Sigmund Hellmann

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Siegmund Hellmann war der Sohn des Bankiers Heinrich Hellmann und der Zerlina Karl. Seine Schwester war die Schriftstellerin Carry Brachvogel. Er verbrachte seine Jugend in München. Er besuchte das Maximiliansgymnasium.

Ab 1890 studierte er Jura, ab 1892 Geschichte an der L-M-Universität. Seine akademischen Lehrer waren u. a. Karl Theodor von Heigel, Hermann von Grauert, Gerhard Seeliger und Henry Simonsfeld. Hellmann wurde besonders nachhaltig von Ludwig Traube geprägt und wandte sich dadurch den literarischen Quellen des frühen Mittelalters zu. Mit der Arbeit Die sogenannten Memoiren de Grandchamps und ihre Fortsetzung und die Memoiren des Marquis de Sassenage wurde er 1896 bei Heigel in München promoviert.

Seine Habilitation erfolgte 1899 ebenfalls dort mit der Arbeit Grafen von Savoyen und das Reich bis zum Ende der staufischen Periode. Von 1899 bis 1909 lehrte er als Privatdozent an der Universität München.

Im Jahr 1909 erhielt er in München den Titel eines außerordentlichen Professors und lehrte bis 1923 in München. Der linksliberal gesinnte Hellmann wurde durch die sächsische SPD-Regierung gegen den Widerstand der Fakultät auf einen Leipziger Lehrstuhl berufen. An der Universität Leipzig lehrte er bis 1933 als ordentlicher Professor für mittlere Geschichte. Zu seinen Schülern gehörte u. a. Helmut Beumann. Als nach 1914 Berufener wurde Hellmann gemäß dem „NS-Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ 1933 als Jude entlassen und lebte fortan wieder in München, wo er an einer „Deutschen Geschichte“ schrieb.

Größere Bedeutung hatten für Hellmann Karl von Amira, Karl Vossler, Karl Rothenbücher und Max Weber.

Hellmann wohnte ab 1936 zurückgezogen bei seiner Schwester in München.[1] Er wurde am 22. Juli 1942 zusammen mit ihr[2] in das KZ Theresienstadt deportiert.

Beide kamen dort unter den Haftbedingungen der Nazis um. Seine 1500 Bände umfassende Bibliothek wurde von der Geheimen Staatspolizei konfisziert. Sie gilt heute als verschollen.[3]

Weblinks


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  1. Abriss der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Mit- und Nachschriften 1919/20. Max Weber. Herausgegeben von Wolfgang Schluchter in Zusammenarbeit mit Joachim Schröder. Tübingen 2011, S. 61.
  2. Carry Brachvogel. In: Deutsches Literatur-Lexikon, Das 20. Jahrhundert. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch. Hrsg. von Lutz Hagestedt. De Gruyter, Berlin/Boston, Band 3, 2001, Sp. 510.
  3. Abriss der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Mit- und Nachschriften 1919/20. Max Weber. Herausgegeben von Wolfgang Schluchter in Zusammenarbeit mit Joachim Schröder. Tübingen 2011, S. 62.