Georg Kandlbinder: Unterschied zwischen den Versionen

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Der gelernte Bierbrauer '''Georg Kandlbinder''' (*2. April 1871 zu Lethen Gemeinde {{WL2|Tiefenbach (bei Passau)}}; † 15. November 1935 im [[Klinikum rechts der Isar]]) war in der zweiten April Woche 1919 Vollzugs- und Zentralrat der [[Räterepublik]] in München und Mitglied der Kommission für Volksbewaffnung des Zentralrates und wurde im Verlauf des Palmsonntagsputsch nach [[Verschleppte_des_Palmsonntagsputsches|Eichstätt verschleppt]].
Der gelernte Bierbrauer '''Georg Kandlbinder''' (* [[2. April]] [[1871]] zu Lethen Gemeinde {{WL2|Tiefenbach (bei Passau)}}; † [[15. November]] [[1935]] im [[Klinikum rechts der Isar]]) war in der zweiten April Woche 1919 Vollzugs- und Zentralrat der [[Räterepublik]] in München und Mitglied der Kommission für Volksbewaffnung des Zentralrates und wurde im Verlauf des Palmsonntagsputsch nach [[Verschleppte_des_Palmsonntagsputsches|Eichstätt verschleppt]].


*Von 1921 bis 1933 war Kandlbinder Mitglied des Aufsichtsrats des Konsumvereins München-Sendling.
Von 1921 bis 1933 war Kandlbinder Mitglied des Aufsichtsrats des Konsumvereins München-Sendling.
 
*Die folgende Autobiografie ist in der Darstellung von Christl Knauer-Nothaft, Georg Kandlbinder (1871-1935): Sozialdemokrat, Revolutionär, Verfolgter, 2008 zu finden:


Die folgende Autobiografie ist in der Darstellung von Christl Knauer-Nothaft, Georg Kandlbinder (1871-1935): Sozialdemokrat, Revolutionär, Verfolgter, 2008 zu finden:
Mein Lebenslauf geschrieben im Juli 1920 ergänzt im Oktober 1926
Mein Lebenslauf geschrieben im Juli 1920 ergänzt im Oktober 1926


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Besonders scharf hat sich {{WL2|Eugen Leviné}} gegen uns Sozialdemokraten ausgesprochen, nur Mühsam und Dr. {{WL2|Gustav Landauer}} und ein Teil der Bauernbündler (besonders {{WL2|Konrad Kübler}}) wollten unter allen Umständen schon am Samstag, den 5. April, die Räterepublik in München ausrufen.
Besonders scharf hat sich {{WL2|Eugen Leviné}} gegen uns Sozialdemokraten ausgesprochen, nur Mühsam und Dr. {{WL2|Gustav Landauer}} und ein Teil der Bauernbündler (besonders {{WL2|Konrad Kübler}}) wollten unter allen Umständen schon am Samstag, den 5. April, die Räterepublik in München ausrufen.


Schneppenhorst meinte, dass er sich schwer tun werde mit seinen Soldaten in Nordbayern, weil er dieselben erst für die Regierung Hoffmann gefestigt hat und jetzt soll er sie für die Räterepublik gewinnen, aber er wird sein ganzes Können einsetzen.
{{WL2|Ernst Schneppenhorst}} meinte, dass er sich schwer tun werde mit seinen Soldaten in Nordbayern, weil er dieselben erst für die Regierung Hoffmann gefestigt hat und jetzt soll er sie für die Räterepublik gewinnen, aber er wird sein ganzes Können einsetzen.


Beschlossen wurde, 3 Kommissionen einzusetzen die nach Nordbayern zu fahren hatten, um dort Aufklärung zu schaffen und sich zu orientieren wie die Stimmung sei für einen Räteregierung.
Beschlossen wurde, 3 Kommissionen einzusetzen die nach Nordbayern zu fahren hatten, um dort Aufklärung zu schaffen und sich zu orientieren wie die Stimmung sei für einen Räteregierung.


