger in Folge seine Beziehungen zur städtischen Politik und zum [[Kreisverwaltungsreferat]] aus und bekam zunehmend mehr Einfluss, nicht zuletzt geschuldet der Tatsache, dass er bekanntere Politiker, Direktoren, Rechtsanwälte, usw. von ihren Bordellbesuchen her kannte. So konnte er sein Bordell-Imperium weiter ausbauen.<ref name="Stadtmagazin" /> Ein Klinik-Chef wollte ihn als Schläger anheuern und Arndt von Bohlen und Halbach kaufte sich bei ihm Sicherheit.<ref name="Spiegel 8/1992" /> Dennoch legte er Wert darauf, als graue Eminenz im Hintergrund zu bleiben. Die Polizei konnte ihm keine Straftatdelikte nachweisen.<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /> Auch im Rahmen der Ermittlungen zur Entführung des Unternehmersohns {{WL2|Richard Oetker}} im Dezember 1976 ließ ihn die Polizei zum Stimmenvergleich den telefonischen Erpressertext ergebnislos nachsprechen.<ref name="Spiegel 8/1992" /> | ||
Kurz zuvor eröffnete Staudinger 1976 in der Bayerstraße beim [[München Hauptbahnhof|Münchener Hauptbahnhof]] die erste „Peep-Show“ Europas. Das Know-How und Material für die 32 Kabinen holte er sich in New York.<ref name="Fenster zum Fleisch" /><ref>[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350983.html Obskures Objekt: Spiegel-Redakteurin Ariane Barth über Peep-Show], Der Spiegel 9/1979, 26. Februar 1979.</ref> Erzählungen nach erlangte er beim [[Kreisverwaltungsreferat]] die Genehmigung unter dem Vorwand, eine Bühne für Aktmodelle mit Kabinen für mittellose Maler errichten zu wollen. Sein Vater hätte ihn darauf gebracht, der regelmäßig Landschaftsmotive malte, da diese im Gegensatz zu Aktmodellen gratis waren.<ref name="Stadtmagazin" /> In den späten 1970er Jahren eröffnete Staudinger zusammen mit Charly Meyer am [[Maximiliansplatz]] 5 dann auch die legendäre Nobel[[diskothek]] „[[Charly M]]“, in der 1980 die {{WL2|Bambi (Auszeichnung)|Bambi-Verleihung}} für 1979 stattfand.<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /><ref>[http://www.ganz-muenchen.de/gastro/clubs_nightlife/gecko_club/info.html Gecko Club – neue Nightlife Location am Maximiliansplatz 5, München], ganz-muenchen.de, Oktober 2013.</ref><ref>[http://www.bambi.de/historie/geschichte/detail/als-rudi-carrell-voellig-ausflippte/32 Als Rudi Carrell völlig ausflippte], Bambi Geschichte, abgerufen am 20. Januar 2014.</ref> In der Bayerstraße neben der Peep-Show eröffnete Staudinger Anfang der 1980er Jahre das | Kurz zuvor eröffnete Staudinger 1976 in der Bayerstraße beim [[München Hauptbahnhof|Münchener Hauptbahnhof]] die erste „Peep-Show“ Europas. Das Know-How und Material für die 32 Kabinen holte er sich in New York.<ref name="Fenster zum Fleisch" /><ref>[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350983.html Obskures Objekt: Spiegel-Redakteurin Ariane Barth über Peep-Show], Der Spiegel 9/1979, 26. Februar 1979.</ref> Erzählungen nach erlangte er beim [[Kreisverwaltungsreferat]] die Genehmigung unter dem Vorwand, eine Bühne für Aktmodelle mit Kabinen für mittellose Maler errichten zu wollen. Sein Vater hätte ihn darauf gebracht, der regelmäßig Landschaftsmotive malte, da diese im Gegensatz zu Aktmodellen gratis waren.<ref name="Stadtmagazin" /> In den späten 1970er Jahren eröffnete Staudinger zusammen mit Charly Meyer am [[Maximiliansplatz]] 5 dann auch die legendäre Nobel[[diskothek]] „[[Charly M]]“, in der 1980 die {{WL2|Bambi (Auszeichnung)|Bambi-Verleihung}} für 1979 stattfand.<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /><ref>[http://www.ganz-muenchen.de/gastro/clubs_nightlife/gecko_club/info.html Gecko Club – neue Nightlife Location am Maximiliansplatz 5, München], ganz-muenchen.de, Oktober 2013.</ref><ref>[http://www.bambi.de/historie/geschichte/detail/als-rudi-carrell-voellig-ausflippte/32 Als Rudi Carrell völlig ausflippte], Bambi Geschichte, abgerufen am 20. Januar 2014.</ref> In der Bayerstraße neben der Peep-Show eröffnete Staudinger Anfang der 1980er Jahre das „Las Vegas City“, damals die größte Spielhalle in Europa.<ref name="Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010" /> Den Plan, am {{WL2|Schliersee}} einen {{WL2|Freizeitpark}} zu errichten, verwarf Staudinger aufgrund der langjährigen Bauzeit, und erwarb stattdessen am [[Ammersee]] einen Bauernhof, ein Haus im französischen {{WL2|St. Tropez}} und mehrere Luxusfahrzeuge.<ref name="Spiegel 8/1992" /> | ||
=== Auswanderung in die Vereinigten Staaten === | === Auswanderung in die Vereinigten Staaten === |
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