Diskussion:Arzberger Keller
aten sammeln, Zeitungsartikel ; Illustrierte deutsche Gastwirths-Zeitung. 1/13. 1882, 25. Juni - 24. Sept. / II. Semester, Sonntag 27. August 1882, Nr. 9 Der Arzberger-Keller des Spatenbräu in München. Am Samstag, 19. August Abends, ging die Eröffnung des Arzberger = Kellers an der nordwestlichen Ecke der Nymphenburger- und Sandstraße, von einem sternenklaren Abend begünstigt, in schönster Weise vor sich. Es besteht dieses neueste, unzweifelhaft geschmack vollste Gastetablissement Münchens aus dem längs der Terrasse des alten anno 1827 erbauten Arzberger-, später Sedlmayr-Kellers neu hergerichteten Kellergarten, zu welchem man mittelst einer schön ausgeführten Mauertreppe, von deren Niveau der etwa 21/2 Meter tiefer gelegenen Nymphenburgerstraße gelangt. Gegen die Sandstraße zu ist der Flügel des ursprünglichen Kellergebäudes durch Herrn Baumeister Deiglmayr nach den Plänen des Herrn Architekten Seidl zweckentsprechend gänzlich umgebaut worden. Schon von weitem strahlte der Garten mit dem neuen Kellergebäude durch die darin eingerichteten Lichter taghell erleuchtet und bot einen brillanten Anblick. Ober dem Eingange an der Nymphenburgerstraße machte ein zinnerner Krug, als Wahrzeichen, elektrisch durch 4 Glühlämpchen beleuchtet, die neue Gambrinusquelle fenntlich. Unserem Mitbürger Herrn Kommerzienrath Sedlmayr gebührt das Verdienst als der erste dahier das elektrische Licht und zwar, wie sich am 19. zeigte, mit schönstem Erfolg zum Privatgebrauch eingeführt zu haben. Auf die Gartenterrasse getreten, fanden wir kurz nach 8 Uhr nahezu sämmtliche der vielen unter dem Grün der Bäume ausgestellten sauberen Tische besetzt. Es mochten daselbst zwischen circa zweitausend Personen anwesend gewesen sein. Der Garten war durch ungefähr 70 elektrische Lampen, welche ein intensives, mildes, dem Auge durchaus sympathisches ruhiges Licht verbreiteten, nahezu taghell erleuchtet. Auch die Gebäulichkeiten und namentlich der im ersten Stocke befindliche Saal sind mit solchen Glühlichtern, aber ohne größere Glasglocken, erleuchtet. In demselben brennen, in Mitte einen großen Kranz bildend, etwa 20 solche Lämpchen. In anderen Theilen des Saales sowie in den Parterrelokalitäten sind dieselben theils einzeln, theils geschmackvoll lustreartig zu 3 oder 4 vereint. In glanzvoller Weise ist der erwähnte Saal ausgestattet, in halber Höhe umziehen denselben hübsche, grün gemalte Holzvertäfelungen. Blau-weiße Blau-weiße bayerische Wecken dazwischen angebracht, erhöhen den freundlichen Gesammteindruck. Höchst charakteristisch ist die brillante Plafondausmalung, die beiden Mittelfelder zeigen das bayerische Wappen mit der Patrona Bavariae und der Inschrift,, Signum Bavariae"; auf der anderen Seite einen mächtigen Reichsadler. In einem anderen Felde findet sich die Inschrift, dieses Kellers bezieht. Außerdem sind höchst originelle Arabesken mit Emblemen des Gambrinuslebens: wie Humpen, Brezeln, Rettige und auch ein Böcklein mit dem Fasse nicht vergessen. Die ganze Dekoration nebst der äußeren originellen Bauart, die einfachere Konstruktion unserer Kellerlokale mit der altdeutschen Renaissance geschickt und geschmackvoll vereinend, darf als mustergiltig bezeichnet werden, auch die übrigen Einrichtungen sind in hohem Grade praktisch und bemerkenswerth. An dem Baue waren thätig Architekt Seidl, Maurermeister Deiglmayr, Maler Hup und Zimmermeister Decker. Die Wirthschaft führt Herr Englbrecht. Herr Kommerzienrath Sedlmayr hat, abgesehen von zahlreichen anderen der Stadt zum Nußen gereichenden Schöpfungen, durch die glanzvolle Errichtung jener Keller lokalitäten, die Stadt München um eine neue Zierde bereichert, welche Zeugniß ablegt, was Münchner Kunst und Handwerk im Bunde Gediegenes zu leisten vermögen und einen neuen Anziehungspunkt durch die intelligente und praktische Ausnukung dessen, was unsere Zeit an Schönem und Nüßlichem hervorgebracht, für München geschaffen. Nicht zu vergessen sind bei dem Ganzen die Söhne des Genannten, die Herren Sedlmayr jun., welche als würdige Stützen ihrem Vater sowohl bei dieser Unternehmung wie im Allgemeinen in dessen großem Geschäfte wacker zur Seite stehen. (Nicht signierter Beitrag von Benutzer:Fentriss)
- Danke, Richard!--Keuk (Diskussion) 11:28, 15. Nov. 2025 (CET)
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