Ich wurde bestimmt mit Sauber und Hagemeister nach Würzburg und Aschaffenburg, Josef Simon, Scheppenhorst und Mühsam nach Nürnberg, Brunner Michael und Karl Kröpelin nach Bayreuth.
Ich wurde bestimmt mit {{WL2|Fritz Sauber}} und Hagemeister nach Würzburg und {{WL2|Aschaffenburg}}, {{WL2|Josef Simon (SPD)}}, {{WL2|Ernst Schneppenhorst}} und Mühsam nach Nürnberg, Michael Brunner (1892–1952) und Karl Kröpelin nach Bayreuth.


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Ich hatte meine Bedenken geäußert mitzufahren, wurde aber besonders durch Schiefer und Schmidt Arlbert auf die Disziplin aufmerksam gemacht, um nicht wieder die U.S.P. alleinig zu lassen, sie selber wollen auf dem Gautag der M.S.P. für die Räteregierung wirken.
Ich hatte meine Bedenken geäußert mitzufahren, wurde aber besonders durch Schiefer und Schmidt Albert auf die Disziplin aufmerksam gemacht, um nicht wieder die U.S.P. alleinig zu lassen, sie selber wollen auf dem Gautag der M.S.P. für die Räteregierung wirken.


Am Samstag, den 5. April sind wir nach Würzburg gefahren, hatten abends eine große Versammlung im Hutterschen Garten, die ohne Störung verlaufen ist.
Am Samstag, den 5. April sind wir nach Würzburg gefahren, hatten abends eine große Versammlung im Hutterschen Garten, die ohne Störung verlaufen ist.
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Ich fuhr sofort nach München, Sauber und Hagemeister wurden denn nächsten Tag, 9. April in Würzburg verhaftet und die Räterepublik in Nordbayern war erledigt.
Ich fuhr sofort nach München, Sauber und Hagemeister wurden denn nächsten Tag, 9. April in Würzburg verhaftet und die Räterepublik in Nordbayern war erledigt.


In München angekommen begegnete mir Arbeitersekretär Thomaß am Bahnhof und teilte mir mit, er sei aus der Partei ausgetreten, Auers Politik sei an allem schuld.
In München angekommen begegnete mir Arbeitersekretär {{WL2|Otto Thomas (Politiker)}} am Bahnhof und teilte mir mit, er sei aus der Partei ausgetreten, Auers Politik sei an allem schuld.


Am 10. April ging ich wieder zu meiner Arbeit in den Vollzugsrat der Arbeiterräte ins Wittelsbacher Palais.
Am 10. April ging ich wieder zu meiner Arbeit in den Vollzugsrat der Arbeiterräte ins Wittelsbacher Palais.
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Unter schwacher Wahlbeteiligung wurde mit geringer Mehrheit 3507 Stimmen für den Landtag und 3479 für die Räteregierung abgestimmt.
Unter schwacher Wahlbeteiligung wurde mit geringer Mehrheit 3507 Stimmen für den Landtag und 3479 für die Räteregierung abgestimmt.
Mit dieser Abstimmung wären die Richtlinien gegeben gewesen sofort unsere Genossen aus dieser Körperschaft zurückzuziehen.
Mit dieser Abstimmung wären die Richtlinien gegeben gewesen sofort unsere Genossen aus dieser Körperschaft zurückzuziehen.


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Genossenschaftlich organisiert 24 Jahre.
Genossenschaftlich organisiert 24 Jahre.


