Dachau-Prozesse

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Zum Zeitpunkt der Befreiung des KZ Dachau durch ein Bataillon der Seventh United States Army (7. US-Armee) am 29. April 1945 befanden sich noch etwa 32.000 Häftlinge im Lager. Darunter waren auch viele Häftlinge, die von der SS(so genannte NSDAP-Schutzstaffel) aus anderen aufgelösten Lagern in Frontnähe nach Dachau „evakuiert“ worden waren, als sich Truppen der Alliierten den Lagern näherten. Es geht dabei um die Verbrechen der Todesmärsche. Die von den Amerikanern angetroffenen Häftlinge befanden sich größtenteils in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Trotz der sofort begonnen medizinischen Pflege starben in den Folgewochen viele. Außerdem fanden die Befreier eine hohe Anzahl Leichen von verstorbenen oder ermordeten Häftlingen vor.[1]

Noch im Jahr 1945 begannen die Prozesse. Verhandelt wurde gegen die aufgegriffenen Wächter und so genannten Ärzte der Konzentrationslager, gegen Militärs und Zivilisten, denen die gezielte Ermordung abgeschossener oder notgelandeter alliierter Flieger vorgeworfen wurde, und gegen die Beschuldigten des Malmedy-Massakers. Die amerikanische Ermittler begannen im Rahmen des War Crimes Program, einem US-amerikanischen Programm zur Schaffung von Rechtsnormen und eines Justizapparates zur Verfolgung deutscher Kriegsverbrechen, zügig mit den Untersuchungen.[2]


Der Dachau-Hauptprozess, (United States of America v. Martin Gottfried Weiss et al.), richtete sich gegen Teile der Wach-Mannschaft des KZ Dachaus und wurde vom 15. November bis zum 13. Dezember 1945 durchgeführt. Die Liste der dort Angeklagten reichte vom zeitweiligen KZ-Kommandanten Martin Weiß, der Lagerführer des Außenlagers Allach Josef Jarolin, die Kommandanten diverser Kauferinger Nebenlager, wie Johann Eichelsdörfer, Arno Lippmann, Otto Förschner und Alfred Kramer, die Schutzhaftlagerführer Michael Redwitz und Friedrich Ruppert und drei Funktionshäftlingen. Unter dem angeklagten so genannter Mediziner befanden sich die KZ-Lagerärzte Hans Eisele, Wilhelm Witteler und Fritz Hintermayer. Der Tropen- und NSarzt Claus Schilling, der die Malariaversuchsstation in Dachau geleitet hatte, wurde wegen der Menschenversuche angeklagt. Ebenso stand Otto Schulz als Vertreter der parteieigenen Deutsche Ausrüstungswerke (DAW) unter Anklage. Otto Moll wurde wegen seiner Tätigkeit in diversen Kauferinger Außenlagern im Jahr 1945 angeklagt. Als einziger Vertreter der „Politischen Abteilung“ (Gestapo-Abteilung des KZs) war Kriminalkommissar Johann Kick angeklagt.[3]

Der Urteilsverkündung schickte das Gericht bereits damals einige grundsätzliche Überlegungen voraus. Tötungen und Misshandlungen seien im Rahmen eines gemeinsamen Vorgehens (Common Design) geschehen. Sie erforderten, gegen jeden Anklage zu erheben, der mit der Verwaltung oder Arbeit im Lager zu tun gehabt habe. Das Gericht sei zwar von Siegerseite eingesetzt worden, es wende jedoch ausschließlich Normen internationalen Rechts und solche Rechtsgrundsätze an, die von allen zivilisierten Menschen anerkannt seien.[4] Dies wurde danach jahrzehntelang von deutschen Gerichten übergangen. Die 40 Angeklagten wurden sämtlich schuldig befunden und 36 von ihnen zum Tode verurteilt. Von den zum Tode Verurteilten wurden 28 am 28. und 29. Mai 1946 im Landsberger Kriegsverbrechergefängnis (heute JVA) gehängt.


Diesem Dachau-Hauptverfahren schlossen sich 121 Folgeprozesse mit etwa 500 Beschuldigten an.

Vom 29. März bis zum 13. Mai 1946 wurde mit dem zweiten Dachauer Prozess, dem Mauthausen-Hauptprozess (United States of America v. (Johann) Hans Altfuldisch et aliter), das umfangreichste Konzentrationslagerverbrechen-Strafverfahren in Europa durchgeführt.



Literatur

Siehe auch

Überregional:

Weblinks


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Einzelnachweise

  1. Vgl. Stanislav Zámečník: Das war Dachau., Frankfurt am Main 2007, S. 390f.f.
  2. Vgl. Robert Sigel, Dachauer Kriegsverbrecherprozesse, 1992, S. 16 ff.
  3. Vgl. Dachau-Hauptprozess: Case No. 000-50-2 (US vs. Martin Gottfried Weiss et al) Tried 13 Dec. 45, S. 2ff.
  4. Holger Lessing: Der erste Dachauer Prozess. Baden-Baden 1993, S. 249