Milchbar

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Der Begriff Milchbar, auch Milchpavillon, Milchhalle, ist ein Freizeitort der 50er und 60er Jahre. Er verbindet zwei Worte, die eigentlich nicht zu einander finden können: die gute, fromme Milch und so ein etwas verruchter Ort des intensiven Alkoholkonsums - die Bar (wer denkt bei dem Wort nicht sofort an die Bilder des Wildwest-Salons und der Bars von Paris. Wenn man in einem bundesweiten Branchenbuch nach "Milchbar" sucht, findet man ungefähr noch dreißig Einträge. Einige von ihnen sind - wenigstens dem Namen nach - übrig geblieben von einer Vielzahl von Milchbars, die in den Nachkriegsjahren eröffnet worden sind. Andere wurden erst in den letzten Jahren neu eröffnet. Denn Retro-Design, so nennen Fachleute so etwas (das Wiederaufgreifen früherer, jahrzehntealter Formen oder Produkte), ist auch in der Gastronomie, noch selten, zu finden. Bei Möbeln oder Autos ist Retro dagegen schon einige Jahre in.


  • in Mü - dagegen ein angesagter Club mit Alk und Musik: Milch & Bar


Und: aus Bedienungen wurden in Milchbars Barkeeper. Und die Bar erstreckte sich über die ganze Länge des Gastraumes. Es sei denn, die Milchbar war ein kleiner Schuppen an der nächsten Straßenecke.


Ein gutes Unterscheidungsmerkmal sind üblicherweise die Öffnungszeiten, die ja auch die Zielgruppen recht ordentlich trennen: Vormittags und Nachmittags bzw. überwiegend abends oder spätabends bis tief in die Nacht.

Geschichte

n Neuseeland wurden die ersten Milchbars in den 30er Jahren eröffnet ("Black and White" in Wellington 1936). Im Unterschied zu den britisch inspirierten "Tea Rooms“.

In den USA erlebten Milchbars in den Jahren der Prohibition einen Boom, also als der Ausschank von Alkohol verboten gewesen ist. Die verringerten Umsatzschancen versuchte man mit dem Ausschank alkoholfreier Getränke zu kompensieren und erfand so nebenbei die Milchbar aber auch Coca Cola. Oft genug reicherte man aber auch Milch, Kaffee und andere alkoholfreie warme und kalte Getränke mit einem Schuß oder auch mehr Alkohol an. Eine Gruppe dieser Mixgetränke ist heute noch als Milkshakes bekannt.

Während des Zweiten Weltkrieges, als in Neuseeland amerikanische Soldaten stationiert gewesen sind, entwickelten sich dort diese Milchbars zu Treffpunkten von Soldaten und den von ihnen angelockten jungen Frauen und Männern. Also doch eher Halbseidenes statt Unschuldsmienen.

Die erste deutsche Milchbar wurde 1937 auf dem XI. Internationalen Milchwirtschaftlichen Weltkongreß in Berlin von Hans Krönlein präsentiert. Gegenüber den Faschisten, die amerikanischen Ideen und Produkten ablehend gegenüberstanden, wurde argumentiert, der Konsum von Milch diene der Volksgesundheit.

Dann nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einzelne Milchbars, die schnell von italienischen Eisdielen abgelöst oder in sie umgewandelt wurden. Bekanntes Exemplar: in Stuttgart schuf der Architekt Rolf Gutbrod die "Milchbar am Flamingosee". Der "Pavillon" entstand 1950 für die Deutsche Gartenschau auf dem Killesberg; 1993 wurde er renoviert. Heute ist er tagsüber Versorgungsgastronmie im Höhenpark Killesberg, abends finden hier "After-Work-Partys" und geschlossene Feiern statt.

Die Jugendkultur wird wunderschön dargestellt in dem Film "Schuld war nur der Bossanova". Das Wort "Bar" erhöhte den Reiz durch die Anspielung an die legendären Cocktail-Bars.

Milchbars sind noch überdurchschnittlich oft in den neuen Bundesländern anzutreffen, wo sich die Bezeichnung vielerorts bis zur Wende gehalten hat und danach als bekannte Ortsbezeichnung belassen worden ist, teilweise mit ganz anderem Konzept. So ist die Milchbar Lounge in Leipzig eher ein Nightclub, in der man bis nachts um drei tanzen, essen und trinken kann. Die Milchbar in der Kreuzberger Manteuffelstraße (Berlin) ist eine Szenekneipe mit Punkrockmusik.

Die Hudsonbar in Berlin hat sich der Tradition der ersten Milchbars verschrieben und bietet im Randsortiment eine ganze Reihe alter Rezepte.

Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) hat das Thema Milchbar in einem witzigen Werbeauftritt für Milch aufgegriffen. Die CMA-Milchbar ist eine virtuelle Milchbar in modernem Design, in der auf spielerische Weise Rezepte für Milch-Shakes und Milchgerichte vorgestellt werden.

Konzept

Wer eine Milchbar eröffnen möchte, sollte die kritischen Erfolgsfaktoren beachten:

  • Der wichtigste Erfolgsfaktor ist der Standort.
  • Peinlichste Sauberkeit des Personals, die auch durch Vertrauensbildner (etwa Arbeitskleidung, Häubchen, zusammengebundenes Haar) demonstriert werden kamn, ist Pflicht.
  • Klassische Milchbars sind ähnlich wie Eissalons vermutlich kein Ganzjahres-Konzept, zumindest sollte man die geringeren Umsätze in den kalten Monaten durch Heißgetränke (Kaffeebars, Glühwein im umdekorierten Weihnachtsland) oder vielleicht auch Suppen usw. zu kompensieren versuchen.

Weblinks