Oktober 1926 gezeichnet G. Kandlbinder  
Oktober 1926 gezeichnet G. Kandlbinder


== Glossar ==
== Glossar ==
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|Hugo Freund
|Hugo Freund
|Unter {{WL2|Otto Geßler}} wurde er am 30. Juli 1919 vom Nürnberger Stadtrat als Kandidat der USP mit 24 Stimmen zum 3. Bürgermeister von Nürnberg gewählt. Martin Treu zweiter Bürgermeister. Er war seit Dezember 1918 in Nürnberg ansässig war. Ende 1921 verließ er Nürnberg, und wurde in der Landesregierung von Thüringen Ministerialrat. Im Oktober 1945 uterbreitet er Whitehall einem Vorschlag für den Wiederaufbau des deutschen Gesundheitswesens und wanderte nach Palästina aus.
|Arzt, unter {{WL2|Otto Geßler}} wurde er am 30. Juli 1919 vom Nürnberger Stadtrat als Kandidat der USP mit 24 Stimmen zum 3. Bürgermeister von Nürnberg gewählt. Martin Treu zweiter Bürgermeister. Er war seit Dezember 1918 in Nürnberg ansässig war. Ende 1921 verließ er Nürnberg, und wurde in der Landesregierung von Thüringen Ministerialrat. Im Oktober 1945 unterbreitet er dem britischen Außenminsterium einem Vorschlag für den Wiederaufbau des deutschen Gesundheitswesens und wanderte nach Palästina aus.
|[https://books.google.de/books?id=0ZXHAAAAIAAJ&q=Hugo+Freund+SPD&dq=Hugo+Freund+SPD&hl=de&sa=X&redir_esc=y][https://books.google.de/books?id=yC45CAi1EcwC&pg=PA70&dq=%22Dr.+Hugo+Freund%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjFl6norJPPAhUMC8AKHSbnDrcQ6AEINDAC#v=onepage&q=%22Dr.%20Hugo%20Freund%22&f=false S. 70]
|[https://books.google.de/books?id=0ZXHAAAAIAAJ&q=Hugo+Freund+SPD&dq=Hugo+Freund+SPD&hl=de&sa=X&redir_esc=y][https://books.google.de/books?id=yC45CAi1EcwC&pg=PA70&dq=%22Dr.+Hugo+Freund%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjFl6norJPPAhUMC8AKHSbnDrcQ6AEINDAC#v=onepage&q=%22Dr.%20Hugo%20Freund%22&f=false S. 70]


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|(* 20. September 1883 in Jettingen; † 31. Mai 1958 in München)
|(* 20. September 1883 in Jettingen; † 31. Mai 1958 in München)
|[http://www.bayern.landtag.de/opfer_doku/web_gedenk_v2/data/personenXML.php]
|[http://www.bayern.landtag.de/opfer_doku/web_gedenk_v2/data/personenXML.php]
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|Albert Nußbaum
|Albert Nußbaum
|(* 1877; † 1928) Rechtsanwalt, 1911-1928: SPD Stadtrat, 1919-1928: SPD Kreisrat, war am 9. November 1923 Geisel der [[Ludendorff-Hitler-Putsch|Hitler Putschisten]].
|(* 1877; † 1928) Rechtsanwalt, 1911-1928: SPD Stadtrat, 1919-1928: SPD Kreisrat, war am 9. November 1923 Geisel der [[Ludendorff-Hitler-Putsch|Hitler Putschisten]].
|[https://books.google.de/books?id=doIGskWK8S8C&pg=PA15&lpg=PA15&dq=Rechtsanwalt+Nu%C3%9Fbaum+M%C3%BCnchen+1919&source=bl&ots=3rKfTM3bLg&sig=1ZVKJPD_DhXQa9TnhP3bOz8Nvi8&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=Rechtsanwalt%20Nu%C3%9Fbaum%20M%C3%BCnchen%201919&f=false]
|[https://books.google.de/books?id=doIGskWK8S8C&pg=PA15&lpg=PA15&dq=Rechtsanwalt+Nu%C3%9Fbaum+M%C3%BCnchen+1919&source=bl&ots=3rKfTM3bLg&sig=1ZVKJPD_DhXQa9TnhP3bOz8Nvi8&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=Rechtsanwalt%20Nu%C3%9Fbaum%20M%C3%BCnchen%201919&f=false]
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|Karl Kröpelin
|(* 12. September 1893 in {{WL2|Velgast}}, † 20. März 1977 in München) 1919 im Auftrag des Münchner Stadtrats und der Freien Gewerkschaften Aufbau der ersten Städtischen Erwerbslosen-Fürsorge in München, Leiter der Erwerbslosenzentrale München.
|[https://verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de/kroepelin-karl]


[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte]]
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