Rudolf Benario

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Drei Fürther Bürger jüdischer Herkunft waren im April 1933 die ersten Todesopfer im KZ Dachau und damit die ersten jüdischen Opfer in Konzentrationslagern überhaupt: Dr. Rudolf Benario (* 1908) und Ernst Goldmann (* 1908), beide der KPD nahestehend, und Arthur Kahn. Während seines Studiums in Berlin, Würzburg und Erlangen engagierte sich Benario politisch im Republikanischen Studentenbund und in der KPD. Benario trat aktiv für die Interessen seiner Partei an die Öffentlichkeit.

Über die Verhaftung von Benario berichtete der „Fürther Anzeiger“ in seiner Ausgabe vom 10. März 1933: Der „… sattsam bekannte kommunistische Winsler und Jude Benario [wurde] in Schutzhaft genommen“. Die Deportation nach Dachau erfolgte am 11. April 1933.

Am 12. April 1933 ließ der Kompanieführer im KZ Dachau Benario, Ernst Goldmann und Arthur Kahn aus Nürnberg zunächst zum Unratschaufeln antreten und ging daraufhin mit ihnen zum Schießplatz, kurz darauf wurden sie „auf der Flucht erschossen“ (Anm.1 und 2)


Zu Rudolf Benario
(Anm. 3): "Auf der Flucht erschossen", "Selbstmord" ist die stereotype Angabe der SS über den Tod. Doch noch ist die Justiz im Freistaat nicht gleichgeschaltet. Im Mai 1933 beginnt die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München II wegen Mordverdachtes gegen die SS-Wachmannschaften zu ermitteln. An Ort und Stelle stellen Oberstaatsanwalt Carl Wintersberger, sein engster Mitarbeiter, der 1. Staatsanwalt Josef Hartinger, und der Landgerichtsarzt Dr. Flamm Untersuchungen an und vernehmen verdächtigte SS-Posten. Besonders Hartinger macht damit kurzzeitig der SS das Leben schwer. Er erhebt am 1. Juni 1933 öffentliche Klage gegen den Lagerkommandanten Hilmar Wäckerle "wegen Verbrechens der Körperverletzung mit Todesfolge". Sein mutiger Einsatz bewirkt, daß sich das bayerische Kabinett unter dem NS-Ministerpräsidenten Siebert mit den Mordfällen in Dachau beschäftigen und Himmler den Kommandanten Wäckerle fallenlassen muss.


In letzter Konsequenz bewirkt der Einsatz der Staatsanwälte indes keine Verbesserung für die Häftlinge. Wintersberger beantragt zwar noch vergeblich Haftbefehle gegen Wäckerle und dessen Nachfolger Theodor Eicke, wenig später jedoch wird er selbst nach Bamberg versetzt, und sein Nachfolger schlägt, nachdem auch Josef Hartinger versetzt worden ist, auf Betreiben der SS und des bayerischen Innenministers Wagner das Verfahren nieder. Nach Wäckerles Ablösung übernimmt Theodor Eicke die Lagerleitung.

Eltern
Dr. jur. Leo Benario, Dozent für Zeitungskunde und Maria Benario, geb. Bing

Seit 2007 nun gibt es in Fürth zumindest eine Gedenktafel, die eine Klasse der Hauptschule Soldnerstraße vor Jahren über das Leben und Sterben der beiden Männer erstellt hatte.

Der Infoladen „Benario“ ist seit einiger Zeit Treff– und Infopunkt für engagierte junge Antifaschisten der Stadt.

Weblinks, Zitatnachweise

Wikipedia.png
Das Thema "Deportation und Flucht von Juden aus Fürth" ist aufgrund der überregionalen Bedeutung auch bei der deutschsprachigen Wikipedia vertreten.
Erreichbar über diesen Link: Deportation_und_Flucht_von_Juden_aus_Fürth#Rudolf_Benario_und_Ernst_Goldmann.

Im Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Deportation_und_Flucht_von_Juden_aus_Fürth#Rudolf_Benario_und_Ernst_Goldmann Deportation und Flucht von Juden aus Fürth], Stand 18.2.2012

  • Willi Gesell, Funktionär der KPD in Nürnberg, hat einen Bericht über die Geschehnisse der Tage im April 1933 in seinem Buch „Das andere Nürnberg“ abgegeben.
  • Rechtsmedizin Mü … zum Landgerichtsarzt Dr. Moritz Flamm
(Anm. 1)
Komitee zum Gedenken der Fürther Shoah-Opfer (Bearbeitung Gisela Naomi Blume): Memorbuch zum Gedenken an die von den Nazis Ermordeten Fürther Juden. Fürth 1997. S. 47 f. u. S. 137; Hans-Günter Richardi: Schule der Gewalt. Das Konzentrationslager Dachau 1933-1934. München 1983. S. 88 ff.; Udo Sponsel, Helmut Steiner: Erinnerung an Rudolf Benario. Eines der ersten Opfer des nationalsozialistischen Terrors. In: Fürther Heimatblätter 1997,
(Anm. 2)
Bernd Noack: Quälende Erinnerung. Fürther Nachrichten vom 7. Februar 2012, S. 3 (Lokalteil).
(Anm. 3)
Im Laufe des Jahres 1933 werden weitere Häftlinge in Dachau ermordet.

Weitere

und

  • 27. September 1934, Staatsanwaltschaft.« Es ist dies ein Schreiben des Oberstaatsanwalts an den Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht München:»Betreff: Ableben der Schutzhaftgefangenen Wilhelm Franz und Dr. Katz im Konzentrationslager Dachau. Das Verfahren habe ich eingestellt, da die Erhebungen keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Annahme eines fremden Verschuldens am Ableben der beiden Schutzhaftgefangenen ergeben haben.«